Eltern und Zigaretten: Wie aber hältst du´s mit dem Nikotin? Neue Daten zeigen Unterschiede bei Vätern und Müttern

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

31. Juli 2020

Während es in Deutschland nur 3% bis 7% der Raucher, die aufhören möchten, für längere Zeit schaffen, liegt die Rate speziell bei Frauen mit Rauchstopp im 2. und 3. Trimenon einer Schwangerschaft bei zirka 75%. Nach der Geburt des Kindes steigt die Rate an Raucherinnen zwar wieder an. Sie liegt aber einer großen Längsschnittuntersuchung zufolge noch bis zu 6 Jahren unter dem Level von vor der 1. Schwangerschaft.

Bei werdenden Vätern ist ein solcher Trend nicht eindeutig erkennbar. Zu den Ergebnissen kommen Katja Görlitz von der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit und Kollegen in Europe PMC [1].

Ändern werdende Eltern den Tabakkonsum?

Zum Hintergrund: Die Prävalenz des Rauchens liegt in Deutschland bei 39% für erwachsene Frauen und bei 42% für Männer. Bei Eltern sind die Werte zirka 4% unter der Prävalenz kinderloser Erwachsener. Bislang gab es wenig Daten zur Frage, wie hoch der Anteil der werdenden Eltern ist, die erfolgreich mit dem Rauchen aufhören, und wie lange Eltern nikotinabstinent bleiben.

Deshalb haben Görlitz und ihre Koautoren Daten einer eine repräsentativen Längsschnittanalyse von sozioökonomischen Fragestellungen in privaten Haushalten Deutschlands (Socio-economic Panel [SOEPv29]) ausgewertet. Beginn der Studie war im Jahr 1999. Bei der Datenanalyse betrug die Beobachtungszeit bis zu 20 Jahre. Eingeschlossen wurden 16.400 Frauen und 15.800 Männer. Das entspricht insgesamt 110.000 Personenjahren. 60% der bei Personenjahren berücksichtigten Teilnehmer hatten über ihr Rauchverhalten berichtet, durchschnittlich bei 3,4 Befragungen. Das Alter der Probanden lag bei 17 bis 64 Jahren.

Rauchstopp bei werdenden Müttern häufiger

Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen rauchen, sinkt bereits in der Zeit, in der sie sich ein Kind wünschen, also schon einige Jahre vor der Schwangerschaft. Der deutlichste Rückgang ist zwischen 12 Monaten vor der Geburt des 1. Kindes und 12 Monate danach zu finden: Die Rate der Raucherinnen geht von 39 Prozent um 20-24 Prozentpunkte zurück, eine relative Reduktion um 52-60 Prozent. Im 2. und 3. Trimester der Schwangerschaft ist ein Rauchstopp bei 75%der vorherigen Raucherinnen am stärksten ausgeprägt.

Nach dem 1. Kindergeburtstag und bis zum 7. Lebensjahr des Kindes steigt die Rate der Raucherinnen wieder an: von circa 30 auf 36%.

Ob eine Geburt auch das Rauchverhalten von Vätern beeinflusst, konnte die Studie dagegen nicht eindeutig belegen. In jedem Fall seien die Effekte für Männer deutlich geringer, so die Autoren.

Der Effekt des Elternwerdens auf das Rauchverhalten ist nach Interpretation der Studienautoren in Deutschland bei Frauen ausgeprägter und länger anhaltend als erwartet. Und dennoch, so die Forscher: 15 bis 16% aller werdenden Mütter in Deutschland rauchen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .
 

Kommentar

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