Sprachstörung bei Morbus Parkinson: Stimmtraining beim Logopäden bessert Verständlichkeit, zeigt Studie

Michael Simm

Interessenkonflikte

17. August 2020

Parkinson-Patienten haben oft Sprachstörungen. Erhalten sie Schulungen von spezialisierten Logopäden, können sich Betroffene verständlicher äußern. Dies gilt allerdings nur für das Training der Stimme, nicht dagegen für ein Artikulationstraining. Zu diesen Ergebnissen kommt Prof. Dr. Erika S. Levy von der Columbia University, New York, zusammen mit Kollegen in EClinical Medicine [1]. Basis war eine randomisierte, kontrollierte Studie.

Offene Fragen zur Sprachtherapie bei Parkinson

Störungen der Sprache treten bei Menschen mit Parkinson sehr häufig auf. Die Autoren der aktuellen Arbeit nennen einen Anteil von fast 90%. Betroffene können nicht mehr richtig kommunizieren, und ihre Lebensqualität verringert sich. Trotz zahlreicher Studien sei aber noch nicht untersucht worden, ob die Patienten nach einer Sprachtherapie leichter zu verstehen seien, schreiben Levy und Kollegen.

Deshalb rekrutierten sie für ihre randomisierte, kontrollierte, unizentrische Studie 57 Parkinson-Patienten mit hypokinetischer Dysarthrie. Die Teilnehmer wurden 1:1:1 in 3 Gruppen randomisiert:

  • Intensive Sprachtherapie durch spezialisierte Logopäden mit 16 jeweils 1-stündigen Sitzungen innerhalb eines Monats.

  • Eine ebenso intensive Schulung der Artikulation durch spezialisierte Logopäden.

  • Keine Behandlung (Kontrollgruppe).

Die Verständlichkeit der Sprache wurde durch 117 Zuhörer bewertet. Sie bekamen Sprechproben der Patienten und schrieben den Text nieder, ohne zu wissen, zu welcher Gruppe ein Teilnehmer gehört. Maßstab war dabei die Genauigkeit der Abschriften vor und nach der Therapie.

Patienten profitieren vom Stimmtraining

Levys Team berichtet über folgende Veränderungen in den 3 Gruppen:

  • Stimmtraining: vorher 53,6%, danach 85,1%, Differenz 31,5%

  • Artikulationstraining: vorher 44,8%, danach 51,6%, Differenz 6,8%

  • Kontrollgruppe: vorher 64,4%, danach 52,5%, Differenz -11,9%.

Die Differenz zwischen Stimmtraining und Artikulationstraining von 26,2 Prozentpunkten war statistisch signifikant (p = 0,04) bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,5-51. Das Stimmtraining war hochsignifikant besser als gar kein Training (p = 0,0002), der Unterschied zwischen Artikulationstraining und Kontrollgruppe war dagegen nicht signifikant (p = 0,147).

Nach Angaben der Autoren handelt es sich um die erste randomisierte kontrollierte Studie, die dokumentiert, dass ein Stimmtraining die Verständlichkeit von Parkinson-Patienten verbessert. Auch wenn die entsprechenden Untersuchungen nicht gemacht wurden, scheint es plausibel, dass mit diesen Verbesserungen auch die Lebensqualität der Patienten verbessert wird.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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