Risiko Gesundheitsberuf: AOK-Zahlen belegen höhere Erkrankungsraten an COVID-19

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

23. Juli 2020

Beschäftigte im Gesundheitswesen waren in den vergangenen Monaten am häufigsten an COVID-19 erkrankt. Dies ergab eine Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-Mitglieder durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) [1].

Altenpfleger traf es besonders häufig

Die WidO-Analyse zeigt, dass im Zeitraum März bis Mai 2020 insgesamt 1.283 je 100.000 Beschäftigte in der Altenpflege im Zusammenhang mit COVID-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt haben. Damit lag die Erkrankungsrate dieser Pflegekräfte mehr als das 2,5-fache über dem Durchschnittswert von 474 Erkrankten je 100.000 AOK-versicherten Beschäftigten.

Gleichzeitig gab es laut der WidO-Analyse bei Beschäftigten in der Altenpflege auch häufiger Krankenhausbehandlungen im Zusammenhang mit COVID-19: Je 100.000 Beschäftigte wurden 157 Personen mit dieser Diagnose in einer Klinik behandelt – der Vergleichswert aller AOK-Mitglieder lag dagegen bei 91 je 100.000 Beschäftigen.

Nur geringfügig darunter lag die Rate bei den Beschäftigten in der Gesundheits- und Krankenpflege. Nach den AOK-Zahlen hatten im untersuchten Zeitraum 1.237 Personen je 100.000 Beschäftigte aus dieser Berufsgruppe wegen COVID-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt.

Beruflicher Kontakt zu anderen Menschen besonders riskant

„Bestimmte Beschäftigtengruppen, die auch in Pandemiezeiten weiter zur Arbeit gegangen sind, scheinen stärker von COVID-19 betroffen zu sein“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WidO. Dies seien vor allem Berufe mit Kontakt zu anderen Menschen. Aber auch Beschäftigte in der Fleischverarbeitung oder der Lagerwirtschaft seien häufiger erkrankt. „Es bleibt abzuwarten, ob sich die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen durch Infektionsherde in einzelnen Betrieben in den kommenden Wochen und Monaten noch deutlicher abzeichnen werden“, so Schröder.

 
Bestimmte Beschäftigtengruppen, die auch in Pandemiezeiten weiter zur Arbeit gegangen sind, scheinen stärker von COVID-19 betroffen zu sein. Helmut Schröder
 

Tätigkeiten, die eher im Home-Office oder in der freien Natur ausgeübt werden, waren dagegen mit einem niedrigeren Infektionsrisiko verbunden, so die Analyse. Die niedrigsten krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit COVID-19 zeigten sich bei den Berufen in der Hochschullehre und -forschung (110 Patienten je 100.000 Beschäftigte) und in der Landwirtschaft (121 Patienten je 100.000 Beschäftigte).

Frauen häufiger erkrankt als Männer

Insgesamt erhielten von den 11,6 Millionen AOK-versicherten Erwerbstätigen im Analyse-Zeitraum etwa 55.000 Beschäftigte von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Zusammenhang mit einer COVID-19-Diagnose. Das entspricht 0,5% der AOK-versicherten Erwerbstätigen.

Dabei erkrankten Frauen häufiger (0,6%) als Männer (0,4%). Auch waren unter den jüngeren Beschäftigten bis zu 20 Jahren die Krankmeldungen mit Bezug zu COVID-19 am häufigsten (0,7%), bei den 30- bis 39-jährigen Erwerbstätigen dagegen am seltensten (0,4%).

Krankenhausaufenthalte wegen COVID-19 eher bei Älteren

Insgesamt wurden im untersuchten Zeitraum etwa 10.500 AOK-versicherte Erwerbstätige im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 in einem Krankenhaus behandelt. Das entspricht 91 Erkrankten je 100.000 AOK-versicherten Beschäftigen. Die durchschnittliche Behandlungsdauer dieser hospitalisierten Beschäftigten lag bei etwa 7 Tagen.

Die Daten der WidO-Analyse zeigen, dass von einem möglichen schweren COVID-19-Verlauf eher die älteren Erwerbstätigen betroffen waren als die jüngeren: Von 100.000 Beschäftigten über 60 Jahren wurden 168 stationär behandelt, während der Vergleichswert der jüngeren Beschäftigten unter 20 Jahren bei weniger als einem Drittel lag (51 je 100.000 Beschäftigte).

Allerdings bleibt laut WidO die Frage zu klären, ob ein schwerer COVID-19-Verlauf, der mit einer stationären Behandlung verbunden ist, eher von der beruflichen Tätigkeit oder aber vom Lebensalter und von den Vorerkrankungen der betroffenen Patienten beeinflusst wird.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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