„Na und?“ Brasiliens Präsident positiv auf SARS-CoV-2 getestet – er schluckt Hydroxychloroquin und verweigert Quarantäne

Equipe Medscape

Interessenkonflikte

8. Juli 2020

São Paulo - Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro (65) sagte am Dienstag dieser Woche auf einer Pressekonferenz in Brasília, er habe sich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Die Erklärung wurde abgegeben, nachdem Bolsonaro beschlossen hatte, sich am Montag einem Test zu unterziehen, der positiv auf SARS-CoV-2 ausgefallen ist. Präsident Bolsonaro sprach sich immer wieder gegen Social Distancing, Masken oder Quarantäne aus. 

Jair Bolsonaro
Foto: Wikipedia

„Mir geht es vollkommen gut“, sagte Bolsonaro, der vor der Presse eine Gesichtsmaske trug. Er habe sich für den Test entschieden, nachdem er am Sonntag leichte Symptome mit Unwohlsein, niedrigem Fieber und Körperschmerzen festgestellt hatte. Gegenüber CNN Brasil erklärte er am Montagnachmittag, dass er 38°C Fieber und eine Sauerstoff-Sättigungsrate von 96% im Blut habe, nachdem er im Hospital das Forças Armadas (einem Krankenhaus der Armee) in Brasília verschiedenen Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren unterzogen hatte.

Keine Quarantäne – aber Hydroxychloroquin

Bolsonaro sagte Reportern während einer Pressekonferenz, dass sich sein Gesundheitszustand am Montag verbessert habe und dass er die Medikamente Hydroxychloroquin und Azithromycin unter ärztlicher Aufsicht verwenden würde. 

„Die Temperatur fiel auf 36,7 °C. Mir geht es gut, ich fühle mich normal. Im Vergleich zu gestern sehe ich gut aus. Ich bin sogar auf der Suche nach einem Weg für einen Spaziergang“, sagte er.

Viele enge Kontakte in den vergangenen Tagen

Am vergangenen Freitag hatte der Präsident noch mit Ministern und Geschäftsleuten im Palácio da Alvorada zu Mittag gegessen. Am Samstag nahm er in Begleitung seines Sohnes Eduardo Bolsonaro und einiger seiner Minister an einem Mittagessen zum Gedenken an den Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten in der offiziellen Residenz der US-Botschaft in Brasilia teil, wo er u.a. mit Botschafter Todd Chapman und seinem Sohn in Kontakt stand. Auf jeden Fall gab es Umarmungen und Händeschütteln ohne die Verwendung einer Maske oder sonstige Schutzmaßnahmen. 

Am Wochenende reiste der Präsident auch nach Santa Catarina, um die Gebiete zu überfliegen, die von einem starken Zyklon getroffen wurden, der im Süden des Landes Zerstörung und Todesopfer forderte.

SARS-CoV-2 eine „schlimme Erkältung“

Gegenüber der New York Times beschrieb Bolsonaro seine Beschwerden als „eine schlimme Erkältung“. Als er Ende April nach der steigenden Zahl der Todesopfer in Brasilien gefragt wurde, antwortete er: „Na und? Entschuldigung, aber was soll ich tun?“ 

Ärzte und Wissenschaftler, aber auch Oppositionsvertreter, haben seinen Umgang mit der Pandemie als „rücksichtslos“ bezeichnet. Er ruft dazu auf, Masken zu meiden, ermutigt Anhänger, seine Massenkundgebungen zu besuchen und macht sich für Hydroxychloroquin stark: ein Pharmakon, das in mehreren Studien gescheitert ist und das mit kardialen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wird. Brasilien hat jetzt mehr als 1,6 Millionen bestätigte SARS-CoV-2-Fälle, und mehr als 65.000 Menschen sind bislang gestorben. 

Dieser Artikel ist im Original in der portugiesischen Ausgabe von Medscape erschienen. Er wurde von Michael van den Heuvel übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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