Krebs in Corona-Zeiten; Schwerpunkt Brustkrebs weltweit; CAR-T-Zellen beim Hodgkin-Lymphom

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

3. August 2020

Wohl in keinem anderen Bereich der Medizin gibt es derzeit so viele positive Entwicklungen und Neuerungen wie in der Onkologie. Gleichzeitig steigen die Patientenzahlen. Für das Jahr 2020 wird laut RKI eine Zunahme der Krebs-Neudiagnosen auf rund 510.000 Erkrankungsfälle prognostiziert. Nur 4 Lokalisationen (Brustdrüse, Prostata, Dickdarm und Lunge) machen dabei etwa die Hälfte aller malignen Tumore aus. Mit unserem regelmäßigen Onko-Blog wollen wir Sie auf dem Laufenden halten über wichtige neue Erkenntnisse aus diesem Bereich – Wissen, von dem Sie für Ihre tägliche Praxis und für Ihre Patienten profitieren können.

Update vom 3. August 2020
Krebs in Corona-Zeiten; Schwerpunkt Brustkrebs weltweit; CAR-T-Zellen beim Hodgkin-Lymphom

Wie versorgt man am besten Krebspatienten während der Corona-Pandemie? Unser aktueller Onkologie-Blog stellt neue Consensus-Publikationen dazu vor (ESMO und deutschsprachige Fachgesellschaften). Der Schwerpunkt diese Woche liegt jedoch beim Brustkrebs. Inzidenz und Sterblichkeit nehmen weltweit zu, vor allem in ärmeren Ländern sterben viele Patientinnen. Bei Frauen mit extrem dichter Brust ist die Mammographie bekanntlich weniger aussagekräftig – doch die Tomosynthese ist als Screeningverfahren hier anscheinend auch nicht besser, so neue Daten. Und eine australische Autorengruppe stellt sogar den Nutzen des klassischen Mammographie-Screenings aufgrund ihrer Analysen in Frage. Schließlich gibt es Neues zur CAR-T-Zelltherapie: Sie erzielt bei Patienten mit r/r-Hodgkin-Lymphom gute Ansprechraten.

  • COVID-19: Consensus-Papiere zum Management von Krebspatienten

  • Brustkrebs: Weltweite Entwicklung bei prä- und postmenopausalen Frauen

  • Mammografie: Bei sehr dichtem Drüsengewebe ist Tomosynthese nicht vorteilhafter

  • Brustkrebs: Ist das Mammographie-Screening unnötig?

  • Rezidiviertes Hodgkin-Lymphom: CAR-T-Zelltherapie vielversprechend

COVID-19: Consensus-Papiere zum Management von Krebspatienten

Eine interdisziplinäre Expertengruppe der European Society for Medical Oncology (ESMO) hat am 31. Juli 2020 in den Annals of Oncology ein Consensus-Papier zum Management von Krebspatienten während der COVID-19-Pandemie publiziert. Es fordert Onkologen dazu auf, keine Krebsbehandlung wegen der COVID-19-Pandemie verzögert zu starten oder sie gar abzubrechen

Auch seien nicht alle Krebspatienten als besonders gefährdet durch die SARS-CoV2-Infektion einzustufen – dies könne ihre optimale Behandlung gefährden.  

Zwar hatte man zu Beginn der Pandemie zunächst alle Krebspatienten als besonders stark gefährdet angesehen, inzwischen sei jedoch klar, dass viele Patienten mit soliden Tumoren durch die Infektion nicht stärker gefährdet seien als die Allgemeinbevölkerung. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind vor allem ältere oder multimorbide Patienten und solche, die mit einer Chemotherapie behandelt werden, einem höheren Risiko ausgesetzt. Bei diesen Patienten soll deshalb vor Therapiebeginn ein Test auf SARS-CoV2 durchgeführt werden.

Laufend aktualisiert werden die Onkopedia-Leitlinien zum Umgang mit COVID-19 bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. Die Leitlinien richten sich an alle, die Patienten mit Krebserkrankungen behandeln. Sie wurden unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Marie von Lilienfeld-Toal, Jena, entwickelt, deren Arbeitsschwerpunkte Infektionen in der Hämatologie und Onkologie sind. Neben allgemeinen Maßnahmen und Verhaltensregeln wird der derzeitige Kenntnisstand zur Behandlung von COVID-19 erläutert. Ein weiterer Abschnitt widmet sich organisatorischen Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung von Krebspatienten.

Empfehlungen zum Vorgehen bei einzelnen Krankheitsentitäten oder Krankheitssituationen sind nach dem jeweils gleichen Schema gegliedert. Experten auf den einzelnen Gebieten beschreiben die Evidenz zu COVID-19, das Risiko für einen schweren Verlauf, die Betreuung der Patienten angesichts der Bedrohung durch COVID-19 und die Änderung der Betreuung bei Nachweis einer SARS-CoV2-Infektion.

Brustkrebs: Weltweite Entwicklung bei prä- und postmenopausalen Frauen

Brustkrebserkrankungen nehmen weltweit zu – und zwar bei prä- und postmenopausalen Frauen, so eine populationsbasierte Analyse der weltweiten Inzidenz und Mortalität, die eine kanadische Arbeitsgruppe in Lancet Global Health publiziert hat.

So wurden im Jahr 2018 weltweit Mammakarzinome bei rund 645.000 prämenopausalen und 1,4 Mio. postmenopausalen Frauen diagnostiziert, die bei 130.000 bzw. 490.000 Patientinnen zum Tod führten. Frauen aus Ländern mit einem niedrigen Human Development Index (HDI – ein Wohlstandsindikator der UN für Staaten) erkrankten häufiger prämenopausal an einem Brustkrebs, als Frauen aus Ländern mit einem hohen HDI. Auch die Sterblichkeit war bei niedrigem HDI höher.

Dabei war in Ländern mit einem sehr hohen HDI die altersstandardisierte Inzidenz an  Brustkrebs (ASIR) prä- und postmenopausal mit 30,6 bzw. 253,6 Fällen/100.000 am höchsten. Jedoch war die altersstandardisierte Mortalität (ASMR) in Ländern mit niedrigem und mittlerem HDI prä- und postmenopausal am höchsten (88,5 und 53,3 Todesfälle/100.000).

Laut Trendanalyse nahm die altersstandardisierte Inzidenzrate für prämenopausale Mammakarzinome in 20 von 44 Populationen signifikant zu, für postmenopausale Mammakarzinome sogar in 24 von 44 Populationen. Prämenopausale Brustkrebserkrankungen nehmen vor allem in reichen Ländern zu, während ein Anstieg postmenopausaler Erkrankungen vorwiegend in Ländern mit einer Besserung der ökonomischen Lage (Länder in Transition) zu beobachten ist.

Die Autoren diskutieren verschiedene Faktoren für diese Ergebnisse, wie Änderungen im Lebensstil (Stichworte Adipositas, Alkohol), im Reproduktionsverhalten (weniger Kinder, Geburten im höheren Lebensalter), Hormonersatztherapie, vermehrtes Screening sowie unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten.

Die Autoren des begleitenden Editorials sind der Meinung, dass die Vergrößerung der Mortalitätslücke und die Zunahme des Ungleichgewichts im Zugang zu und in der Qualität der Behandlungsmöglichkeiten nach Diagnose einer Brustkrebserkrankung in den verschiedenen Regionen der Welt eine globale Antwort erfordere.

Brustkrebs: Tomosynthese keine Vorteile bei sehr dichtem Drüsengewebe

Die digitale Brust-Tomosynthese (DBT) – auch 3D-Mammografie genannt – ist nicht bei allen Frauen besser zur Untersuchung auf ein Mammakarzinom geeignet als die klassische 2D-Mammographie. Sie scheint insbesondere bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe keine besseren Ergebnisse als die Mammographie zu liefern.

