Können antiseptische Mundspülungen die Übertragung von SARS-CoV-2 bremsen? Im Labor zumindest klappt‘s

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

20. August 2020

Können eventuell handelsübliche Mundspülungen das Corona-Übertragungsrisiko senken? Das vermuten zumindest Toni Luise Meister von der Ruhr-Universität Bochum und Kollegen aufgrund von Laborexperimenten. Ihre Ergebnisse haben sie im Journal of Infectious Diseases veröffentlicht [1]. Eine klinische Studie soll folgen.

„Unsere Ergebnisse sprechen eindeutig für die Evaluierung ausgewählter Formulierungen im klinischen Kontext, um die Dekontamination und die Gesundheit der Mundhöhle bei Patienten und medizinischem Personal systematisch zu bewerten und so eine Virusübertragung potenziell zu verhindern“, schreiben die Autoren im Artikel.

Der Mund-Rachen-Raum als Quelle von Infektionen

Wissenschaftler gehen nach jetzigem Kenntnisstand davon aus, dass der direkte Kontakt mit virushaltigen Aerosolen oder mit Tröpfchen zu SARS-CoV-2-Infektionen führt. Coronaviren besiedeln zunächst die oberen Atemwege von infizierten Personen. Eine hohe Viruslast in der Mundhöhle trägt beim Sprechen, Niesen oder Husten zur weiteren Verbreitung der Erreger bei.

 
Unsere Ergebnisse sprechen eindeutig für die Evaluierung ausgewählter Formulierungen im klinischen Kontext ... Toni Luise Meister und Kollegen
 

Geht man davon aus, dass sich SARS-CoV-2 noch vor dem Einsetzen der Symptome im Rachen vermehrt, könnte eine orale Antisepsis das Risiko einer Übertragung verringern, so die Hoffnung der Forscher. Sie wussten aus früheren experimentellen und klinischen Studien, dass antiseptische Mundspüllösungen beim Coronavirus SARS oder beim Influenzavirus H5N1 tatsächlich die Viruslast senken. Untersucht wurden damals vor allem Chlorhexidin-Gluconat, Polyvinyl-Pyrrolidonjod, Natrium-Hypochlorit, Cetyl-Pyridiniumchlorid und Wasserstoffperoxid.

Vielversprechende Laborexperimente

Für ihre aktuellen Experimente erwarben die Forscher nun 8 handelsübliche Mundspüllösungen mit unterschiedlichen Wirkstoffen in Apotheken oder Drogerien:

  • Cavex Oral Pre Rinse (Wasserstoffperoxid)

  • Chlorhexamed Forte (Chlorhexidin-Digluconat)

  • Dequonal (Dequalinium-/Benzalkonium-Chlorid)

  • Dynexidine Forte 0,2% (Chlorhexidin-Digluconat)

  • Iso-Betadine Mundwasser 1,0% (Polyvinyl-Pyrrolidonjod)

  • Listerine Cool Mint (Ethanol)

  • Octenident Mundspüllösung (Octenidin-Dihydrochlorid)

  • ProntOral Mundspüllösung (Polyhexanid)

Zu jeder Probe gaben sie im Labor Viruspartikel und künstlichen Speichel. Dann wurden alle Ansätze 30 Sekunden lang geschüttelt, um das Gurgelns zu simulieren. Anschließend bestimmten Meister und Kollegen den Virustiter mit Vero-E6-Zellen, welche besonders empfänglich für SARS-CoV-2 sind.

Alle getesteten Präparate verringerten tatsächlich den Virustiter. Bei 3 Mundspülungen konnte man nach 30-sekündiger Inkubation keine Viren mehr detektieren:

  • Dequonall-Pyrrolidonjod

  • Iso-Betadine

  • Listerine Cool Mint

Ob dieser Effekt auch bei Menschen auftritt und wie lange er möglicherweise anhält, ist unklar, soll aber zeitnah untersucht werden. Dabei sollen verschiedene Mundspüllösungen verblindet mit destilliertem Wasser verglichen werden. 

Die Forscher haben aber noch eine weitere Idee: Das Verwenden von Mundspülungen könne bei zahnärztlichen Behandlungen nützlich sein und auch hier das Übertragungsrisiko der Coronaviren kurzfristig senken, schreiben sie in der Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum.

Ein sicherer Schutz vor der Ansteckung mit dem Virus sei die Verwendung von Mundspülungen auf jeden Fall aber nicht.

 

Kommentar

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