Unterschätztes Risiko? Asymptomatische Karotisstenosen sind wohl häufiger Ursache von Schlaganfällen als bisher gedacht

Michael Simm

Interessenkonflikte

10. August 2020

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist für Patienten mit asymptomatischen Karotisstenosen womöglich höher gedacht. Das ergab eine Meta-Analyse von Dr. Joseph Kamchum-Tatuene, University of Alberta, Kanada, und Kollegen, veröffentlicht in JAMA Neurology  [1]. Wichtige Risikofaktoren sind offenbar bezüglich der Plaques eine Neovaskularisierung, Echoluzidität und ein lipidreicher nekrotischer Kern.

Der Umgang mit asymptomatischen Karotisstenosen ist umstritten. Manche Studien reklamieren, in der Bildgebung bestimmte Charakteristika von Plaques mit hohem Risiko auszumachen, die helfen könnten, das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Revaskularisierung zu optimieren. Diese Studien hätten aber keine genaue Schätzung der Prävalenz solcher Plaques geliefert und auch nicht der damit verbundenen jährlichen Inzidenz ipsilateraler ischämischer zerebrovaskulärer Ereignisse, monieren die Autoren der aktuellen Untersuchung.

Mit ihrer Meta-Analyse wollten sie prüfen, ob eine Risiko-orientierte Selektion von Patienten für die Revaskularisierung relevant und machbar ist. Dafür wurden die Datenbanken PubMed und Ovid Embase von Beginn an bis zum 31. Juli 2019 nach Beobachtungsstudien durchsucht, in denen die Prävalenz von Hochrisiko-Plaques und ipsilateralen ischämischen zerebrovaskulären Ereignissen berichtet wurden.

Mehr Ereignisse bei Patienten mit Hochrisiko-Plaques

Einbezogen wurden 64 Studien mit zusammen 20.751 Teilnehmern zwischen 29 und 95 Jahren. Das Durchschnittsalter variierte von 55,0 bis 76,5 Jahren, der Männeranteil von 45 bis 87%. Die Prävalenz von Hochrisiko-Plaques betrug 26,5%.

Folgende Indikatoren für hohes Risiko fanden sich bei einem hohen Anteil der Untersuchten:

  • Neovaskularisierung 43,4% (360 von 785 Patienten in 8 Studien),

  • Echoarme Plaques 42,3% (4.223 von 12.364 Patienten in 16 Studien),

  • Lipidreicher nekrotischer Kern 36,3% (1.514 von 3728 Pt in 11 Studien).

Die Inzidenz ipsilateraler ischämischer zerebrovaskulärer Ereignisse betrug insgesamt 3,2/100 Personen-Jahre (mittlere Nachverfolgungszeit 2,8 Jahre). Bei Patienten mit Hochrisiko-Plaques war dieser Wert 4,3, bei Patienten ohne solche Plaques 1,2. Das entspricht einer Odds Ratio von 3,0 (95%-Konfidenzintervall 2,1–4,3).

Studien, die sich auf Patienten mit schweren Stenosen konzentrierten, berichteten eine Inzidenz ipsilateraler ischämischer zerebrovaskulärer Ereignisse von 3,7/100 Personen-Jahre. Auch hier waren Hochrisiko-Plaques mit einer höheren Inzidenz assoziiert (7,3 gegenüber 1,7 bei Patienten ohne solche Plaques; OR: 3,2)

Die Meta-Analyse mit ihren 64 Studien und mehr als 20.000 Patienten fand demnach gegenüber bisherigen Schätzungen ein höheres Risiko für Patienten mit asymptomatischen Karotisstenosen. Durch eine Erweiterung der Routineuntersuchungen über den Grad der Stenose hinaus ließe sich nach Meinung der Autoren eine bessere Risikostratifizierung und gezieltere Therapie erreichen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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