Erstmals hatte eine in JAMA Network Open publizierte Kohortenstudie untersucht, ob es zwischen den beiden Verfahren Unterschiede in Abhängigkeit von der Dichte der Brust, vom Alter und vom Zeitpunkt der Untersuchung (erstes oder nachfolgendes Screening) gibt.

Die US-amerikanische Arbeitsgruppe analysierte 1.273.492 klassische Mammografien und 310.587 Tomosynthesen aus 46 Zentren. Der absolute Nutzen der Tomosynthese war im Vergleich zur Mammografie bei der ersten Untersuchung am größten mit weniger Wiedereinbestellungen und höheren Krebsentdeckungsraten.

Auch bei den nachfolgenden Untersuchungen besserte sich mit der DBT bei den meisten Frauen die Wiedereinbestellungs- oder die Krebserkennungsrate.

Nur bei Frauen mit einer extrem dichten Brust zeigte die DBT keinen Vorteil im Vergleich zur klassischen Mammographie, was eine Herausforderung ist, denn bei sehr dichter Brust wird ein Tumor leichter übersehen und das Krebsrisiko ist höher.

Im begleitenden Editorial wird zu weiteren Untersuchungen geraten, um den Nutzen anderer Verfahren wie MRT, molekularer Bildgebung oder Ultraschall in Abhängigkeit von den Risikofaktoren der Frauen besser einordnen zu können und um heraus zu finden, welche Screeningmethode für Frauen mit dichter Brust am besten geeignet ist.

Brustkrebs: Ist das Mammographie-Screening unnötig?

Die Analyse verschiedener Querschnittsstudien in Australien ergab, dass durch das Mammographie-Screening nicht – wie bei einem Nutzen des Screenings eigentlich zu erwarten - vermehrt früher Brustkrebs und weniger fortgeschrittene Stadien nachgewiesen worden sind. Die Autoren der im Juni 2020 in JAMA Network Open publizierten Studie schlagen deshalb sogar vor, das Mammographie-Screening ganz einzustellen.

Sie fanden bei ihrer Analyse der Daten von 76.630 Frauen im Bundesstaat Victoria, die zwischen 1982 und 2013 ins Victoria Cancer Registry aufgenommen worden waren, dass sich die Inzidenz fortgeschrittener Mammakarzinome zwischen 1986 und 2013 von 12,2/100.000 Frauen auf 23,9/100.000 Frauen verdoppelt hatte.

Trotzdem nahm nach 1994 die Mortalität um 30% bis zum Jahr 2013 ab. Die Autoren gehen davon aus, dass dies allein auf die Verbesserungen der adjuvanten Therapie zurück zu führen ist.

In einem Kommentar bei Medscape Oncology meint Prof. Dr. Andrew M. Kaunitz, Universität von Florida, Jacksonville: „Wenngleich einige die Ergebnisse und Empfehlungen dieser australischen Autorengruppe skeptisch oder gar ablehnend beurteilen werden, ordne ich sie als ‚Good News‘ ein. Wir haben die Behandlung des Mammakarzinoms so dramatisch verbessert, dass es schwierig geworden ist, den Nutzen eines frühen Tumornachweises mit dem Screening nachzuweisen.“ Kaunitz rät daher umso mehr, Entscheidungen zum Screening in enger Absprache mit den Frauen zu treffen.

Rezidiviertes Hodgkin-Lymphom: CAR-T-Zelltherapie vielversprechend

Die CAR-T-Zelltherapie gibt es inzwischen seit 10 Jahren – und sie ist in dieser Zeit stark gehypt worden. Neue Erfolge mit der Methode werden nun bei stark vorbehandelten Patienten mit rezidiviertem/refraktärem Hodgkin-Lymphom berichtet. Bei ihnen erwies sich eine gegen CD30 gerichtete CAR-T-Zelltherapie als sicher und hoch aktiv mit einer Gesamtansprechrate von 72%, wobei komplett 59% der Patienten ansprachen, so eine Phase-1/2-Studie im Journal of Clinical Oncology .

Das Hodgkin-Lymphom kann zwar bei bis zu 85% der Patienten geheilt werden. Diejenigen, bei denen die Erkrankung rezidiviert oder nicht auf eine Behandlung anspricht, haben aber eine schlechte Prognose.

Eine Arbeitsgruppe vom UNC Lineberger Comprehensive Cancer Center und Baylor College of Medicine in Houston untersuchte nun Wirksamkeit und Verträglichkeit einer gegen CD30 gerichteten CAR-T-Zelltherapie bei Patienten, die zuvor ein Konditionierungsregime aus Bendamustin, Bendamustin/Fludarabin oder Cyclophosphamid/Fludarabin zur Lymphozyten-Depletion erhalten hatten. Im Verlauf der Studie stellte sich die Fludarabin-basierte Vorbehandlung als die wirksamste Variante heraus.

Auf die CAR-T-Zellbehandlung sprachen 19 von 32 (59%) mit Fludarabin präkonditionierte Patienten komplett an. Nach einem medianen Follow-Up von 533 Tagen lagen das 1-Jahres-progressionsfreie Überleben (PFS) bei 36% und das 1-Jahres-Gesamtüberleben (OS) bei 94%.

Bei den unerwünschten Wirkungen waren hämatologische Toxizitäten vom Grad 3 oder höher am häufigsten. Bei 10 Patienten kam es zu einem Zytokin-Freisetzungssyndrom vom Grad 1. Neurotoxische Effekte wurden nicht beobachtet.

Update vom 28.7.2020

Mehr Krebs-Tote durch Pandemie erwartet; Brustkrebs: 3 Bisphosphonate im Vergleich; Orales Mikrobiom und Magenkrebs

Unser aktueller Onkologie-Blog informiert über eine Modellierungsstudie aus England. Sie prognostiziert mehr krebsbedingten Todesfälle in den nächsten 5 Jahren. Der Grund sollen verzögerte Diagnosen wegen der COVID-19-Pandemie sein. Eine andere interessante Studie hat 3 Bisphosphonate bei Frauen mit einem Mammakarzinom direkt verglichen. Neue Daten bestätigen, dass Langzeitüberlebende nach Brustkrebs ein höheres Sterberisiko, vor allem aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen haben. Und Menschen mit Parodontose und Zahnverlust in der Anamnese erkranken häufiger an einem Speiseröhren- oder Magenkarzinom. Interessant auch: Der Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab wirkt beim fortgeschrittenen Melanom unabhängig vom BRAF-Mutationsstatus und von einer Vortherapie mit BRAF-Inhibitoren ohne oder mit MEK-Inhibitoren.

  • Verzögerte Diagnose durch COVID-19: Bald mehr Krebstote in England?

  • Brustkrebs: Head-to-Head-Vergleich von 3 Bisphosphonaten

  • Mammakarzinom überlebt, aber höhere (kardiovaskuläre) Sterblichkeit

  • Speiseröhren- und Magenkrebs: Bei Parodontose und Zahnverlust höheres Risiko

  • Metastasiertes Melanom: Pembrolizumab wirkt unabhängig vom BRAF-Mutationsstatus und vorangegangener gezielter Therapie

COVID-19: Anstieg vermeidbarer Krebstodesfälle in England erwartet

In England wird ein Anstieg von vermeidbaren krebsbedingten Todesfällen erwartet, weil Krebserkrankungen aufgrund der COVID-19-Pandemie verzögert diagnostiziert werden. Dies folgert eine in Lancet Oncology publizierte Modellierungsstudie.

Durch Brust-, Kolorektal-, Ösophagus- und Lungenkarzinom könnten deshalb innerhalb der nächsten 5 Jahre zwischen 3.291 bis 3.621 mehr Patienten sterben, so die Analyse. Die Autoren errechneten mit Hilfe dreier unterschiedlicher Szenarien, dass innerhalb der nächsten 5 Jahr nach Diagnose zusätzlich 281 bis 344 Patienten (8-10%) an Brustkrebs, 1.445 bis 1.563 (15-17%) am Kolorektal-Karzinom, 1.235 bis 1.372 (5%) an Lungenkrebs und 330 bis 342 (6%) an Speiseröhrenkrebs sterben werden.

