Schulöffnungen nach den Sommerferien – wie es funktionieren soll und was Experten sowie Studien dazu sagen

Ute Eppingerr

Interessenkonflikte

28. Juli 2020

Anfang August enden in den ersten Bundesländern die Sommerferien. Danach soll der Präsenzunterricht wieder starten. Doch wie kann Schulbetrieb zu COVID-19-Zeiten funktionieren?

Die Kultusminister der Länder hatten Mitte Juli die Öffnung der Schulen nach den Sommerferien und dazu Hygieneregeln für das neue Schuljahr beschlossen. Doch bei diesen Regeln handelt sich um einen unverbindlichen Rahmenplan – mehr nicht: Auf Detailregelungen sei dabei „vor dem Hintergrund spezifischer Gegebenheiten vor Ort bewusst verzichtet“ worden, heißt es zur Begründung der lockeren Vorgaben.

Jetzt haben die einzelnen Bundesländer nach und nach ihre Hygienekonzepte vorgelegt (s. Kasten). Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte gefordert, dass die Schulen auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein sollten. Je nach Infektionsgeschehen könne es Unterschiede zwischen den Bundesländern geben, vielleicht müsse man sogar von Schule zu Schule unterscheiden, hieß es.

Prof. Dr. Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, kritisiert jedoch, dass es statt einer wissenschaftlich gut begründeten und rechtsfesten Empfehlung für alle Schulen nun „einen Flickenteppich von Schule zu Schule” geben soll.

Deutliche Kritik kommt auch vom Bundeselternrat und vom Deutschen Lehrerverband. „Es ist völlig blauäugig, jetzt so zu tun, als sei Corona nach den Ferien einfach vorbei“, so der Vorsitzende des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth, laut Bild am Sonntag. „Dass die Schulen jetzt einfach wieder in den Regelbetrieb wechseln sollen, liegt doch nur daran, dass es einen Mangel an Personal und Räumen gibt“, so Wassmuth.

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sieht die Schulen nicht für eine Rückkehr zum Normalbetrieb gerüstet. „Alle bisherigen Konzepte können nicht davon ablenken, dass die Schulen weder auf den Normalbetrieb noch auf den Fernunterricht gut vorbereitet sind. Hier wird der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut”, sagte Meidinger.

 
Schulen sind weder auf den Normalbetrieb noch auf den Fernunterricht gut vorbereitet. Hier wird der Öffentlichkeit Sand in die Augen gestreut. Heinz-Peter Meidinger
 

Kinder sind ansteckend – die Frage ist nur, in welchem Maße

Wochenlang waren Schulen und Kitas wegen der Pandemie geschlossen. Nun müssen sie wieder öffnen. Wie der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Prof. Dr. Lothar M. Wieler auf einer Pressekonferenz Ende Juni erklärt hat, muss diese Öffnung aber „mit guten Hygienekonzepten begleitet werden“. Denn Kinder können sich genauso infizieren, werden aber seltener krank und erkranken weniger schwer als Erwachsene. Nichtsdestotrotz können sie aber auch Erwachsene anstecken, so Wieler. „Allerdings wissen wir noch nicht, wie effizient das geschieht“, räumte er ein.

Die meisten Daten dazu wurden nämlich in einer Zeit erhoben, als Schulen und Kitas bereits geschlossen waren. „Diese Kinder hatten gar nicht die Möglichkeit, sich in ihren Gruppen anzustecken und das Virus in ihre Familien zu tragen“, erläutert der RKI-Präsident das Manko dieser Daten.

So sei derzeit noch nicht abschließend klar, wie häufig es in Schulen und Kitas zu Übertragungen komme. Bereits Anfang Mai hatte das RKI Rahmenvoraussetzungen für die Schulöffnungen zusammengestellt.

Die Daten des RKI zeigen, dass seit Wochen der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit SARS-CoV-2 steigt. In Berlin etwa wurden Ende Juni viele Kinder und Jugendliche positiv getestet, berichtet rbb24.  Über alle Altersklassen stieg die Zahl der Fälle zwischen dem 11. Mai und dem 22. Juni um 26,3%. Bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren haben sich in diesem Zeitraum die Fallzahlen mehr als verdoppelt. Am deutlichsten fiel die Erhöhung bei den 5- bis 9-Jährigen aus, sie lag bei 152,7%.

