Auch junge Erwachsene können schwer an COVID-19 erkranken – Ärzte sollten auf 3 Risikofaktoren achten

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

17. September 2020

Nach wie vor fragen sich Ärzte, welche Personengruppen in Zeiten der Corona-Pandemie besonders gefährdet sind. Bislang schlossen Studien meist ältere Patienten, teils mit Vorerkrankungen, ein. Jetzt berichten Dr. Jonathan W. Cunningham vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Kollegen, dass auch junge Erwachsene im Alter von 18 bis 34 Jahren teils erhebliche Beschwerden haben, wenn sie aufgrund von COVID-19 stationär behandelt werden. Basis ist eine retrospektive Datenanalyse von Patientenakten.

21% mussten auf die Intensivstation, 10% mussten mechanisch beatmet werden und 2,7% starben. Diese Mortalitätsrate ist zwar niedriger als bei älteren Erwachsenen, aber etwa doppelt so hoch wie bei jungen Erwachsenen mit akutem Myokardinfarkt – einer Erkrankung, welche bei der Altersgruppe mitunter vorkommt und zum Vergleich herangezogen wurde. Als Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf nennt Cunninghams Team Adipositas, Hypertonie und Diabetes. Alle Ergebnisse sind in JAMA Internal Medicine nachzulesen [1].

Recherche in Patientendatenbanken

Cunninghams Team definierte für junge Erwachsene den Altersbereich zwischen 18 und 34 Jahren. In der Premier Healthcare Database, einer Datenbank mit 1.030 US-amerikanischen Krankenhäusern und mehr als 8 Millionen stationären Einweisungen, recherchierten sie anhand des ICD-10-Codes „COVID-19, Virus identifiziert“ nach Patientendaten. Auch Komorbiditäten wurden anhand von ICD-10-Codes identifiziert. Patienten mussten zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2020 entlassen worden sein. Schwangere schlossen die Wissenschaftler aus, weil sie möglicherweise nur zur Entbindung, aber nicht aufgrund von COVID-19-Beschwerden stationär behandelt worden waren.

Kohorte mit mehr als 3.000 jungen Erwachsenen

Unter 780.969 Erwachsenen, die zwischen dem 1. April 2020 und dem 30. Juni 2020 entlassen worden waren, hatten 63.103 (8,1%) den ICD-10- Code für COVID-19. Und 3.222 (5%) waren nicht schwangere junge Erwachsene zwischen 18 und 34 Jahren. Im Schnitt lag das Alter der Patientengruppe bei 28,3 Jahren.

1.849 (57,6%) waren Männer, und 1838 (57,0%) waren Schwarze oder Hispanoamerikaner. Insgesamt hatten 1.187 (36,8%) Übergewicht mit einem BMI ab 30, 789 (24,5%) hatten krankhaftes Übergewicht mit einem BMI ab 40, 588 (18,2%) Diabetes und 519 (16,1%) Bluthochdruck.

Während des Krankenhausaufenthaltes behandelten Ärzte 684 Patienten (21%) auf der Intensivstation; 331 (10%) benötigten eine mechanische Beatmung und 88 (2,7%) starben. Vasopressoren oder Inotropika kamen bei 217 Patienten (7%), Zentralvenenkatheter bei 283 (9%) und Arterienkatheter bei 192 (6%) zum Einsatz. Die mittlere Verweildauer auf der Intensivstation lag bei 4 Tagen. Von allen Patienten, die überlebten, wurden 99 (3%) in eine postakute Pflegeeinrichtung entlassen.

Diese 3 möglichen Risikofaktoren sollten Ärzte kennen

Krankhaftes Übergewicht (Odds Ratio: 2,30; 95%-Konfidenzintervall: 1,77-2,98; vs. keine Fettleibigkeit; p < 0,001) und Hypertonie (OR: 2,36; 95%-KI: 1,79-3,12; p < 0,001) waren häufig mit einem höheren Risiko für Tod oder mechanische Beatmung verbunden. Das galt generell auch für Männer (OR: 1,53; 95%-KI: 1,20-1,95; p = 0,001). Die Wahrscheinlichkeit eines Todes oder einer mechanischen Beatmung variierte bei verschiedenen Ethnien nicht signifikant.

Diabetes war in der Analyse mit einem erhöhten Risiko für beide Ereignisse verbunden (OR: 1,82; 95%-KI: 1,41-2,36; p < 0,001), erreichte jedoch nach Anpassung an verschiedene Cofounder keine statistische Signifikanz (OR: 1,31; 95%-KI: 0,99-1,73; p = 0,06).

Limitationen der Studie

Zu den Einschränkungen dieser Studie gehörten Definition von COVID-19-Infektionen und Komorbiditäten anhand von ICD-10-Codes, die möglicherweise fehlerhaft seien, schreiben Cunningham und Kollegen. Weitere Schwächen sehen sie in der Erfassung von Ethnien in Krankenhäusern. Trotzdem lautet ihr Fazit: „Angesichts der stark steigenden COVID-19-Infektionsraten bei jungen Erwachsenen unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung von Maßnahmen zur Infektionsprävention in dieser Altersgruppe.“

 

Kommentar

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