Es seien dringend politische Interventionen erforderlich, um die gesamte Routinediagnostik aufgrund der Pandemie nicht zu stark zurückzufahren, warnen die Autoren. Mehr dazu bei Medscape Oncology .

Brustkrebs: Head-to-Head-Vergleich von Bisphosphonaten in der Adjuvans

Die 3 Bisphosphonate Zoledronsäure, Clodronsäure und Ibandronsäure wirken in der adjuvanten Therapie bei Frauen mit frühem Mammakarzinom auf das krankheitsfreie Überleben (DFS) und das Gesamtüberleben (OS) ähnlich gut. Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe verglich Wirksamkeit und Verträglichkeit in der randomisierten S0307-Studie an 6.097 Patienten und publizierte die Ergebnisse im Juli im Journal of the National Cancer Institute .

Die Frauen erhielten über 3 Jahre Clodronsäure (1.600 mg täglich oral), Ibandronsäure (50 mg täglich oral) oder Zoledronsäure (i.v. 4 mg monatlich über 6 Monate, dann 4 mg alle 3 Monate über 2,5 Jahre). Nach 5 Jahren lebten unter Clodronsäure 87,6%, unter Ibandronsäure 87,4% und unter Zoledronsäure 88,3% der Patientinnen krankheitsfrei. Die 5-Jahres-Gesamtüberlebensraten betrugen 92,6%, 92,9% bzw. 92,6%. Die Ergebnisse unterschieden sich nicht in Abhängigkeit vom Alter oder Tumorsubtyp.

Grad-3/4-Nebenwirkungen traten bei 8,3% unter Clodronsäure, 10,5% unter Ibandronsäure und 8,8% unter Zoledronsäure auf. Eine Kieferosteonekrose trat bei 0,36%, 0,77% bzw. 1,26% der Frauen auf, sie war also unter Zoledronsäure am häufigsten. Die Patientinnen bevorzugten die oralen Darreichungsformen.

Die Autoren des begleitenden Editorials bedauern, dass in der Studie eine Placebogruppe fehlte, das sei aber angesichts der Studienlage zu Beginn der S0307-Studie im Jahr 2006 verständlich gewesen.

Die Ereignisrate sei zudem niedriger als erwartet gewesen. Dies sei vermutlich u.a. auf bessere adjuvante Behandlungsmöglichkeiten zurückzuführen, was für die Patientinnen eine gute Nachricht sei.

Brustkrebs: höhere (kardiovaskuläre) Sterblichkeit bei Langzeitüberlebenden

Langzeitüberlebende einer Brustkrebserkrankung haben im Vergleich zu Frauen ohne Mammakarzinom ein höheres Sterberisiko (Hazard Ratio: 1,79), und zwar unabhängig von der Zeit nach der Diagnose, vom Tumorstadium, vom Östrogenrezeptorstatus und von einem Alter von mindestens 70 Jahren bei der Diagnose. Eine Arbeitsgruppe von der John-Hopkins-Universität in Baltimore, USA, berichtete die Ergebnisse der CLUE-II-Studie, einer prospektiven Kohortenstudie, im Juli im Journal of the National Cancer Institute .

Sie verglich die Gesamt- und die kardiovaskuläre Sterblichkeit von 628 Frauen mit Mammakarzinom und 3.140 gematchten Kontrollen ohne Krebs über 25 Jahre. Bei den Frauen mit einem Mammakarzinom in der Anamnese nahm ab 8 Jahren nach der Diagnose die Häufigkeit kardiovaskulärer Todesfälle im Vergleich zu den Kontrollpersonen zu, wobei ältere Frauen (HR: 2,24) und Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Tumor (HR: 1,85) das höchste Risiko hatten. Eine kardiovaskuläre Herzerkrankung war die häufigste Todesursache bei den Kontrollen und die zweithäufigste Todesursache bei den Brustkrebs-Patientinnen.

Die Ursache der erhöhten Sterblichkeit in dieser und anderen Studien basiert nach Aussage der Autoren des begleitenden Editorials im JNCI auf einer Mischung verschiedener Risikofaktoren. So könnte die Krebstherapie eine Rolle spielen, aber natürlich auch die bekannten Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen oder fortgeschrittenes Alter.

Die Editorialisten fordern u.a. weitere Untersuchungen zum Effekt der Suppression der ovariellen Funktion und zum Einsatz von Aromatasehemmern. Zudem sollten Strategien zur präemptiven Behandlung einer asymptomatischen Koronarsklerose bei postmenopausalen Frauen nach Brustkrebs entwickelt werden.

Speiseröhren- und Magenkrebs: Parodontose und Zahnverlust erhöhen Risiko

Das orale Mikrobiom scheint für die Entstehung von Speiseröhren- und Magenkrebs von Bedeutung zu sein. Dies schlussfolgern Chun-Han Lo und Kollegen aus Boston, USA, aus den Befunden einer prospektiven Analyse der Daten von 98.459 Frauen aus der Nurses‘ Health Study und 49.685 Männern aus der Health Professionals Follow-up-Study, die sie als Letter online im Juli in Gut publizierten.

Innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von 22 bis 28 Jahren traten 199 Adenokarzinome der Speiseröhre und 238 Adenokarzinome des Magens auf. Eine Parodontose in der Anamnese erhöhte das Risiko für ein Speiseröhrenkarzinom um 43% und für ein Magenkarzinom um 52%. Der Verlust von mindestens 2 Zähnen ging ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für ein Speiseröhren- und Magenkarzinom einher im Vergleich zu Personen ohne Zahnverlust.

Verschiedene bakterielle Erreger aus dem entzündeten Zahnfleisch wie Tannerella forsythia und Porphyromonas gingivalis können das Krebswachstum in Speiseröhre und Magen begünstigen. Eine mangelhafte Oralhygiene und Zahnfleischentzündungen fördern die Bildung endogener Nitrosamine, die ein Magenkarzinom durch Nitrat-reduzierende Bakterien auslösen können.

Metastasiertes Melanom: Pembrolizumab wirkt unabhängig vom BRAF-Mutationsstatus und vorangegangener gezielter Therapie

Patienten mit fortgeschrittenem Melanom können unabhängig vom BRAF-Mutationsstatus und unabhängig von einer vorhergehenden Behandlung mit einem BRAF-Inhibitor ohne oder mit einem MEK-Inhibitor mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab behandelt werden. Dies zeigte eine in JAMA Oncology online publizierte retrospektive Post-hoc-Subgruppen-Analyse der 3 klinischen Studien KEYNOTE-001, KEYNOTE-002 und KEYNOTE-006, in die 1.558 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom und bekanntem BRAF-Status eingeschlossen worden waren.

Alle Patienten waren mit Pembrolizumab behandelt worden. Die Gesamtansprechrate (ORR) lag bei 38,3%, 4 Jahre überlebten 36,9% der Patienten, ohne Progression 22,0% der Patienten.

Bei BRAF-Wildtyp (n = 1.124) bzw. BRAF-V600E/K-Mutation (n = 434) lag die ORR bei 39,8% bzw. 34,3%, das 4-Jahres-OS bei 37,5% bzw. 35,1% und das 4-Jahres PFS bei 22,9% bzw. 19,8%.