Nachdem in der Corona-Krise die Berliner Schulen zunächst ganz geschlossen hatten, hatten sie seit Anfang Mai wieder nach und nach für alle Jahrgangsstufen geöffnet. Auch die Kitas befinden sich seit Ende Juni dort wieder im Regelbetrieb. Dies könnte die Ausbreitung der Infektion unter den jungen Jahrgängen in der Hauptstadt gefördert haben.

Man könne sicherlich sagen, dass Kinder nicht das Hauptproblem bei COVID-19 sind, kommentiert dazu Dr. Thomas Fischbach, Kinder- und Jugendarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), im Gespräch mit Medscape. Er schiebt jedoch sofort ein „Aber“ hinterher: „Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht auch andere anstecken oder angesteckt werden können. Das passiert ja auch – aber in der Regel durch Erwachsene. Wir müssten dann eher die Kinder durch entsprechende Hygienemaßnahmen vor den Erwachsenen schützen und nicht die Erwachsenen vor den Kindern.“

 
Wir müssten dann eher die Kinder durch entsprechende Hygienemaßnahmen vor den Erwachsenen schützen und nicht die Erwachsenen vor den Kindern. Dr. Thomas Fischbach
 

Nach seiner Ansicht sind unter diesem Gesichtspunkt Schul- und Kindergartenschließungen eher unverhältnismäßig, was auch die Studienlage deutlich mache.

Er verweist z.B. auf einen Beitrag dazu im JAMA , nach dem in Taiwan das Risiko einer Übertragung unter Kindern im Klassenzimmer sehr gering war, mit einer Reproduktionszahl unter 1. Schulschließungen wirkten deshalb nur marginal der Ausbreitung der Epidemie entgegen.

Laut einer Metaanalyse im Lancet , die Daten vom SARS-Ausbruch in China, Hongkong und Singapur ausgewertet hat, haben auch hier Schulschließungen nicht weiter zur Kontrolle der Epidemie beigetragen.

Neuere Modellierungsstudien zu COVID-19 prognostizieren, dass Schulschließungen allein nur 2 bis 4% der Todesfälle verhindern würden und damit deutlich weniger effektiv wären als andere Maßnahmen, die z.B. auf Social Distancing setzen, schreiben die Autoren.

In Israels Schulen entwickelten sich rasch Cluster

Wie auch immer der Schulbetrieb nach den Ferien aussehen wird – das Beispiel Israel legt trotzdem nahe, dass es angebracht ist, Vorsicht walten zu lassen. Israel hatte zunächst sehr entschlossen auf die Corona-Pandemie reagiert, noch im März seine Grenzen geschlossen, die Wirtschaft heruntergefahren und die Bewegungsfreiheit drastisch eingeschränkt. Im Mai steckten sich pro Tag nur noch 5 Menschen neu mit dem Virus an.

Dann aber öffnete das Land zügig wieder – und verzeichnete Ende Juni 350 Neuinfektionen pro Tag. Wie Spiegel online berichtet, erwiesen sich dabei auch die Schulen als Infektionsherde. Es entwickelten sich dort schnell Cluster, wird Prof. Dr. Cyrille Cohen, Biowissenschaftler an der Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv, zitiert. Mehr als 40% der neuen Corona-Fälle seien Kinder, die sich im Unterricht angesteckt hätten. Ende Juni waren 200 von 5.000 Schulen im Land wieder geschlossen. 

Noch Ende Juni hatte auch der deutsche Virologe Prof. Dr. Christian Drosten getwittert: „ [..] die Vorstellung von virusfreien Schulen im Herbst muss man wohl überdenken. Es gibt eben auch bei geringer Inzidenz eine Diffusion in alle Altersgruppen. Damit starten wir in den Herbst.“

 
Es gibt eben auch bei geringer Inzidenz eine Diffusion in alle Altersgruppen. Damit starten wir in den Herbst. Prof. Dr. Christian Drosten
 

Immer wieder entstehen in Schulen Infektionsherde. Beispiel Melbourne: Dort haben sich Anfang Juli, wahrscheinlich ausgehend von einem Lehrer, über 110 Lehrer und Schüler mit COVID-19 infiziert. Damit ist diese Schule eines der größten Corona-Cluster in Australien. „Lehrer infizierten Schüler und umgekehrt. Eine Warnung für den Herbst“, kommentierte Lauterbach auf Twitter.

