Antibiotika oder nicht? Welche Biomarker oder klinische Zeichen bei COVID-19 für eine Superinfektion sprechen

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

3. Juli 2020

Bei COVID-19-Patienten mit Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion und/oder septischen Verlauf sollte eine antibiotische Therapie unmittelbar initiiert werden, bei Sepsis innerhalb einer Stunde, lautet die generelle Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Fachgruppe Intensivmedizin, Infektiologie und Notfallmedizin (COVRIIN) am RKI hat jetzt eine Bewertung klinischer Zeichen sowie Biomarker zusammengestellt, die für eine Superinfektion sprechen und eine antibiotische Therapie rechtfertigen [1].

Die genaue Inzidenz von bakteriellen bzw. mykotischen Superinfektionen bei COVID-19 ist unbekannt, da systemische prospektive Studien bislang fehlen. Daten aus 2 Metaanalysen mehrerer Beobachtungsstudien zeigen Raten an Superinfektionen zwischen 0% und 33%, heißt es im CORVIIN-Bericht. Damit liegt sie deutlich unter der Inzidenz bei einer schweren Influenza.

Leukozytenzahl und CRP deuten nicht automatisch auf Superinfektion

Übliche Marker zur Abgrenzung einer bakteriellen Infektion wie Leukozytenzahl und C-reaktives Protein (CRP) sind häufig bereits bei der Diagnosestellung von COVID-19 erhöht und erlauben deshalb keine sichere Unterscheidung zwischen einer bakteriellen und viralen Infektion. Auch die hyperinflammatorische Phase von COVID-19 kann laut der COVRIIN-Arbeitsgruppe mit einem Anstieg dieser Parameter einhergehen und deutet nicht zwingend auf eine bakterielle Superinfektion hin.

Insgesamt seien jedoch Leukozytose, Lymphopenie und erhöhtes CRP relevante prognostische Faktoren für einen schlechten Verlauf und sollten daher regelmäßig bestimmt werden.

Auch Fieber ist kein sicheres Zeichen einer Superinfektion, da ein lange anhaltendes Fieber im Verlauf von COVID-19 eher typisch ist und Fieber auch nach initialer Entfieberung im Rahmen des Zytokinsturms in der hyperinflammatorischen Phase erneut auftreten kann, berichten die Wissenschaftler um Dr. Torsten Feldt, Universitätsklinikum Düsseldorf.

Ähnlich könne auch die Verschlechterung der subjektiven Dyspnoe bzw. der gemessenen Oxygenierung ein Ausdruck eines Alveolarschadens im Rahmen der Hyperinflammation sein oder auch durch andere klinische Umstände wie z.B. Herzinsuffizienz und Flüssigkeitsüberladung bedingt sein.

Procalcitonin eignet sich als Biomarker

Das Procalcitonin (PCT) kann nach aktueller Datenlage die Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Infektion unterstützen. Ein Anstieg von PCT kann auf eine bakterielle Superinfektion hindeuten und sollte gemeinsam mit klinischen Zeichen, mikrobiologischer Diagnostik interpretiert werden.

Ist eine antimikrobielle Therapie indiziert, sollte laut CORVIIN-Fachgruppe ein wahrscheinliches Erregerspektrum bei der Auswahl der empirischen Antibiotikatherapie berücksichtigt werden. Die Therapie sollte dann gemäß den ABS (Antibiotic Stewardship)-Prinzipien nach Durchführung frühzeitig reevaluiert und bei Bedarf angepasst oder abgesetzt werden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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