Bei Patienten mit einem BRAF-mutierten Melanom, die zuvor einen BRAF-Inhibitor ± MEK-Inhibitor (n = 271) bzw. keine gezielte Therapie (n = 163) erhalten hatten, lag die ORR bei 28,4% bzw. 44,2%, das 4-Jahres-OS bei 26,9% bzw. 49,3% und das 4-Jahres PFS bei 15,2% bzw. 27,8%. Allerdings bestand bei den Ausgangsparametern der Patienten ein Ungleichgewicht. Patienten, die zuvor mit gezielter Therapie behandelt worden waren, hatten eine schlechtere Ausgangsprognose als unbehandelte Patienten. Dies erklärt nach Aussage der Autoren die schlechteren Werte bei Vorbehandlung.

Ähnliche Befunde wie mit Pembrolizumab waren bereits mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Nivolumab berichtet worden. Insgesamt legen diese Ergebnisse nahe, dass eine Immuntherapie möglichst früh in der Therapie des fortgeschrittenen Melanoms eingesetzt werden solle, so die Autoren in einem Presse-Statement.

Update vom 21.7.2020

Venöse und arterielle thromboembolische Komplikationen bei Tumorerkrankungen

In dieser Ausgabe unseres Onkologie-Blogs geht es um die bekannte Assoziation von Krebs und Thromboembolien. Wir haben für Sie vom virtuellen Jahreskongress der International Society of Thrombosis and Haemostatis (ISTH) die wichtigsten Präsentationen zum Thema kurz zusammengefasst.

  • Krebspatienten mit COVID-19: Venöse Thromboembolien häufiger bei schweren Infektionen

  • Krebspatienten unter Chemotherapie: Bei welchen Patienten wirkt eine Prophylaxe mit Apixaban besonders gut?

  • Checkpoint-Inhibitoren und VTE-Risiko

  • Hirntumoren, Leber- und Pankreaskarzinom: Hohes Risiko für arterielle Thrombosen

  • Lungenkarzinom: ALK-Translokation als Risikofaktor für VTE

  • Ticagrelor: Plättchenhemmer wirkt in vitro gegen Tumoren

Krebspatienten mit COVID-19: Venöse Thromboembolien häufiger bei schweren Infektionen

Nicht ganz unerwartet, aber jetzt mit Zahlen unterlegt: Venöse Thromboembolien (VTE) nehmen bei mit SARS-CoV-2 infizierten Krebspatienten umso stärker zu, je schwerer sie an COVID-19 erkrankt sind. Bei leichter COVID-19-Erkrankung lag die VTE-Rate bei 1,2%, bei mittelschwerer Infektion bei 4,1% und bei schwerer Infektion bei 11,9%. Dies zeigen vorläufige Ergebnisse einer Registerstudie des COVID-19 and Cancer Consortium (CCC19), die eine US-amerikanische Arbeitsgruppe als Poster beim ISTH-Kongress 2020 präsentiert hat.

In die Analyse hatten sie die Daten von 2.541 Krebspatienten mit COVID-19 eingeschlossen, von denen jedoch nur 41% in den vergangenen 3 Monaten eine Krebsbehandlung erhalten hatten. Die höchsten VTE-Raten wiesen Patienten mit Blasenkrebs und hämatologischen Erkrankungen auf. Bei Patienten unter aktiver Krebstherapie waren VTE mit 5,2% ebenfalls häufiger als bei Patienten ohne aktive Krebsbehandlung mit 2,5%. Eine progressive Erkrankung erhöhte das VTE-Risiko ebenfalls im Vergleich zu einer Erkrankung in Remission (6,8 vs 2,3%).

Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Zahlen möglicherweise das Risiko unterschätzen, weil die Patienten oft nicht lange genug beobachtet werden konnten.

Eine andere amerikanische Untersuchung der STOP-COVID-Gruppe mit 3.239 schwer an COVID-19 erkrankten Patienten ergab, dass die Inzidenz von VTE unabhängig von Komorbiditäten innerhalb von 14 Tagen bei einem Aufenthalt auf der Intensivstation bei 6,3% lag.

Krebspatienten unter Chemotherapie: Bei wem wirkt eine Prophylaxe mit Apixaban besonders gut?

In der AVERT-Studie verringerte eine prophylaktische Gabe von Apixaban (2,5 mg 2-mal täglich) im Vergleich zu Placebo das Risiko von VTE bei Krebs-Patienten, die eine Chemotherapie begonnen hatten (Hazard Ratio: 0,41). Nun untersuchte eine kanadische Arbeitsgruppe in einer vordefinierten Post-hoc-Analyse, bei welchen Patienten Apixaban in dieser Studie besonders gut wirkte.

Das VTE-Risiko wurde durch die Apixaban-Prophylaxe besonders gut bei Patienten im Alter unter 75 Jahren (HR: 0,37), bei Männern (HR: 0,25), bei Patienten mit einem Körpergewicht über 90 kg (HR: 0,18), bei Patienten ohne vorhergehende VTE (HR: 0,41) und bei metastasierter Erkrankung (HR: 0,45) gesenkt. VTE waren zudem seltener bei soliden Tumoren und etwas häufiger bei hämatologischen Erkrankungen.

Checkpoint-Inhibitoren und VTE-Risiko

Krebspatienten, die mit einem Checkpoint-Inhibitor behandelt werden, haben ein substanzielles Risiko für eine venöse und eine arterielle Thromboembolie (ATE). Tritt eine VTE auf, beeinflusst sie den klinischen Verlauf und die Prognose.

Dies zeigte eine österreichische Arbeitsgruppe, die retrospektiv die Daten von 580 Patienten analysierte, die zwischen 2015 und 2018 an der Medizinischen Universitätsklinik von Wien mit einem Immuncheckpoint-Inhibitor behandelt worden waren.

In der medianen Nachbeobachtungszeit von 8,0 Monaten traten 39 VTE und 7 ATE auf, die kumulative Inzidenz lag damit bei 12,9% bzw. 1,9%. Das Auftreten einer VTE war mit einer erhöhten Sterblichkeit und einem erhöhten Risiko der Krankheitsprogression assoziiert.

Alle VTE traten im Stadium IV einer Krebserkrankung auf. Außerdem ist das VTE-Risiko bei vorangegangener VTE erhöht. Tumortyp und Art des Checkpoint-Inhibitors hatten keinen Einfluss auf die VTE-Rate.

Hirntumoren, Leber- und Pankreaskarzinom: Hohes Risiko für arterielle Thrombosen

Bei Krebskranken ist nicht nur das Risiko für VTE, sondern auch für arterielle Thromboembolien (ATE) einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, so das Ergebnis einer populationsbasierten Studie einer holländischen Arbeitsgruppe.

Sie analysierte Daten aus dänischen Registern von 458.462 Krebspatienten und 1.375.386 Vergleichspersonen. In den ersten 6 Monaten nach einer Krebsdiagnose betrug die Inzidenz arterieller Thromboembolien 1,6% in der Krebsgruppe und 0,89% in der Vergleichsgruppe. Das ATE-Risiko bei den Krebskranken stieg mit zunehmendem Alter von 0,64% bei unter 60 Jahre alten Patienten auf 2,39% bei Patienten über 74 Jahren.

Als Risikofaktoren für eine ATE ergaben sich männliches Geschlecht, frühere ATE und Diabetes mellitus. Das ATE-Risiko variierte deutlich mit der Art der Krebserkrankung. Am stärksten betroffen waren Patienten mit Hirntumoren, Leber- und Pankreaskarzinom.

Lungenkarzinom: ALK-Translokation als Risikofaktor für VTE

Patienten mit einem ALK-positiven Lungenkarzinom haben ein 4-fach erhöhtes Risiko für eine venöse Thromboembolie und ein 3-fach erhöhtes Risiko für eine arterielle Thrombose. Dies ergab eine retrospektive Kohortenstudie einer Arbeitsgruppe aus Boston. Sie analysierte die Daten von 422 ALK-positiven und 385 ALK-negativen Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom.