„Es wird nach den Sommerferien keinen Schulbetrieb wie vor der Corona-Pandemie geben können. Besondere Hygienemaßnahmen sind weiterhin erforderlich. Dazu gehören kleinere Lerngruppen, gute Durchlüftung der Räume, mehr Raumkapazität und möglicherweise auch zusätzliches Personal“, sagt dazu Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. Risikopatienten unter den Lehrern sollten nur Online-Unterricht anbieten.

 
Besondere Hygienemaßnahmen sind weiterhin erforderlich. Dazu gehören kleinere Lerngruppen, gute Durchlüftung der Räume, mehr Raumkapazität und möglicherweise auch zusätzliches Personal. Gerd Landsberg
 

Ob gute Hygienekonzepte reichen? Schulen brauchen einen Hygieneexperten in der Verwaltung, der in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt steht. Bei dieser Forderung sind sich Prof. Dr. Ulrike Protzer, Virologin an der TU München, und der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, einig.

60% der Lehrkräfte machen sich Sorgen, sich im Unterricht mit COVID-19 anzustecken. Und eine Studie der TU Berlin zeigt: In einem Klassenzimmer mit 25 Schülern kann sich in 2 Minuten eine gefährliche Menge von Aerosolen ausbreiten und über Stunden festsetzen. Wären diese Aerosolwolken virusbeladen, wäre praktisch jede Person im Raum davon betroffen.

Sächsische Schulen bislang keine Hotspots

Bei Kindern und Jugendlichen verläuft jedoch bekanntlich COVID-19 meist mild, Todesfälle sind extrem selten – das zeigt auch eine Ende Juni in Lancet Child & Adolescent Health erschienene Studie mit 582 Kindern und Jugendlichen. 4 der 582 Patienten starben, ein kleiner Teil (8%) entwickelte einen schweren Verlauf, der eine Intensivbehandlung notwendig machte.

Dass sich Kinder unter 12 Jahren noch dazu seltener und weniger in den Schulen infizieren, bestätigt auch ein internationaler Übersichtsartikel in Sciencemag . Aus Sicht von Lauterbach kann der Unterricht bei unter 12-Jährigen deshalb relativ normal stattfinden, die Gefahr für Lehrer sei wahrscheinlich gering. Allerdings sei bei 12- bis 18-jährigen Kindern das Infektionsrisiko wegen ihrer vielen Kontakte eher hoch, schreibt Lauterbach. Ältere Kinder und Jugendliche verbreiten das Virus wohl genauso effektiv wie Erwachsene.

Auch eine neue Studie aus Südkorea zeigt, dass Kinder unter 10 Jahren SARS-CoV-2 viel seltener übertragen als Erwachsene. Wie Lauterbach schreibt, haben sich allerdings in den Haushalten, in denen der initiale Patient zwischen 10 und 19 Jahre alt war, die meisten Mitbewohner infiziert. Bei einer 2. Welle könnten Schulen unter Normalbetrieb zu Hotspots für Eltern und Lehrer werden, warnt er.  

Nach den Schulöffnungen im Mai stiegen jedoch an sächsischen Schulen die Fallzahlen unter Lehrern und Schülern nicht an, die Schulen dort haben sich nicht als Hotspots erwiesen. Das ergab eine Analyse der Universitätsklinik Dresden. Untersucht auf ihren Immunitätsstatus wurden im Mai und Juni mehr als 1.500 Schüler der Klassenstufen 8 bis 11 und etwa 500 Lehrer aus Schulen in Dresden und im Landkreis Bautzen.

Obwohl es in 3 der untersuchten Schulen Corona-Fälle gegeben hatte, lag der Immunisierungsgrad der Studienteilnehmer mit 0,6% niedriger als die Forscher vermutet hatten. Nur in 12 von 2.045 untersuchten Blutproben wurden Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen.

