Der Corona-Truck kommt: Ein Labor auf 4 Rädern soll schnellere Ergebnisse bei lokalen Ausbrüchen ermöglichen

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

23. Juni 2020

Schnellere Tests auf SARS-CoV-2 und schnellere Testergebnisse – dieses Ziel verfolgt die Baden-Württemberg Stiftung mit dem mobilen Corona-Labor CoVLAB. In wenigen Wochen soll das rollende Labor starten [1].

 
Unser Labor-Truck soll Einrichtungen in ganz Baden-Württemberg anfahren. Vorgesehen sind Alten- und Pflegeheime, Justizvollzugsanstalten (JVA), Frauenhäuser und Asylbewohnerheime. Dr. Angela Kalous
 

„Unser Labor-Truck soll Einrichtungen in ganz Baden-Württemberg anfahren. Vorgesehen sind Alten- und Pflegeheime, Justizvollzugsanstalten (JVA), Frauenhäuser und Asylbewohnerheime. Wir stellen den Tourenplan derzeit zusammen, Ende Juli wollen wir starten“, berichtet Dr. Angela Kalous, Abteilungsleiterin Forschung bei der Stiftung Baden-Württemberg. Im Truck befindet sich ein Labor mit höchsten Sicherheitsstandards.

Bei SARS-CoV-2-Ausbrüchen mit dem Labor vor Ort testen

Die Idee ist, Brennpunkte anzufahren, direkt vor Ort bei Mitarbeitern und Bewohnern der Einrichtungen Abstriche vorzunehmen und auf das Virus zu untersuchen. Dabei handelt es sich nicht um Schnelltests; Untersuchungen sollen aber innerhalb weniger Stunden Klarheit bringen, ob jemand infiziert oder nicht. „Werden beispielsweise die Mitarbeiter einer JVA morgens getestet, dann sollen die Ergebnisse im Lauf des Tages vorliegen so dass die Leute wissen, ob sie am nächsten Tag zur Arbeit gehen können oder besser zu Hause bleiben“, erklärt Kalous gegenüber Medscape.

Bis zu 500 Tests am Tag sollen möglich sein. Im mobilen Labor arbeiten 3 bis 4 Fachkräfte, nämlich 1 Arzt, 1 medizinisch-technische Assistentin, dazu 1 bis 2 Laborkräfte. Das mobile Testlabor soll bei Bedarf über Nacht zu betroffenen Einrichtungen im ganzen Bundesland fahren, um direkt am nächsten Morgen einsatzbereit zu sein.

Truck ist Teil von 4 Corona-Hilfsprojekten

Das CoVLAB ist Teil von insgesamt 4 neuen Hilfsprojekten der Baden-Württemberg Stiftung. Neben dem mobilen COVID-19-Testlabors gibt es Unterstützung für Musiker, digitale Bildungsinhalte und eine Konzertreihe für Corona-Helfer.

„Mit den neuen Projekten leisten wir einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie im Land“, sagt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. „Wir unterstützen damit insbesondere die Menschen, die die Auswirkungen der Krise stark spüren – etwa in der Medizin, der Bildung oder im Kulturbereich – auf schnelle und unkomplizierte Art und Weise.“

Die Baden-Württemberg-Stiftung ist eine hundertprozentige Tochter des Landes. Sie stellt jährlich bis zu 40 Millionen Euro für gemeinnützige Projekte zur Verfügung und verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von 2,3 Milliarden Euro. Damit zählt sie zu den größten Stiftungen in Deutschland.

Pilotprojekt zur Testung vor Ort

 „Das mobile COVID-19-Testlabor setzt bundesweit Maßstäbe“, sagt Winfried Kretschmann, Ministerpräsident in Baden-Württemberg. 1,3 Millionen Euro gehen in den Aufbau und Betrieb des CoVLAB. Es handelt sich um das bundesweit das erste mobile Labor.

Wie die Stiftung in einer Pressemitteilung schreibt, führe die anhaltende Pandemie zu einem großen Bedarf an Testungen von potenziell infizierten Personen. Mobile Testlabore könnten deshalb zu deutlichen Entlastungen an Orten beitragen, wo dringend und schnell Tests durchgeführt und deren Ergebnisse sehr zeitnah übermittelt werden müssen.

Projektpartner ist die Universitätsmedizin Mannheim, die auch das mobile Labor im Truck betreibt. Medizinischer Leiter des mobilen Labors ist Prof. Dr. Michael Neumaier, Direktor des Instituts für klinische Chemie an der Universität Mannheim. Neumaier berät die Stiftung auch bei der Entwicklung des Projekts.

Nach Einschätzung der Stiftung könnte das CoVLAB die medizinische Betreuung gerade in Altenpflegeeinrichtungen, Haftanstalten oder Einrichtungen wie Flüchtlingsheimen oder Frauenhäusern schnell verbessern, weil Probenentnahme und Diagnostik direkt verknüpft sind.

Wie Kalous berichtet, werde darüber nachgedacht, den Truck später auch für Antikörpertests einzusetzen, wenn die Methode verlässlich genug sei. Nach Entwicklung eines Impfstoffs soll der Truck für Impf- und Aufklärungskampagnen genutzt werden. Überlegt werde auch, im Herbst Tests auf Influenza zu ermöglichen, um eine SARS-CoV-2-Infektion von einer Influenza möglichst früh zu unterscheiden.
 

Kommentar

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