Neutralisierende Antikörper bei COVID-19: Überraschende Unterschiede – höhere Titer bei Männern und Älteren

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

24. August 2020

Patienten, die mit mildem COVID-19 in China stationär behandelt worden waren, zeigten ganz unterschiedliche Titer an SARS-CoV-2-spezifischen, neutralisierenden Antikörpern. Von 175 Patienten hatten 10 Infizierte Werte unterhalb der Nachweisgrenze. Das berichten Dr. Fan Wu vom Shanghai Public Health Clinical Center, China, und Kollegen in JAMA Internal Medicine  [1].

„Wu und Kollegen beschrieben eine beträchtliche Variabilität bei der Entwicklung neutralisierender Antikörper“, kommentiert Dr. Mitchell H. Katz in einem begleitenden Editorial [2]. Er ist Arzt bei NYC Health + Hospitals, New York, USA, und Deputy Editor von JAMA Internal Medicine.

 
Wu und Kollegen beschrieben eine beträchtliche Variabilität bei der Entwicklung neutralisierender Antikörper. Dr. Mitchell H. Katz
 

Wichtig sei, zu verstehen, wie es zu den Unterschieden komme. Katz weist besonders darauf hin, dass höhere Antikörperspiegel bei Männern, bei älteren Personen und bei Patienten mit Anzeichen einer stärkeren immunologischen Reaktion beobachtet worden seien. Allerdings hätte diese Gruppe eine besonders schlechte Prognose, „was darauf hindeutet, dass die höheren Antikörpertiter nicht unbedingt zu einer höheren Heilungsrate führen“.

Katz weiter: „Da diese Studie nur Patienten mit leichter Erkrankung, die überlebt haben, einschloss, konnte man die Antikörperspiegel nicht mit einer Prognose in Verbindung bringen, so dass wir nicht wissen, ob bestimmte Gruppen höhere Antikörperspiegel benötigen, um die Krankheit zu überstehen.“ Ebenso unklar sei, ob eine höhere Antikörperproduktion, die als Indikator für den Erfolg einer Impfung herangezogen werde, zu einem größeren Schutz gegen das Virus führe.

Konkret wirft die Veröffentlichung einige Fragen auf: In dieser Studie hatten 10 von 175 Patienten trotz bestätigter SARS-CoV-2-Infektion keine Antikörper gegen das Virus. „Sind diese Patienten anfällig für zukünftige Infektionen oder haben sie einen Schutz, der auf ihren Killer-T-Zellen oder Gedächtnis-B-Zellen beruht?“, fragt Katz.

Nur Patienten mit leichten Symptomen in Studie aufgenommen

Wus Team analysierte für die Studie Daten von Patienten aus Shanghai, bei denen zwischen 24. Januar bis 26. Februar COVID-19 per PCR diagnostiziert wurde. Sie wurden isoliert und ins Krankenhaus eingeliefert, aber als „leicht symptomatisch“ eingestuft. Das heißt, sie litten an Fieber, an Symptomen der Atemwege, und sie hatten radiologische Anzeichen einer Lungenentzündung. Schwere und kritische Patienten wurden von der Studie ausgeschlossen, da sie mit Antikörpern behandelt wurden.

Patienten wurden entlassen, nachdem sie 3 Tage lang fieberfrei waren, sich respiratorische Symptome gebessert hatten und per Bildgebung das Abklingen der Pneumonie bestätigt worden ist. Hinzu kamen 2 aufeinanderfolgende negative PCR-Tests in Nasen-Rachen-Abstrichen. Ärzte gewannen Plasma 2 Wochen nach der Entlassung, und die Titer neutralisierender Antikörper wurden bestimmt.

Die Patienten waren im Median 50 Jahre alt, und etwas mehr als die Hälfte waren Frauen. Der mediane Krankenhausaufenthalt lag bei 16 Tage, während die mediane Krankheitsdauer 22 Tage betrug. 2 Drittel der 175 Patienten wurden bis zum 16. März nachbeobachtet.

Stark unterschiedliche Titer neutralisierender Antikörper

Die Titer SARS-CoV-2-spezifischer neutralisierenden Antikörper reichten von unterhalb der Nachweisgrenze (< 40) bis zu über 21.000 zum Zeitpunkt der Entlassung. Die meisten Patienten (39%) hatten mittelhohe neutralisierende Antikörpertiter (1.000-2.500), während 17% mittlere bis niedrige Werte (500-999) und 14% hohe Werte (> 2.500) aufwiesen. Nur 2 Patienten lagen über 15.000.

Interessanterweise waren Patienten, die hohe Werte an neutralisierenden Antikörpertitern entwickelten, älter (im Median 63 Jahre) und 56% waren Männer. 10 Patienten, bei denen die Titer der neutralisierenden Antikörper unter der Nachweisgrenze lagen, waren jünger (im Median 34 Jahre) und 8 waren Frauen.

Die Titer korrelierten zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme mit den Plasmaspiegel des C-reaktiven Proteins, aber nicht mit den Lymphozytenzahlen.

Als Einschränkung erwähnen die Autoren, dass ihre Patienten nur bis zu 2 Wochen nach der Entlassung nachbeobachtet wurden und dass die Kohorte mit 117 Personen recht klein ist.
 

Kommentar

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