„Wir gehen in die Sommerferien 2020 mit einem Immunitätsstatus, der sich nicht von dem im März 2020 unterscheidet“, erklärte dazu Studienleiter Prof. Dr. Reinhard Berner. Eine stille, symptomfreie Infektion habe den Daten nach noch seltener stattgefunden als zuvor vermutet.

Nach Einschätzung des Bildungsnetzwerks News4Teachers zeigen die Studienergebnisse, dass die schrittweise Öffnung der Schulen in Sachsen nicht falsch war. Das heißt allerdings nicht, dass die Lehrerverbände Schulöffnungen generell befürworten: Eine Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) zeigt beispielsweise, dass jeder 3. Lehrkraft in Baden-Württemberg die Schulöffnung zu schnell geht.

„Es ist ja nicht nur die Studie in Dresden, die darauf hinweist, dass Kinder nicht die Haupt-Spreader der Pandemie sind. Weitere Studien, auch vom Hamburger UKE und der Uniklinik in Genf beispielsweise zeigen das. Und es gibt auch aus Ländern wie Dänemark, Norwegen oder Österreich und der Schweiz Hinweise, dass Kinder nicht die Haupt-Spreader sind. In diesen Ländern wurde der Regelbetrieb der Schulen relativ zeitig wieder aufgenommen und es ist nicht zu massiven Ausbrüchen gekommen“, kommentiert Fischbach die Ergebnisse der sächsischen Studie. 

 
Es gibt auch aus Ländern wie Dänemark, Norwegen oder Österreich und der Schweiz Hinweise, dass Kinder nicht die Haupt-Spreader sind. In diesen Ländern wurde der Regelbetrieb der Schulen relativ zeitig wieder aufgenommen... Dr. Thomas Fischbach
 

BVKJ entwickelt Maßnahmen-Katalog für Schulen und Kitas

Bereits Ende Mai hatte der BVKJ gemeinsam mit anderen Verbänden in einer Stellungnahme gefordert, Schulen und Kitas wieder zu öffnen. Der Schutz von Lehrern, Erziehern und die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem nicht entgegen. Derzeit wird die Stellungnahme überarbeitet und ein Maßnahmen-Katalog für Schulen und Kindergärten entwickelt.

Das Handout gibt Empfehlungen zum Abstandhalten, zu Hygienemaßnahmen und zum Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung (AHA-Regeln) bei Kindern wie erwachsenen Betreuungs- bzw. Lehrpersonen. Die Empfehlungen sind risikoadjustiert, abhängig von der Zahl der Neuinfektionen.

„Es ist ja ein Unterschied, ob ich in Gütersloh einen Ausbruch mit vielen Betroffenen habe oder ob es sich um einen Landkreis mit einer nur marginalen Zahl von Fällen handelt. Das Vorgehen in den Einrichtungen muss man sicherlich diesem Risiko anpassen“, erklärt Fischbach.

RKI-Empfehlungen zu Abstrichen bei Infekten so nicht umsetzbar

Beim Thema Abstriche stehen die Verbände auch mit dem RKI in Kontakt. Gerade in der 2. Jahreshälfte nehmen Atemwegsinfekte – ganz besonders bei kleinen Kindern – zu. Die Empfehlung des RKI, jede Person mit Anzeichen eines solchen Infektes zu testen, sei „für Kinder so nicht umsetzbar“, meint Fischbach.

„Gerade im Winterhalbjahr kann man nicht jedes Kind (mit geringfügigen Symptomen) testen, das führt dazu, dass Kindergärten und Schulen völlig verunsichert sind und jedes Kind schicken, das womöglich gehustet hat. Das würde die Kapazitäten in den ärztlichen Praxen weit übersteigen.“ 

 
Das führt dazu, dass Kindergärten und Schulen … jedes Kind schicken, das womöglich gehustet hat. Das würde die Kapazitäten in den ärztlichen Praxen weit übersteigen. Dr. Thomas Fischbach
 

