Morbus Bechterew im Griff behalten: Forscher untersuchen Secukinumab-Therapie – wirkt auch nach 5 Jahren noch gut

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

14. Juli 2020

Der humane monoklonale Interleukin (IL)-17A-Antikörper Secukinumab hat auch nach 5 Jahren Therapie einen klinischen Benefit bei Spondylitis ankylosans, auch als Morbus Bechterew bekannt. Bei der Hälfte aller Patienten bleibt eine 40-prozentige Reduktion der Krankheitszeichen über 5 Jahre erhalten. Das berichten Dr. Helena Marzo-Ortega vom Leeds Institute of Rheumatic and Musculoskeletal Medicine und Kollegen in The Lancet Rheumatology[1].

Studie untersucht Langzeiteffekte von Secukinumab

Zum Hintergrund: Die Spondyloarthritis ist Folge immunologisch ausgelöster chronischer Entzündungen. Es kommt zu einer Inflammation des Achsenskeletts mit Ankylosis und Knochenneubildung.

Der Beginn im frühen Erwachsenenalter führt häufig zu progressiven, irreversiblen Schäden an der Wirbelsäule und zu einer hohen Morbidität. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf. Makrophagen bilden verstärkt Interleukin 17 (IL-17). In der MEASURE-2-Studie wurde geprüft, ob der IL-17-Antagonist Secukinumab, ein monoklonaler Antikörper gegen das Zytokin, über einen Zeitraum von 5 Jahren wirksam und sicher ist bei der Behandlung von Patienten mit Spondylitis ankylosans.

Design der Studie

Es handelte sich um eine prospektive, randomisierte, placebokontrollierte doppelblinde Phase-3-Studie an 53 Zentren in 13 Nationen, darunter Deutschland. Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten mit Spondylitis ankylosans.

Die 1. Randomisierung erfolgte in 3 Studienarme: Secukinumab 150 mg, 75 mg oder Placebo, jeweils subkutan, zum Zeitpunkt 0 und 1, 2 und 3 Wochen, danach alle 4 Wochen. Bei der 2. Randomisierung in Woche 16 wurden Patienten der Placebogruppe ebenfalls randomisiert mit Secukinumab 150 mg oder 75 mg behandelt.

Alle 4 Gruppen wurden bis zu 5 Jahren (Woche 260) therapiert. Endpunkte waren die Wirksamkeit, gemessen mit den diagnostischen Kriterien der Assessment of SpondyloArthritis International Society (ASAS) bzw. mit dem Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI). Dies fand anfangs in Abständen von 1-2 Wochen, später in größeren Intervallen, statt.

219 Patienten in die Studie eingeschlossen

219 Patienten wurden 1:1:1 in die initialen 3 Gruppen randomisiert, und 74 Patienten aus der Placebogruppe anschließend den beiden Secukinumabarme (150 mg oder 75 mg) zugeordnet. Nach 5 Jahren verringerte sich bei 67% der Teilnehmer in der Secukinumab-Gruppe mit 150 mg die Krankheitsaktivität (ASAS20) um 20%, und bei 50% der Personen um 40 % (ASAS40). Eine ASAS 5/6-Response, also eine Verbesserung in 5 von 6 Domänen des ASAS wie Schmerzen, Beweglichkeit der Wirbelsäule und systemische Entzündungszeichen, hatten nach 260 Wochen 51% erreicht, und einen BASDAI50 genau 53% in der Gruppe mit Secukinumab 150 mg. Unerwünschte Effekte wie Infektionen (Candida albicans) oder immunvermittelte entzündliche Darmerkrankungen waren im Allgemeinen kontrollierbar. Es gab keine bislang unbekannten Nebenwirkungen.

Secukinumab als Option in der Langzeittherapie

Die Daten erweitern Möglichkeiten von Rheumatologen. TNF-alpha-Blocker, nichtsteroidale Antirheumatika und Krankengymnastik sind bisherige Eckpfeiler einer Therapie der Spondylitis ankylosans. Aber ein Teil der Patienten spricht nicht ausreichend an oder verträgt die Medikamente nicht. In der MEASURE-2-Studie waren 61% aller Teilnehmer nicht mit Biologika vorbehandelt und 39% hatten auf TNF-alpha-Blocker nicht ausreichend angesprochen.

Den Ergebnissen der Studie zufolge ist die Strategie, Secukinumab 150 mg zunächst wöchentlich als Loading Dose zu geben und anschließend als Erhaltungstherapie einmal pro Monat, wirksam und sicher, und zwar auch im Langzeitverlauf von 5 Jahren. Die Patienten hatten einen klinisch relevanten Benefit von der Therapie.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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