Schutz vor Corona-Infektionen: Wie Sie Praxis und andere Räume korrekt lüften – und wie eine CO2-Ampel dabei hilft

Maren Schenk

Interessenkonflikte

14. August 2020

Aerosole sind ein möglicher Übertragungsweg von SARS-CoV-2 (wie Medscape berichtete). Sie verteilen sich insbesondere in geschlossenen Innenräumen schnell im gesamten Raum. Regelmäßiges Lüften durch Stoß- und Querlüften oder über Lüftungstechnik in den Räumen kann das Infektionsrisiko deutlich reduzieren. Wie man dies am besten durchführt, beschreibt eine aktuelle Stellungnahme der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt [1].

Spätestens im Herbst halten sich wieder mehr Menschen vor allem in Innenräumen auf. Arztpraxen werden sich füllen. Der Schulbetrieb kehrt schon jetzt nach und nach – unter länderspezifischen Bedingungen – zum regulären Unterricht in Klassenräumen zurück. Und auch in Theatern, Kinos, Restaurants und Sportstätten ist vermehrt mit Veranstaltungen zu rechnen. Das sachgerechte Lüften und die sachgerechte Anwendung von Lüftungstechniken (RLT-Anlagen) spielen dabei – neben dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und dem Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln – eine entscheidende Rolle.

 
Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr ist eine der wirksamsten Methoden, potenziell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen. Kommission Innenraumlufthygiene
 

Die IRK empfiehlt, in Innenräumen für möglichst viel frische Luft zu sorgen. „Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr ist eine der wirksamsten Methoden, potenziell virushaltige Aerosole aus Innenräumen zu entfernen“, so die IRK. Ein möglichst hoher Luftaustausch gilt gleichermaßen für freies Lüften über Fenster wie beim Einsatz von RLT-Anlagen.

Laut IRK können CO2-Ampeln als Anhaltspunkt für gute oder schlechte Lüftung dienen.

CO2-Ampeln

Kohlendioxid gilt seit langem als guter Indikator für den Luftwechsel, eine CO2-Konzentration im Innenraum kleiner 1.000 ppm (0,1 Vol-%) zeigt unter normalen Bedingungen einen hygienisch ausreichenden Luftwechsel an, heißt es in der IRK-Stellungnahme: „CO2-Ampeln können somit einen raschen und einfachen Hinweis liefern, ob und wann Lüftung notwendig ist.“

Bei der Idee, CO2-Messgeräte in Klassenräumen oder Büros aufzustellen, geht es also nicht um CO2-Extremwerte, sondern die Messungen können ein Hilfsmittel zum Infektionsschutz in Corona-Zeiten sein: „Denn wenn viel ausgeatmetes CO2 in der Luft ist, sind auch viele Aerosole in der Luft“, so der SWR , und damit ist das Ansteckungsrisiko erhöht. CO2-Ampeln sind im Gegensatz zu CO2-Messgeräten einfach und günstig: „Anzeigen in gelb und rot warnen vor viel CO2 in der Luft, und damit auch vor vielen Aerosolen.“

Die Installation von CO2-Sensoren bedeutet allerdings nicht, dass eine CO2-Konzentration kleiner 1.000 ppm grundsätzlich vor der Infektion mit SARS-CoV-2 schützt, so die IRK. Aber CO2-Konzentrationen deutlich oder dauerhaft größer als 1.000 ppm in Schulen, Büros und Privathaushalten weisen auf ein unzureichendes Lüftungsmanagement mit potenziell erhöhtem Infektionsrisiko hin. Dies gilt nicht nur für Fensterlüftung, sondern auch beim Betrieb von Lüftungsanlagen.

Fensterlüftung

Bei Fensterlüftung ist eine Querlüftung optimal, die über einen Durchzug über möglichst gegenüberliegende weit geöffnete Fenster Raumluft schnell gegen Frischluft austauscht. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass es durch die Lüftung nicht zu einer Verbreitung infektiöser Aerosole in andere Räume kommt. Als wirksam gilt auch eine Stoßlüftung bei weit geöffnetem Fenster (besser mehrere in einem Raum gleichzeitig) über einige Minuten Dauer.

