Brustkrebs: Was bringt eine lokoregionäre Therapie bei Patientinnen mit einem Tumor im De-novo-Stadium IV wirklich?

Daniela Ovadia, Agenzia Zoe

Interessenkonflikte

24. Juni 2020

Eine frühe lokoregionäre Therapie (LRT), etwa Operation und/oder Bestrahlung, verbessert das Überleben bei Frauen mit de-novo metastasiertem Brustkrebs und einem intakten Primärtumor (IPT) nicht. Auch die Lebensqualität (QoL) bleibt nahezu unverändert, obwohl das lokale Progressionsrisiko ohne LRT 2,5-fach höher ist.

Dennoch kann eine LRT in Erwägung gezogen werden, falls sich die maligne Erkrankung durch eine systemische Therapie gut kontrollieren lässt, aber die primäre Lokalisation progredient ist. Das berichtet ein Team um Prof. Dr. Seema Ahsan Khan von der Northwestern University, Feinberg School of Medicine in Chicago, auf dem ASCO-Kongress 2020 [1].

„Auch wenn eine lokoregionäre Therapie die Lebensqualität und das Überleben nicht verbessert, werden 20% der Patienten irgendwann eine palliative Operation benötigen“, kommentierte Dr. Julia R. White die Ergebnisse. Sie ist Radioonkologin an der Ohio State University in Columbus. White: „Es gibt weitere Studien mit anderen Ergebnissen, vor allem die multizentrische Turkish Federation-Studie, die ein verbessertes Gesamtüberleben nach 5 Jahren zeigt, insbesondere bei Patienten mit solitären Knochenmetastasen.“

 
Auch wenn eine lokoregionäre Therapie die Lebensqualität und das Überleben nicht verbessert, werden 20% der Patienten irgendwann eine palliative Operation benötigen. Dr. Julia R. White
 

Die Expertin ergänzt: „Laufende klinische Studien werden uns zeigen, ob es eine Subgruppe von Patienten gibt, die von einer Kombination aus LRT und systemischer Therapie profitieren können.“

Bias in älteren retrospektiven Studien?

Zum Hintergrund: Etwa 6% (10% bis 20% in Ländern mit begrenzten Ressourcen) aller Patientinnen mit neu diagnostiziertem Brustkrebs werden mit einer Erkrankung im Stadium IV und einem IPT vorstellig. Basierend auf retrospektiven Studien soll eine LRT bei ihnen das Überleben verlängern.

Khan und Kollegen zufolge unterliegen ältere Veröffentlichungen jedoch einem Bias: Frauen, die sich einer Operation unterzogen hatten, waren jünger und hatten kleinere Tumoren, häufiger eine Östrogenrezeptor-positive Erkrankung (ER+) sowie eine geringere Metastasenlast. Deshalb befassten sich Khan und Kollegen mit der Thematik.

Neue randomisierte Studie zeigt keinen Benefit der frühen lokoregionären Therapie

Im Rahmen einer Phase-3-Studie wurden Patientinnen mit einer Erkrankung im Stadium IV und mit einem IPT rekrutiert. Sie erhielten individuell eine optimale systemische Therapie (OST). Frauen, die unter einer 4- bis 8-monatigen OST nicht progredient waren, wurden randomisiert einer Gruppe mit LRT oder einer Gruppe ohne LRT zugeteilt (insgesamt n=390).

Von ihnen wurden 256 randomisiert entweder einer fortgesetzten OST allein (n=131) oder OST plus LRT (n=125) zugewiesen. Der primäre Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS) mit lokoregionärer Krankheitskontrolle als sekundärem Endpunkt. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Nach einem mittleren Follow-up von 59 (Intervall 0 bis 91) Monaten gab es 121 Todesfälle und 43 lokoregionäre Progressionsereignisse.

  • Kein signifikanter Unterschied bestand in der OS-Rate nach 3 Jahren: 68,4% unter OST plus LRT versus 67,9% unter OST allein (P=0,63). 

  • Kein Unterschied zwischen beiden Gruppen bestand im progressionsfreien Überleben (P=0,40).

  • Die lokoregionäre Rezidiv-/Progressionsrate war nach 3 Jahren signifikant höher in der Gruppe unter alleiniger OST (25,6%) versus 10,2% unter OST plus LRT (P=0,003).

  • Die gesundheitsbezogene Lebensqualität, sie wurde mit dem FACT-B Trial Outcome-Index gemessen wurde, war 18 Monate nach der Randomisierung signifikant schlechter in der OST+LRT-Gruppe als in der Gruppe unter alleiniger OST. Jedoch wurde kein Unterschied nach 6 Monaten (74% abgeschlossen) oder 30 Monaten (56% abgeschlossen) beobachtet.

  • Daten aus der laufenden japanischen Studie JCOG 1017 mit einem ähnlichen Design werden voraussichtlich die Ergebnisse bestätigen.

Die Ergebnisse wurden ohne Peer Review bei einer Tagung präsentiert.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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