Süße Alternative zu Schleimlösern und Co: Honig lindert Husten besser als übliche Erkältungsmittel

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

26. August 2020

Ein Heißgetränk mit Honig hat bei Erkältungen Tradition: Und tatsächlich lindert Honig Erkältungsbeschwerden und vor allem Husten offenbar besser, als das herkömmliche Mittel tun. Das ist das Ergebnis einer britischen Analyse, die jetzt im BMJ Evidence Based Medicine erschienen ist [1].

Die Forscher um Dr. Hibatullah Abuelgasim von der Universität Oxford, Großbritannien, hatten Studien ausgewertet, in denen Honig mit Antihistaminika, Schleimlösern, Antitussiva und Schmerzmitteln verglichen worden war und sich insgesamt als effektiver und nebenwirkungsärmer erwiesen hatte. Honig, so ihre Schlussfolgerung, ist bei Husten und Erkältungen deshalb eine gute Alternative.

„Seit Längerem ist bekannt, dass es keine hochwertigen Studien gibt, die den Nutzen von Antitussiva oder Expektorantien bei unkomplizierten Erkältungskrankheiten – das schließt die ‚akute Bronchitis‘ ein – belegen. Aus diesem Grund werden diese Substanzen auch international nicht zu Behandlung empfohlen“, sagt Prof. Dr. Christoph Heintze, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Charité Berlin. Am Institut für Allgemeinmedizin wird derzeit die Überarbeitung der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ‚akute und chronische Husten‘ mit den Fachgesellschaften abgestimmt.

„Die Studie ist interessant, weil kostengünstige Alternativen für eine symptomatische Behandlung auch für unkomplizierten Erkältungskrankheiten wissenschaftlich untersucht werden, die jedem zur Verfügung stehen und nur begrenzt Nebenwirkungen zeigen“, kommentiert Heintze die britische Analyse.

Übersichtsarbeit über 14 sehr unterschiedliche Studien

Seit langem wird Honig als Hausmittel – in heißer Milch mit Honig oder als Tee mit Honig – zur Behandlung von Husten und Erkältungen verwendet. Beweise für seine Wirksamkeit bei einer Reihe von Symptomen der oberen Atemwege bei Erwachsenen sind bislang allerdings nicht systematisch überprüft worden.

Die Analyse von Abuelgasim und Kollegen ändert das allerdings nur bedingt – denn die meisten Probanden waren Kinder und die Studiensettings sehr unterschiedlich. Die Forscher hatten Datenbanken durchsucht und schlossen schließlich 14 Studien mit 1.761 Teilnehmern in ihre Analyse ein. In den Studien erhielten die Teilnehmer randomisiert entweder Honig oder ein herkömmliches Mittel bzw. ein Placebo (2 der Studien waren Placebo-kontrolliert).

Die Studienteilnehmer setzten sich aus Kindern (9 Studien) und Erwachsenen zusammen. In manchen Studien wurden spezielle Honigsorten verwendet, in anderen Milch mit Honig und Kaffee mit Honig, in 2 Studien erhielten die Probanden honighaltigen Sirup.

Honig verringerte Symptomschwere und -Dauer

Im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung verbesserte Honig die kombinierten Symptome (3 Studien, mittlere Differenz (MD) -3,96; 95%-Konfidenzintervall -5,42 bis -2,51), die Hustenhäufigkeit (8 Studien, MD -0,36) und die Hustenschwere (5 Studien, MD -0,44). In 2 Studien wurde Honig mit dem Antitussivum Dextromethorphan verglichen, schnitt allerdings nicht signifikant besser ab.

Anders sah das beim Vergleich mit dem schlaffördernden Diphenhydramin (4 Studien) aus – dabei zeigte sich Honig sowohl bei den kombinierten Symptomen (MD -5,31) als auch der Hustenhäufigkeit (MD -0,29) und der Hustenschwere (MD -0,50) überlegen.

2 der Studien lieferten Hinweise, dass Honig die Symptome um 1 bis 2 Tage verkürzen konnte. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass nur 2 der Studien Placebo-kontrolliert waren und mehr randomisierte Placebo-kontrollierte Studien durchgeführt werden müssten, bevor endgültige Schlussfolgerungen gezogen werden könnten.

Honig als Alternative zu Antibiotika

Abuelgasim und Kollegen kritisieren, dass Antibiotika gerade bei Erkältungen noch viel zu häufig verschrieben werden. „Infektionen der oberen Atemwege sind der häufigste Grund für die Verschreibung von Antibiotika. Da die Mehrzahl der Infektionen der unteren Atemwege viraler Natur ist, ist die Verschreibung von Antibiotika sowohl unwirksam als auch ungeeignet“, schreiben sie.

 
Wenn Kliniker etwas gegen Infektionen des unteren Atemtrakts verordnen möchten, würden wir Honig als Alternative zu Antibiotika empfehlen. Dr. Hibatullah Abuelgasim und Kollegen
 

„Honig ist billig, leicht erhältlich und hat so gut wie keine Nebenwirkungen. Wenn Kliniker etwas gegen Infektionen des unteren Atemtrakts verordnen möchten, würden wir Honig als Alternative zu Antibiotika empfehlen. Er ist wirksamer und weniger schädlich als herkömmliche Mittel und er vermeidet Schäden durch antimikrobielle Resistenz.“

Auch Heinzte kritisiert, dass insgesamt noch zu viele Antibiotika bei respiratorischen Infekten verschrieben werden, obwohl diese häufig viraler Genese sind. „Oft hilft geduldiges Abwarten und eine symptomatische Therapie, zu der auch der Honig zählen könnte. Ich würde diesen aber derzeit nicht als Alternative zur Antibiotika-Behandlung sehen“, stellt Heintze klar.

„Ob die aktuelle Übersicht noch in die Empfehlungen zur Nutzung von Honig in die ausstehende S3-Leitlinie der DEGAM eingeht, kann ich im Moment nicht sagen, weil die Recherche eigentlich abgeschlossen ist.“

 

Kommentar

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