Die ALK-positiven Patienten waren jünger, hatten einen besseren Performance-Status und wiesen weniger Risikofaktoren für ein thromboembolisches Ereignis auf. Dennoch kam es häufiger zu initialen VTE (42,7% vs 28,6%) und zu VTE-Rezidiven (13,5 % vs 3,1%) als bei Patienten ohne ALK-Translokation. Das VTE-Risiko und auch das ATE-Risiko waren durch die ALK-Translokation signifikant erhöht (p < 0,001 bzw. p = 0,038).

Die Autoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass vor allem die ALK-positiven Patienten von einer pharmakologischen Thromboseprophylaxe profitieren könnten.

Ticagrelor: Plättchenhemmer wirkt in vitro gegen Tumoren

Die Therapie mit dem reversiblen P2Y12-Antagonisten Ticagrelor war in 2 klinischen Studien mit einer niedrigeren Inzidenz solider Tumoren assoziiert. Daher untersuchten Forscher aus Perth, Australien, in vitro und im Mausmodell die antiproliferative Wirkung des Thrombozytenfunktionshemmer. Thrombozyten sind ein wichtiger Bestandteil der Tumor-Mikroumgebung, die bei der Metastasierung und einer Chemotherapie-Resistenz beteiligt ist.

Die Versuche zeigten, dass Ticagrelor die Proliferation von Krebszellen des Pankreas in vitro hemmte und synergistisch mit Gemcitabin, Paclitaxel, Cisplatin und Erlotinib wirkte. Im Mausmodell verringerte Ticagrelor, zusätzlich zu Gemcitabin gegeben, das Tumorwachstum, während Gemcitabin alleine keinen signifikanten Effekt hatte.

Nach Aussage der Autoren belegen die Ergebnisse eine Antitumor-Wirkung von Ticagrelor und die wichtige Funktion des P2Y12-Signals bei Krebszellen, was zumindest teilweise die geringere Inzidenz solider Tumoren erklären könnte, die zum Teil in klinischen Studien unter dem Plättchenhemmer beobachtet worden ist.

Update vom 14.7.2020
  Niedrigdosis-CT zum Lungenkrebsscreening; Vorsicht mit Darmspiegelung bei Älteren; Erstmals gezielte Therapie beim Pankreaskrebs zugelassen

Unser Onkologie-Blog informiert diesmal über 6 Themen: Bei der Therapie-induzierten Kieferosteonekrose kann Teriparatid die Heilungschancen erhöhen. Übergewichtige Frauen mit Mammakarzinom, die mit einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie behandelt werden, haben eine schlechtere Prognose als schlanke. Die U.S. Preventive Services Task Force empfiehlt Rauchern im Alter zwischen 50 und 80 Jahren einmal jährlich eine Niedrigdosis-Computertomografie zum Screening auf Lungenkrebs. Bei Menschen über 75 Jahren sind Komplikationen nach einer Darmspiegelung zum Screening auf ein Kolonkarzinom innerhalb von 30 Tagen nach der Untersuchung häufiger. Die EU-Kommission hat erstmals eine zielgerichtete Therapie zur Behandlung des Pankreaskarzinoms zugelassen. Und das Wachstum von Pankreaskarzinom-Zellen kann durch einen Eingriff in die Cholesterinablagerung in den Zellen aufgehalten werden.

  • Kieferosteonekrose: Teriparatid verbessert Heilungschancen

  • Brustkrebs: Docetaxel wirkt bei Übergewichtigen schlechter

  • Lungenkrebs: Jährliche Niedrigdosis-CT zur Früherkennung bei Risikopersonen in den USA empfohlen

  • Kolorektalkarzinom: Mehr Komplikationen durch Koloskopie-Screening bei Älteren

  • Pankreaskarzinom: Erstmals PARP-Inhibitor zur Therapie zugelassen

  • Pankreaskarzinom: Hemmung der verstärkten Cholesterinsynthese stoppt Krebszellwachstum

Kieferosteonekrose: Teriparatid verbessert Heilungschancen

Die Therapie-induzierte Kieferosteonekrose ist eine gefürchtete, wenn auch seltene Nebenwirkung bei der Behandlung mit knochenmodifizierenden Substanzen wie Bisphosphonaten oder Denosumab. Durch Optimierung der Mundgesundheit kann sie heute weitgehend verhindert werden. Tritt sie dennoch auf, gibt es derzeit keine Standardtherapie.

Nun scheint mit dem Osteoanabolikum Teriparatid, das zur Behandlung der Osteoporose eingesetzt wird, eine viel versprechende Möglichkeit zur Verfügung zu stehen, so eine aktuell im Journal of Clinical Oncology publizierte australische Studie.

In einer doppelblinden, randomisierten Studie erhielten 34 Patienten mit 47 kiefernekrotischen Läsionen über 8 Wochen Teriparatid (20 µg/Tag s.c.; n = 15) oder Placebo (n = 19) zusätzlich zu Calcium- und Vitamin-D-Supplementierung. Nach 12 Monaten waren in der Teriparatid-Gruppe 45,4% der Läsionen, in der Placebo-Gruppe 33,3% verschwunden. Knochendefekte besserten sich nach 52 Wochen bei 80% der Patienten unter Teriparatid und bei 31,3% unter Placebo. Die Nebenwirkungsrate war in beiden Gruppen ähnlich.

Erstmals konnte damit nach Aussage der Autoren in einer prospektiven randomisierten, placebokontrollierten Studie der Effekt einer Therapie bei dieser Medikamenten-induzierten Nebenwirkung gezeigt werden.

Brustkrebs: Docetaxel wirkt bei Übergewichtigen schlechter

Übergewichtige und adipöse Frauen mit einem Mammakarzinom, die mit einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie behandelt werden, haben ein schlechteres krankheitsfreies (DFS) und Gesamtüberleben (OS) als schlanke Patientinnen. Die ergab eine retrospektive Analyse der Daten der adjuvanten BIG-2-98-Studie, die von einer internationalen Arbeitsgruppe Anfang Juli online im Journal of Clinical Oncology publiziert worden ist.

Taxane wie Docetaxel und Paclitaxel sind extrem lipophil. Um sie intravenös infundieren zu können, werden Lösungsvermittler zugesetzt. Bekannt ist zudem, dass sich pharmakokinetische/pharmakodynamische Parameter bei übergewichtigen und schlanken Patienten unterscheiden können. Daher ist bislang unklar, ob die Hauptergebnisse großer randomisierter Studien zur Krebsbehandlung für alle BMI-Subgruppen gleichermaßen gelten.

Die Forscher analysierten deshalb retrospektiv anhand der Daten der BIG-2-98-Studie, ob sich der Effekt einer Chemotherapie mit und ohne Docetaxel in Abhängigkeit vom BMI der 2.887 Patientinnen unterschied. Frauen mit einem BMI von 18,5 bis < 25 galten als schlank, von 25 bis < 30 als übergewichtig und ≥ 30 als adipös.

Bei den nicht mit Docetaxel behandelten Frauen waren in Abhängigkeit vom BMI keine Unterschiede im DFS und OS nachzuweisen. Bei Therapie mit Docetaxel nahmen DFS und OS mit steigendem BMI ab. Die adjustierten Hazard-Ratios für DFS bzw. OS betrugen:

  • 1,12 (p = 0,21) bzw.1,27 (p = 0,04) für übergewichtige versus schlanke Frauen

  • 1,32 (p = 0,007) bzw. 1,63 (p < 0,001) für adipöse versus schlanke Frauen

Diese Daten müssen noch in weiteren Studien belegt werden. Die Autoren planen nun eine prospektive Pharmakokinetik-Studie sowie ähnliche Analysen mit weiteren adjuvanten Taxan-Studien.