Fischbach berichtet, dass er in seiner Praxis viele Kinder nach RKI-Empfehlungen getestet hat. Davon war ein einziges Kind SARS-CoV-2-positiv. „Und da wussten wir das eigentlich schon vorher, weil der Vater an COVID-19 erkrankt war.“

Verschiedene Studien sollen die Rolle von Schulen in der Pandemie klären

Wie groß ist das Risiko einer Übertragung im Klassenzimmer? Unter sehr speziellen Bedingungen kann SARS-CoV-2 auch über mehr als 8 Meter übertragen werden – das zeigen die Ergebnisse einer Arbeit, in der die Ursprünge des ersten SARS-CoV-2-Ausbruchs bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück untersucht wurden (wie Mescape berichtet hatte). In klimatisierten Arbeitsbereichen konnte ein einziger Mitarbeiter das Virus auf mehrere Menschen übertragen, die teilweise mehr als 8 Meter weit entfernt waren.

„Es stellt sich nun die wichtige Frage, unter welchen Bedingungen Übertragungsereignisse über größere Entfernungen in anderen Lebensbereichen möglich sind“, kommentiert Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Forschungsgruppenleiterin am HZI und eine der Studienautoren, die Ergebnisse. 

 
Es stellt sich die wichtige Frage, unter welchen Bedingungen Übertragungsereignisse über größere Entfernungen in anderen Lebensbereichen möglich sind. Prof. Dr. Melanie Brinkmann
 

Ob die Hygienekonzepte der Schulen funktionieren, sollen mehrere Studien prüfen. So soll eine flächendeckende Langzeitstudie in Bayern die Corona-Ansteckungsgefahr bei Kindern klären helfen. 6 Universitätskinderkliniken begleiten bis voraussichtlich Januar 2021 die Öffnung von Schulen und Kinder-Betreuungseinrichtungen im Freistaat wissenschaftlich.

Eine der 4 Studien, an denen das RKI und das Deutsche Jugendinstitut beteiligt sind, erhebt dabei z.B. an 300 Einrichtungen in Deutschland, wie sich die Zahl der Neuinfektionen entwickelt, wenn die Schulen geöffnet werden. Mit Schulbeginn startet auch die Studie.

Schulöffnungen unter Pandemiebedingungen: Nur wenige Bundesländer halten am Mindestabstand fest…

Es wird uns nach den Sommerferien in Deutschland ein Flickenteppich an Regelungen bis hinunter auf Schul-Ebene erwarten. Eine kurze Übersicht, was in den einzelnen Bundesländern geplant ist. 

Bayern plant möglichst täglichen Präsenzunterricht und setzt auf eine frontale Sitzordnung und ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern, Gruppenarbeiten sind ausgesetzt. Das Land setzt auf kleine Klassen: in Förderschulen dürfen maximal 9 Schüler in einer Klasse sein, in den übrigen Schulen höchstens 15 Kinder. Die Klassenräume sollen nach jeder Schulstunde mindestens 5 Minuten durchgelüftet werden. Die Pausen sollen im Klassenzimmer oder nach Gruppen zeitversetzt verbracht werden. Bislang ist keine Maskenpflicht im Unterricht vorgesehen.

Auch an den Schulen in Hessen gilt der Mindestabstand, ausgenommen sind davon nur die Klassen 1 bis 4 der Grundschulen und die Grundstufe der Förderschulen.

Ähnlich wie Bayern setzt auch Rheinland-Pfalz auf möglichst feste Gruppenkonstellationen, Nachverfolgbarkeit, regelmäßiges Lüften und einen Mindestabstand von 1,5 m. Auf Fluren, Gängen und in den Treppenhäusern sollen Masken getragen werden.

Bei der Rückkehr zum Regelbetrieb in den Schulen orientiert sich Nordrhein-Westfalen an den RKI-Empfehlungen. Neben Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Husten- und Nies-Etikette, gehören dazu regelmäßiges Lüften und ein Abstandsgebot von 1,5 m, die Zuordnung zu festen Gruppen und Gruppenräumen, was eine bessere Kontaktnachverfolgung ermöglicht, und der Einsatz einer Mund-Nasen-Bedeckung, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

… die meisten verzichten darauf

Auf geschlossene Lerngruppen setzen auch Schleswig-Holstein und Berlin . Grundschüler sollen im Klassenverband bleiben. Innerhalb der Kohorten entfällt für die Schüler das Abstandsgebot. Auch außerhalb der Schule sollten keine Kohorten-übergreifenden Kontakte stattfinden Für ältere Schüler soll in Schleswig-Holstein der digitale Unterricht stärker genutzt werden, und in Berlin besteht eine Maskenpflicht für schulfremde Personen.

