Rheumatoide Arthritis: Darum lohnt es sich, Glukokortikoide nicht nach 3 Monaten auszuschleichen…

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

17. August 2020

Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) kann Prednison länger als bislang empfohlen eingesetzt werden, falls die Dosierung niedrig ist (≤ 5 mg Prednison-Äquivalent pro Tag). Die Strategie eignet sich für Patienten, welche zwar in Remission sind, aber noch eine geringe Krankheitsaktivität haben. Sie ist sicher und führt zu einem durchschnittlich signifikant besseren klinischen Ergebnis als das komplette Ausschleichen der Steroide, berichten Prof. Dr. Gerd R. Burmester von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Kollegen in The Lancet[1].

RA: Glukokortikoide ausschleichen oder niedrig dosiert weiter verabreichen?

Zum Hintergrund: Glukokortikoide sind ein wichtiger Eckpfeiler der Behandlung von Patienten mit RA. Die Wirkstoffe werden vor allem zu Beginn der Therapie verordnet und mit krankheitsmodifizierenden Substanzen wie Methotrexat kombiniert, um eine Remission zu induzieren.

Die Langzeitanwendung von Steroiden ist bekanntlich mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Zu den möglichen Folgen zählen das Cushing-Syndrom, einer Erhöhung des Risikos für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen (Diabetes mellitus, Hypertonie) und ein vermehrter Abbau der Knochensubstanz. Deshalb wird in den meisten Leitlinien empfohlen, Glukokortikoide mit ≤ 10 mg Prednison-Äquivalente einzusetzen, täglich zu dosieren und möglichst nicht länger als 3 Monate zu verordnen.

In der randomisierten, doppelblinden SEMIRA-Studie haben Wissenschaftler überprüft, ob niedrig dosiertes Prednison über längere Zeit eine Remission besser erhält als das komplette Ausschleichen der Substanz und ob diese Therapie sicher ist.

RCT mit 259 Patienten

Es handelte sich um eine multinationale prospektiv randomisierte, kontrollierte und verblindete Studie unter Federführung der Charité Berlin. Eingeschlossen wurden erwachsene RA-Patienten unter einer Behandlung mit Biologika (Tocilizumab) plus Glukokortikoiden (5-15 mg/Tag) für mindestens 24 Wochen, wenn sie mindestens 4 Wochen Prednison 5 mg/Tag erhalten und eine niedrige Krankheitsaktivität erreicht hatten.

Um die Krankheitsaktivität zu bestimmen, arbeiteten Burmester und Kollegen mit dem Disease Activity Score für 28 Gelenke und mit der Blutsenkungsgeschwindigkeit (DAS28-ESR); der DAS28-ESR-Wert lag vor Studienbeginn maximal bei 3,2.

Alle Patienten wurden 1:1 in 2 Therapiearme randomisiert:

  • weiterhin Prednison (verblindet) 5 mg/Tag

  • Ausschleichen (verblindet) mit einer Reduktion um 1 mg/Tag alle 4 Wochen bis zur Dosis 0 in Woche 16

Primärer Endpunkt war die durchschnittliche Änderung des DAS28-ESR zwischen dem Basiswert bei der Randomisierung bis Woche 24. Eine Differenz von mehr als 0,6 zwischen beiden Gruppen wurde als klinisch relevant bewertet.

Zwischen Oktober 2015 und Juni 2017 wurden 421 Teilnehmer gescreent und 259 in die Studie aufgenommen. Bei allen 128 Patienten in der Prednison-Gruppe war das klinische Ergebnis besser als bei den 131 Teilnehmern unter dem Ausschleichen des Wirkstoffs.

Die durchschnittliche Verminderung des DAS28-ESR vom Ausgangswert bei Randomisierung bis Woche 24 betrug 0,54 in der Gruppe mit Ausschleichen der Behandlung und -0,08 in der Gruppe mit kontinuierlichem, niedrig dosiertem Prednison. Dies entsprach einer Differenz von 0,61 (0,35-0,88) und war statistisch hoch signifikant (p<0,0001) zugunsten der weiterführenden Prednison-Therapie. Als klinisch erfolgreich wurde eine geringe Krankheitsaktivität zu Woche 24 definiert, wenn keine Rheumaschübe auftraten und es zu keiner Nebennieren-Unterfunktion kam.

Klinischer Vorteil der Niedrigdosis-Therapie bei RA

Das Fazit der Autoren: Eine niedrig dosierte Prednison-Therapie als Erhaltung einer guten Remission ist bei RA klinisch von Vorteil gegenüber einem kompletten Ausschleichen der Steroide. Die Krankheitsaktivität bleibt niedrig, und schwere unerwünschte Wirkungen sind selten (5% beim Ausschleichen, 3% bei weitergeführter Therapie). Damit stellt die niedrig dosierte Prednison-Gabe für bestimmte Patienten eine Option dar. Allerdings wurden Daten der Patienten nur 24 Wochen im Anschluss an die 24 Wochen der initialen Behandlung erfasst.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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