Lungenkrebs: Jährliche Niedrigdosis-CT zur Früherkennung bei Risikopersonen in den USA empfohlen

Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) empfiehlt in einem zur öffentlichen Diskussion gestellten Papier bei Personen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren, die aufgrund ihres Rauchverhaltens ein hohes Risiko haben, einmal jährlich eine Niedrigdosis-Computertomografie (LDCT) zum Screening auf ein Lungenkarzinom durchzuführen.

Die Empfehlung basiert vor allem auf den Ergebnissen des National Lung Screening Trial (NLST) und der Nederlands-Leuvens Longkanker Screenings Onderzoek (NELSON), da dies die bislang einzigen adäquat gepowerten randomisierten Studien sind.

Nach den Ergebnissen des NLST sank durch ein jährliches LDCT-Screening über 3 Jahre bei aktuellen oder früheren Rauchern im Alter zwischen 55 und 74 Jahren die Sterblichkeit an Lungenkrebs (Inzidenzrate: 0,85) und die Gesamtsterblichkeit (IRR: 0,93) im Vergleich zur Röntgenuntersuchung.

Die NELSON-Studie ergab eine geringere Sterblichkeit an Lungenkrebs (IRR: 0,75), die Gesamtsterblichkeit änderte sich jedoch nicht (IRR: 1,0) bei viermaligem LDCT-Screening im Vergleich zu Personen ohne Screening.

Nach Informationen des Krebsinformationsdienstes wird in Deutschland derzeit kein flächendeckendes Screening empfohlen: „Damit ein Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs eingeführt werden kann, müssen Voraussetzungen geschaffen werden, welche die Abfolge für Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko reibungslos und so risikoarm wie möglich gestalten. Auch die Kostenübernahme muss geregelt sein“, so der KID in einem Informationsblatt. Im Einzelfall können sich Personen mit erhöhtem Risiko an ein spezialisiertes Zentrum wenden.

Kolorektalkarzinom: Mehr Komplikationen durch Koloskopie-Screening bei Älteren

Bei Personen im Alter über 75 Jahren sollte eine Darmspiegelung zum Screening auf ein Kolonkarzinom sorgfältig überlegt werden, denn Komplikationen innerhalb von 30 Tagen nach der Untersuchung sind häufiger, insbesondere wenn gleichzeitig Komorbiditäten vorliegen.

Dies ergab eine populationsbasierte, retrospektive Kohortenstudie, die von einer kanadischen Arbeitsgruppe online in JAMA Netw Open publiziert worden ist.

Sie schlossen 38.069 Personen in die Analyse ein, die sich im mittleren Alter von 65,2 Jahren einer Darmspiegelung unterzogen. Insgesamt traten bei 1.310 Personen (3,4%) innerhalb von 30 Tagen nach der ambulanten Untersuchung Komplikationen auf, die eine Hospitalisierung oder einen Besuch in der Notfallambulanz erforderten.

Die kumulative Inzidenz von Komplikationen war bei Personen im Alter ≥ 75 Jahren mit 6,8% signifikant höher, als bei den jüngeren Personen mit 2,6% (p < 0,001). Die Rate an postkoloskopischen Blutungen war mit insgesamt 0,4% gering, sie war aber mit 0,9% vs. 0,3% bei den Älteren signifikant höher. Auch kardiovaskuläre Komplikationen waren bei den Älteren mit 1,8% versus 0,5% signifikant häufiger.

Eine multivariate logistische Regressionsanalyse ergab als Risikofaktoren für Komplikationen einer Darmspiegelung u.a. Alter über 75 Jahre, Anämie, kardiale Arrhythmien, Herzinsuffizienz, Hypertonie, chronische Nierenerkrankung, Lebererkrankungen, Rauchen und Übergewicht.

Pankreaskarzinom: Erstmals PARP-Inhibitor zur Therapie zugelassen

Erstmals hat die EU-Kommission am 8. Juli 2020 eine zielgerichtete Therapie zur Behandlung von Patienten mit Pankreaskarzinom zugelassen: Der PARP-Inhibitor Olaparib (Lynparza®) kann nun für die Erhaltungstherapie bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom und einer BRACA-1/2-Keimbahnmutation eingesetzt werden, wenn das Karzinom nach einer mindestens 16-wöchigen platinhaltigen Erstlinientherapie nicht fortgeschritten ist.

Die Zulassungserweiterung von Olaparib basiert auf den Ergebnissen der Phase-3-Studie POLO, die beim ASCO-Kongress 2019 vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine publiziert worden ist (wie Medscape berichtete). Olaparib verlängerte in der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 154 Patienten das progressionsfreie Überleben signifikant von 3,8 Monaten unter Placebo auf 7,4 Monate.

Pankreaskarzinom: Hemmung der verstärkten Cholesterinsynthese stoppt Krebszellwachstum

Das Wachstum von Pankreaskarzinom-Zellen kann durch einen Eingriff in die Cholesterinablagerung in den Zellen aufgehalten werden. Diese in Labormodellen und Tierexperimenten erhobenen Befunde ermöglichen eventuell eine neue Strategie zur Behandlung dieser prognostisch ungünstigen Erkrankung.

Wissenschaftler vom Cold Spring Harbor Laboratory (New York, USA) berichteten im Journal of Experimental Medicine , dass Pankreaskarzinomzellen exzessiv Cholesterin produzieren, was das Wachstum der Zellen fördert. Dabei spielt das Enzym Sterol-O-Acyltransferase (SOAT1) eine Rolle, das in den Krebszellen im Überfluss vorhanden ist. Es katalysiert die Umwandlung von freiem Cholesterin in inerte Cholesterinester, eine Lagerform. Dadurch wird die Synthese von freiem Cholesterin in der Zelle über den Mevalonat-Stoffwechselweg aufrechterhalten.

Wenn die Forscher SOAT1 durch genetische Manipulation ausschalteten, stoppte die Proliferation der Pankreas-Karzinomzellen. Auch in Tierexperimenten blockierte eine Hemmung des Enzyms das Krebszellwachstum. Zusätzlich fanden die Forscher, dass die Blockade von SOAT1 nur auf Zellen wirkte, die eine p53-Mutation in beiden Tumorsuppressorgenen aufwiesen.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass es gelingt, eine Substanz zu entwickeln, die selektiv die SOAT1 hemmt und nur auf Krebszellen und nicht auf gesunde Zellen wirkt.

Update vom 3.7.2020

Gentest vor FU-Gabe; Beugt Vitamin Kolitis vor? Die Langzeitfolgen einer Immuntherapie und ein neuer Ansatz gegen Gliome

Die neue Ausgabe unseres Onkologie-Blogs informiert wieder über viele praxisrelevante Fragen. Diesmal geht es z.B. um Nebenwirkungen der Krebstherapie, wie sie sich mittels eines neuen empfohlenen Gentests vermeiden lassen, aber auch welche Langzeiteffekte, etwa nach einer Immuntherapie, drohen. Nicht neu, aber erneut belegt: Frauen, die regelmäßig das verordnete Tamoxifen nehmen, senken so eindeutig ihr Brustkrebsrisiko. Eine große weltweite Analyse bestätigt die (gefühlte) Zunahme bei Schilddrüsenkarzinomen in den letzten 3 Jahrzehnten. Und bei den IDH-mutierten Gliomen – gefürchtet, weil sie oft bei jungen Menschen auftreten und eine schlechte Prognose haben – tut sich mit PAR-Glykohydrolase-Hemmer eine neue Behandlungsoption auf.

  • Gentest vor Fluorouracil-Behandlung: DGHO macht Vorgaben für die Praxis

  • Immuntherapie-induzierte Kolitis: Senkt Vitamin-D-Gabe das Risiko?

  • Immuntherapie: Mit welchen Folgen müssen Langzeit-Überlebende rechnen?

  • Brustkrebs: Tamoxifen-Spiegel deckt Non-Adhärenz und höheres Rezidivrisiko auf

  • Schilddrüsenkarzinom: Die Inzidenz steigt tatsächlich weltweit an

  • Lymphome: Besteht bei atopischen Ekzemen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko?