In Sachsen gilt der Mindestabstand nicht für Schulen und bei schulischen Veranstaltungen, auf Körperkontakt und Handschlag soll dennoch verzichtet werden. Die Schulleitungen können festlegen, wann eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist. An der Schule tätige Personen müssen täglich dokumentiert werden, um Infektionsketten besser nachvollziehen zu können.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern entfällt die Abstandsregel, man setzt auf feste Klassen, Lehrkräfte und Räume, zusätzlich werden die Schüler versetzt unterrichtet, so dass nicht alle Schüler zur selben Zeit in der Schule sind.

In Sachsen-Anhalt fällt der Mindestabstand in den Schulen ebenfalls. Je nach Infektionsgeschehen sind die Schulen gehalten, den Regelbetrieb einzustellen und wieder Distanzunterricht anzubieten zu können. Schüler mit Vorerkrankungen sind vom Präsenzunterricht befreit.

In den Schulen in Thüringen fällt im Klassen- und Kursverband und im Hort ebenfalls die Abstandsregel, eine Maskenpflicht besteht nicht. Mit einem Stufenkonzept, Regelbetrieb mit vorbeugendem Infektionsschutz, eingeschränkter Präsenzbetrieb und Schließung soll regional auf das jeweilige Infektionsgeschehen reagiert werden.

Andere setzen auf Tests

Im Saarland entfällt ebenfalls die Abstandsregel im Klassenzimmer, man setzt auf feste Gruppen und regelmäßige Tests. Steigt die Zahl der Neuansteckungen mit COVID-19, soll vom Präsenzunterricht auf das Lernen zuhause gewechselt werden.

Wie schon an den Grundschulen soll auch an den weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg das Abstandsgebot fallen, der Unterricht soll sich auf die reguläre Klasse oder auf Lerngruppen beschränken. Für weiterführende Schulen soll es eine Maskenpflicht geben, nach langen Diskussionen hat man sich auf regelmäßige Antikörper-Tests für das Schulpersonal geeinigt.

Auch in Brandenburg ist die Abstandsregel unter Schülern aufgehoben, Lehrer und Beschäftigte der Schule müssen sie beibehalten. Das Land setzt auf eine Corona-Teststrategie: Alle Beschäftigten in Schulen und Kitas können sich in diesem Jahr innerhalb von 3 Monaten bis zu 6-mal auf SARS-CoV-2 testen lassen. In einmaligen Stichproben sollen bis zu 1% der Kita-Kinder und Schüler getestet werden.

Innerhalb der Klasse bzw. des Jahrgangs wird an den Schulen in Hamburg das Abstandsgebot aufgehoben, bei jahrgangs- und schulübergreifenden Angeboten gilt es hingegen weiter. Alle an Hamburger Schulen Beschäftigten sollen sich kostenlos testen lassen können und werden auf Wunsch mit transparenten Visieren ausgestattet.

Pandemiebedingte Sonderregelungen mit 3 Szenarien sind in Niedersachsen vorgesehen. Szenario A (Eingeschränkter Regelbetrieb), Szenario B (Schule im Wechselmodell) und Szenario C (Quarantäne und Shutdown) gelten in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen. Die Schulen sollen sich darauf vorbereiten, schnell zwischen den verschiedenen Szenarien zu wechseln.

In Bremen soll das 4-Säulen-Modell aus Unterricht in der Schule und Distanz-Unterricht sowie Förderung und Betreuung weiter bestehen bleiben. Der Ganztag soll bleiben – sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe I. Für die Kinder von der 5. bis 10. Klasse soll die Abstandsregel in den Klassen wegfallen, wie an den Grundschulen gilt dann das Kohorten-Prinzip.

 

 

Kommentar

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