US-Studie: Ischämische Schlaganfälle scheinen bei COVID-19-Patienten häufiger zu sein als bei Influenza-Patienten

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

24. Juli 2020

COVID-19-Patienten haben vermutlich ein erhöhtes Risiko für ischämische Schlaganfälle. Bei diesen Patienten sollte daher besonders aufmerksam auf Schlaganfall-Symptome geachtet werden. 

In mehreren Publikationen zu COVID-19 ist über ischämische Schlaganfälle bei den infizierten Patienten berichtet worden. Solche Schlaganfälle können auch bei Patienten mit anderen viralen Infektionen auftreten, etwa bei Influenza-Patienten. Exakte Daten zur Prävalenz liegen allerdings nicht vor.

Ein Autorenteam um Alexander E. Merkler, Weill Cornell Medicine, New York, hat für seine Studie Krankenakten von COVID-19- und Influenza-Patienten aus New York ausgewertet [1].

Für die retrospektive Kohortenstudie analysierten die Autoren die Krankenakten von rund 3.500 Patienten aus 2 akademischen Krankenhäusern in New York, die entweder hospitalisiert waren oder die Notfall-Ambulanzen aufgesucht hatten.

7-fach höheres Schlaganfall-Risiko bei COVID-19 als bei Influenza?

Die Rate ischämischer Schlaganfälle betrug bei den COVID-19-Patienten 1,6% (31 von 1.916), bei den Influenza-Patienten dagegen nur 0,2% (3 von 1.486). Das mediane Alter der Schlaganfall-Patienten betrug 69 Jahre, 18 von ihnen (58%) waren Männer. 

Die statistische Berechnung ergab nach Adjustierung für Einflussparameter wie Alter, Geschlecht, Abstammung ein mehr als 7-fach höheres Schlaganfall-Risiko bei COVID-19 (OR 7,6) als bei Influenza.

Ein möglicher Grund für das vermutlich höhere Schlaganfall-Risiko bei COVID-19 ist den Autoren zufolge die starke immunologische Reaktion in Kombinationen mit einer Koagulopathie und Thromboembolien sowie Endothelschäden. Zudem haben COVID-19-Patienten häufiger myokardiale Schäden, etwa eine Myokarditis, mit der Folge von Herzrhythmusstörungen, außerdem venöse Thrombosen. 

Die Autoren empfehlen, bei COVID-19-Patienten besonders auf Symptome eines ischämischen Schlaganfalls zu achten, um rechtzeitig zeitsensible Interventionen wie Lyse und Thrombektomie vornehmen zu können. 

Die Erkenntnisse zur Risikoeinschätzung basieren allerdings überwiegend auf Fallberichten, was die Sicherheit der Aussagen einschränkt.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de

 

Kommentar

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