Coronavirus-Studie mit über 30.000 Isländern: Konstante Antikörper-Titer über 4 Monate

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

14. September 2020

Die Antikörper-Reaktion ist nach einer Studie im NEJM bei isländischen Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion innerhalb von 4 Monaten nach der Diagnose konstant geblieben. Die Autoren um den Genforscher Dr. Kari Stefansson (deCODE Genetics–Amgen) schätzen das infektionsbedingte Sterberisiko auf 0,3% [1].

Wie stark eine Antikörper-Reaktion bei Infektion mit dem neuen Coronavirus ausfällt und wie lange sie anhält, sind insbesondere für die Impfstoff-Entwicklung und für kommende Impfprogramme wichtige Fragen. Befürchtet wird unter anderem, dass infizierte Patienten relativ rasch wieder Antikörper-negativ werden und sich erneut infizieren könnten. Eindeutige Antworten gibt es bislang nicht.

Die Autoren der vorliegenden Studie wollten daher die Seroprävalenz von SARS-CoV-2 in der isländischen Bevölkerung und den Antikörper-Verlauf innerhalb der ersten 4 Monate nach der Infektion ermitteln. 

30.000 Isländer untersucht

Die Wissenschaftler bestimmten bei 30.575 isländischen Bürgern (8,4% der Gesamtbevölkerung) mit 6 Assays die Titer der spezifischen Antikörper gegen SARS-CoV-2. Zu den 6 Assays gehörten auch 2 Pan-Ig-Assays. Seropositivität wurde dann angenommen, wenn beide Pan-Ig-Assays positiv ausfielen.

Darüber hinaus wurden 2.102 Proben von 1.237 Personen bis zu 4 Monate nach der Diagnose mit einem quantitativen PCR-Test (qPCR) untersucht.

Zudem bestimmten die Forscher die Antikörper bei 4.223 Personen mit Virus-Exposition, die sich daher in Quarantäne befanden, sowie bei 23.452 Personen ohne bekannte Virus-Exposition.

Über 90% der Genesenden seropositiv

Von 1.215 Personen, die sich von der Infektionskrankheit erholt hatten, waren 1.107 (91,1%) seropositiv. Die Antikörper-Titer, bestimmt mit den 2 Pan-Ig Assays, stiegen innerhalb der ersten beiden Monate nach der Diagnose (durch aPCR) an und blieben bis zum Ende der Studie auf dem erreichten Titer-Niveau.

Von den Personen in Quarantäne waren 2,3% seropositiv, von den Personen ohne bekannte Virus-Exposition waren es 0,3%. 

Nach den Schätzungen der Forscher steckten sich 0,9% der Isländer mit dem neuen Coronavirus an. Tödlich war die Erkrankung bei 0,3%. 

56% aller Infektionen wurden laut Schätzungen der Forscher durch einen qPCR-Test diagnostiziert; bei 44% der Infizierten in Island wurde die Infektion mittels PCR-Test hingegen nicht erkannt.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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