Bei Husten und Niesen einzelner Personen – egal ob zu Hause, im Büro, in einer Arztpraxis oder in der Schule – sollte sofort eine Stoßlüftung durchgeführt werden. In stark belegten Räumen ist das bloße Ankippen der Fenster kaum wirksam, auch wenn dies dauerhaft erfolgt.

Lüftungsanlagen

Lüftungsanlagen, die mit einem hohen Umluftanteil betrieben werden, stellen unter bestimmten Umständen eine Gefahrenquelle dar. Bei einem hohen Umluftanteil in RLT-Anlagen in Verbindung mit unzureichender Filterung kann es über die Zeit zu einer Anreicherung von infektiösen Aerosolen in der Luft kommen – wenn sich eine oder mehrere infizierte Personen, die Erreger ausscheiden, im Raum aufhalten. Es gibt Hinweise, dass ein SARS-CoV-2-Ausbruch im industriellen Produktionsbereich auf einen hohen Umluftanteil der dortigen RLT-Anlage zurückzuführen sein könnte (wie Medscape berichtete).

Erhöhte Sicherheit kann durch Entfernung der Partikel aus dem Umluftstrom mittels hochabscheidender Schwebstofffilter (HEPA-Filter) der Klassen H 13 und H 14 erreicht werden. Diese finden sich üblicherweise aber nur bei 3-stufigen Filteranlagen wie etwa in OP-Sälen in Krankenhäusern.

Daher sollte laut Pressemitteilung des UBA beim Betreiben von Lüftungsanlagen der Anteil der Umluft während der SARS-CoV-2-Pandemie möglichst gegen Null gefahren werden, sofern keine hochabscheidenden Filter im Lüftungssystem eingebaut sind.

Grundsätzlich ist laut IRK darauf zu achten, dass zentrale Lüftungsanlagen regelmäßig durch Fachpersonal gewartet und hinsichtlich ihrer korrekten Funktion überprüft werden. Durch unzureichende Instandhaltung können beispielsweise Fehlströmungen auftreten, so dass Abluft aus einem Gebäudebereich als Zuluft in einen anderen Gebäudebereich gelangen könnte. In solchen Fällen wäre eine Verbreitung von Viren über die Lüftungsanlage theoretisch nicht ausgeschlossen.

Schulen

Für Schulen empfiehlt die IRK, in jeder Unterrichtspause intensiv bei weit geöffneten Fenstern zu lüften, bei längeren Unterrichtseinheiten von mehr als 45 Minuten Dauer auch während des Unterrichts. Sind in Schulen raumlufttechnische Anlagen vorhanden – was allerdings selten der Fall ist –, sollten diese bei der derzeitigen Pandemie möglichst durchgehend laufen.

Sporträume

Bei Sport in Innenräumen muss laut IRK ebenfalls für ausreichende Lüftung gesorgt werden. Schon bei geringer Belastung ist die Atemfrequenz gegenüber Ruhephasen deutlich erhöht. Die Menge an emittierten Partikeln steigt daher mit der körperlichen Aktivität weiter an. Deswegen sollten Räume, in denen Sport getrieben wird, deutlich häufiger gelüftet werden. Die IRK empfiehlt mindestens 5-mal pro Stunde.

Nicht empfehlenswert mobile Luftreiniger, Ozon oder UV-Licht

Die IRK hält den Einsatz von mobilen Luftreinigern in Klassenräumen oder anderen Räumen für nicht geeignet, da sie das aktive Lüften nicht ersetzen, sondern allenfalls in Einzelfällen flankieren können.

Eine Behandlung der Luftinhaltsstoffe mittels Ozon oder UV-Licht wird aus gesundheitlichen und Sicherheitsgründen von der IRK abgelehnt. Durch Ozonung und UV-induzierte Reaktionen organischer Substanzen können nicht vorhersagbare Sekundärverbindungen in die Raumluft freigesetzt werden. Beim UV-C sind es vor allem Sicherheitsaspekte, weshalb der Einsatz im nicht gewerblichen Bereich unterbleiben sollte.

 

Kommentar

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