  • IDH-mutierte Gliome: Neue Therapiestrategie mit PAR-Glykohydrolase-Hemmer

Gentest vor Fluorouracil-Behandlung: DGHO macht Vorgaben für die Praxis

Seit kurzem empfehlen die Zulassungsbehörden (EMA, BfArM), Patienten vor einer systemischen Therapie mit FU-haltigen Substanzen auf einen DPD-Mangel zu testen. Zur Umsetzung der Empfehlung hat die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DHGO) nun gemeinsam mit anderen medizinischen Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Positionspapier erarbeitet.

Nahezu jeder 10. Mensch in Europa hat aufgrund von Varianten im Dihydro-Pyrimidin-Dehydrogenase-Gen (DPYD) einen Mangel am Enzym DPD, das für den Abbau des Zytostatikums Fluorouracil (FU) nötig ist. Bei einem Enzymmangel ist aber das Risiko für schwere Nebenwirkungen unter FU-haltigen Arzneimitteln (5-Fluorouracil, Capecitabin oder Tegafur) stark erhöht.  Fluoropyrimidine wie 5-FU gehören zu den häufigsten eingesetzten Zytostatika. In Deutschland werden jährlich 80.000 bis 110.000 Patienten mit einer FU-haltigen Substanz behandelt

Nach den neuen Empfehlungen soll vor Therapie auf die 4 häufigsten Varianten im DPYD getestet werden. Aus den Ergebnissen ergibt sich ein Score der DPD-Aktivität, der Grundlage für das weitere risikoadaptierte Vorgehen ist.

Patienten, deren DPD keine Funktion hat, dürfen nicht mit FU-haltigen Substanzen behandelt werden, bei Patienten mit einem Score von 1,0 soll die Dosis um 50%, bei einem Score von 1,5 um 25% reduziert werden. Gegebenenfalls ist ein Drug Monitoring von 5-FU angezeigt. Bei einem Score von 2 kann die Therapie wie geplant ablaufen (siehe hierzu auch Bericht bei Medscape ).

Immuntherapie-induzierte Kolitis: Senkt Vitamin-D-Gabe das Risiko?

Die Immuntherapie verzeichnet, etwa bei malignen Melanomen, hervorragende Erfolge. Eine einschränkende Nebenwirkung von Checkpoint-Inhibitoren ist aber die Kolitis. Vitamin D kann eventuell das Risiko einer Kolitis verringern. Dies ergab eine retrospektive Analyse am Dana-Farber Cancer Institute, Boston, die online im Juni in Cancer publiziert worden ist.

Die Analyse der Daten von 213 Melanompatienten, die mit einem PD1- und/oder einem CTLA-4-Blocker behandelt worden sind, ergab, dass 37 Patienten (17%) eine Kolitis entwickelten. Vor Beginn der Immuntherapie hatten 66/213 Patienten (31%) Vitamin D eingenommen. Nach einer multivariablen Regressionsanalyse senkte die Vitamin-D-Gabe das Risiko für eine Kolitis signifikant um 65% (OR 0,35).

Diese Befunde wurden in einer weiteren Gruppe von 169 Patienten bestätigt, von denen 49 (29%) eine Kolitis entwickelten. Hier senkte Vitamin D das Kolitis-Risiko um 54%.

Vor einer Änderung der Praxisempfehlungen sollten diese Ergebnisse allerdings am besten noch in einer prospektiven Analyse bestätigt werden.

PD-1- und PD-L1-Inhibitoren: Mit welchen Folgen müssen Langzeit-Überlebende rechnen?

Viele Tumoren, etwa Melanome, Nieren- oder auch Lungenkrebs, sprechen langanhaltend auf eine Immuntherapie mit PD-1- oder PD-L1-Inhibitoren an. Doch ist bislang zu den Langzeiteffekten dieser Substanzen sehr wenig bekannt.

Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe hat nun online im European Journal of Cancer eine Studie mit 217 Patienten publiziert, die nach dem Ende der Behandlung eines Melanoms, eines Nierenzellkarzinoms oder eines nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit einem PD-1- oder PD-L1-Inhibitor mehr als 2 Jahre überlebt hatten.

Die Mehrzahl der Patienten sprach anhaltend auf die Therapie an und wies eine gute Lebensqualität auf.

Die typischen immunbezogenen Nebenwirkungen, etwa im endokrinen System, scheinen nach den Befunden dieser Studie im Langzeitverlauf häufiger zu sein als bisher vermutet. So litten 2 Jahre nach Ende der Therapie 10,6% an Hypothyreose, 3,2% an Arthritis, 3,2% an Nebenniereninsuffizienz und 2,8% an einer Neuropathie. Bei 6,5% der Patienten war ein Diabetes mellitus Typ 2 und bei 6,0% eine Hypertonie neu aufgetreten, wobei unklar ist, ob hier ein Zusammenhang mit der Immuntherapie besteht.

 

Brustkrebs: Tamoxifen-Spiegel deckt Non-Adhärenz und höheres Rezidivrisiko auf

Ein therapeutisches Drug Monitoring von Tamoxifen-Serumspiegeln hilft Frauen zu identifizieren, die adjuvant verordnetes Tamoxifen nicht einnehmen und deshalb ein höheres Rezidivrisiko für ein Mammakarzinom haben.

Dies zeigt eine prospektive französische Studie mit 1.177 prämenopausalen Frauen aus der CANTO-Kohorte, die im Juni 2020 online im Journal of Clinical Oncology publiziert worden ist. Als biochemische Non-Adhärenz war ein Tamoxifen-Spiegel unter 60 ng/ml ein Jahr nach Verordnung definiert.

16,0% der untersuchten Frauen (n = 188) hatten einen zu niedrigen Wert, hiervon gaben 55% selbst an, Tamoxifen nicht regelmäßig genommen zu haben.

Nach einer weiteren medianen Nachbeobachtungszeit von 24,2 Monaten war das Überleben ohne Fern-Metastasen oder die Zeit bis zum Tod signifikant kürzer bei biochemisch nicht-adhärenten Frauen im Vergleich zu adhärenten Frauen (Hazard-Ratio: 2,31; p = 0,036).

Fazit der Autoren: Die Adhärenz der Patientinnen muss durch gezielte Interventionen gefördert werden, um das Outcome zu verbessern.

Schilddrüsenkarzinom: Die Inzidenz steigt tatsächlich weltweit an

Weltweit nimmt die Häufigkeit von Schilddrüsenkarzinomen zu, so das Ergebnis einer in JAMA Netw Open publizierten Studie.

Die chinesischen Autoren sammelten epidemiologische Daten mit dem Global Health Data Exchange query Tool und erfassten Personen mit einem Schilddrüsenkarzinom in den Jahren 1990 bis 2017 in 195 Ländern und 21 Regionen. Sie untersuchten Änderungen der Inzidenz, Todesfälle und der Disability Adjusted Life Years (DALY) zwischen 1990 und 2017.

Im Untersuchungszeitraum nahmen die Schilddrüsenkarzinome um 169% zu, und zwar von 95.030 Fällen im Jahr 1990 auf 255.490 Fälle im Jahr 2017. Die Todesfälle stiegen um 87% und die DALYs um 75%. Frauen waren häufiger von der Erkrankung betroffen, ihr Anteil betrug 70% bei der Inzidenz, 58,4% bei den Todesfällen und 58,7% bei den DALYs.

Die altersstandardisierte Sterberate und der altersstandardisierte DALY-Wert nahmen von 1990 bis 2017 ab, was die Autoren mit einer Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten erklären.

Die meisten Patienten waren zwischen 50 und 69 Jahre alt. Frauen erkrankten eher im jüngeren Alter zwischen 15 und 49 Jahren, Männer zwischen 50 und 69 Jahren. 34% der Erkrankten lebten in einem Land mit hohem soziodemographischem Index.

Die 3 Länder mit den meisten Erkrankten – China (11.016 bzw. 41.511), die USA (10.823 bzw. 25.896) und Indien (5.680 bzw. 19.153)– änderten sich von 1990 bis 2017 nicht. In China war die Letalität der an einem Schilddrüsenkarzinom Erkrankten zu beiden Zeitpunkten am höchsten. Der höchste DALY-Wert wechselte von China (1990) nach Indien (2017).

In Deutschland stieg die Fallzahl von 4.497 im Jahr 1990 auf 6.796 im Jahr 2017, wobei in der Mehrzahl Frauen (3.337 bzw. 4.329) betroffen waren.

Lymphome: Besteht bei atopischen Ekzemen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko?

Haben Menschen mit atopischen Ekzemen ein erhöhtes Krebsrisiko? In 2 großen populationsbasierten Kohortenstudien in England und in Dänemark konnte kein erhöhtes Risiko für die meisten Krebserkrankungen bei Menschen mit einem atopischen Ekzem festgestellt werden (adjustierte Hazard-Ratio 1,04 in England und 1,05 in Dänemark).

Allerdings zeigte sich bei Personen mit schweren atopischen Ekzemen in beiden Ländern eine Assoziation mit Lymphomen, vor allem Non-Hodgkin-Lymphomen (HR 1,48 in England, 1,31 in Dänemark).

Die Autoren der im Juni 2020 online in JAMA Dermatology publizierten Studie halten weitere Untersuchungen zu dieser Frage für sinnvoll, denn in näherer Zukunft werden neue immunmodulatorisch wirkende Substanzen zur Behandlung des atopischen Ekzems zur Verfügung stehen, die möglicherweise das Krebsrisiko verändern können.

IDH-mutierte Gliome: Neue Therapiestrategie mit PAR-Glykohydrolase-Hemmer

Gliome mit mutierten Isocitrat-De-Hydrogenase-Genen (IDH) gehören zu den häufigsten Hirntumoren bei jüngeren Erwachsenen. Die aggressive Therapie mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie ist meist nicht kurativ. Eine Forschergruppe aus Boston hat nun eine neue Behandlungsstrategie in Cancer Discovery publiziert.

IDH-mutierte Gliome sind empfindlich auf Therapien, die den Spiegel von Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD) senken, ein im Stoffwechsel verbreitetes Coenzym, das an zahlreichen Redoxreaktionen beteiligt ist. Außerdem werden durch eine Chemotherapie Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen (PARPs) aktiviert, die NAD in Poly-ADP-Ribose (PAR) überführen – es resultieren hohe PAR und niedrige NAD-Spiegel, und zwar spezifisch in IDH-mutierten Gliomzellen und nicht in normalen Zellen.

Die neue Strategie beinhaltet nun das Chemotherapeutikum Temozolomid, das schon lange bei Gliomen eingesetzt wird, kombiniert mit einem PAR-Glykohydrolase-Hemmer, um den PAR-Abbau zu hemmen. Die Forscher konnten zum ersten Mal in verschiedenen In-vitro- und In-vivo-Modellen zeigen, dass ein PAR-Glykohydrolase-Hemmer die Wirkung der Chemotherapie bei Tumoren mit Empfindlichkeit auf einen NAD-Mangel verstärken kann. Dieser Ansatz muss nun in klinischen Studien geprüft werden.

Update vom 23. Juni 2020

Onkologen raten zum Alkohol-Verzicht; Stillen gegen das Ovarial-Ca; Kardiovaskuläre Effekte neuer Onkologika und mehr

Unser aktueller Onkologie-Blog informiert über aktuelle Publikationen zu verschiedenen praxisrelevanten Fragen. In dieser Ausgabe geht es um die Krebsprävention durch Ernährung und Bewegung, Prophylaxe des Ovarialkarzinoms durch Stillen und um ein neues Positionspapier zu kardiologischen Nebenwirkungen der Onkologika.

Außerdem gibt es nun eine Antwort auf die Frage, ob sich der HbA1c-Wert zum Screening auf Pankreaskrebs eignet und eine deutsche Arbeitsgruppe hat US-amerikanische Prognosedaten beim malignen Melanom im Stadium III hinterfragt. Zum Schluss eine Meldung vom EHA-Kongress: Der PD1-Inhibitor Pembrolizumab könnte ein neuer Therapiestandard beim rezidivierten Hodgkin-Lymphom werden.

  • Krebsprävention: Die American Cancer Society empfiehlt Verzicht auf Alkohol

  • Ovarialkarzinom: Stillen schützt auch vor prognostisch schlechten Subtypen

  • Neue Tumortherapien: Deutsches Positionspapier zu Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

  • Pankreaskarzinom: Screening mit Hilfe des HbA1c-Werts nicht sinnvoll

  • Malignes Melanom: Prognose in Stadium III doch nicht so gut?

  • Burkitt-Lymphom: Risiko-adaptiertes Schema wirkt

  • Rezidiviertes Hodgkin-Lymphom: Paradigmenwechsel durch Pembrolizumab

Krebsprävention: Die American Cancer Society empfiehlt Verzicht auf Alkohol

Die amerikanische Krebsgesellschaft (ACS) hat ihre Leitlinien zur Rolle der Ernährung und körperlichen Aktivität in der Prävention von Krebserkrankungen aktualisiert und am 9. Juni online in CA: A Cancer Journal for Clinicians publiziert. Zu den wichtigsten Änderungen im Vergleich zur Vorversion von 2012 gehört die Empfehlung, keinen Alkohol zu trinken.

In der Vorversion war eine Einschränkung auf ein Glas pro Tag für Frauen und 2 Gläser pro Tag für Männer empfohlen worden. Nach der Definition der ACS entspricht 1 Standarddrink ca. 350 ml Bier, 150 ml Wein oder 30 ml Schnaps mit jeweils etwa 14 g reinem Alkohol (Ethanol). Die Empfehlung zum reduzierten Alkoholgenuss ist nach wie vor enthalten, wird aber nun verschärft durch die Ergänzung: „Es ist das Beste, gar keinen Alkohol zu trinken.“

Die Empfehlung zum kompletten Verzicht auf Alkohol wurde übrigens bei Medscape Oncology USA heftig diskutiert. Viele Diskutanten sprachen sich gegen die Null-Alkohol-Empfehlung aus, ein anderer Teil konterte dies dann mit dem Argument, dass die Alkoholbefürworter möglicherweise selbst ein Problem mit Alkohol hätten.

Außerdem wird in den aktuellen Empfehlungen verstärkt empfohlen, auf rotes und prozessiertes Fleisch, gesüßte Getränke und stark prozessierte Nahrungsmittel zu verzichten und vermehrt Gemüse in verschiedenen Farben, Obst in Form ganzer Früchte und in verschiedenen Farben sowie Ballaststoffe zu verzehren. Auf ein gesundes Körpergewicht ist zu achten.

Erwachsene sollten sich 150 bis 300 Minuten pro Woche mäßig stark oder 75 bis 150 Minuten pro Woche stark bewegen. Optimal wäre es, wenn 300 Minuten oder mehr körperliche Aktivität erreicht würden.

Diese Leitlinien der amerikanischen Krebsgesellschaft sind mit den Leitlinien der amerikanischen Kardiologen und Diabetologen abgestimmt und entsprechen auch den allgemeinen Gesundheitsempfehlungen.

Ovarialkarzinom: Stillen schützt auch vor prognostisch schlechten Subtypen

Bei Frauen, die Stillen, sinkt das Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Dies gilt besonders für den Subtyp mit der schlechtesten Prognose, das hochgradig seröse Ovarialkarzinom. Eine lange Stillzeit senkt das Risiko weiter.

Zu diesem Ergebnis kam eine gepoolte, in JAMA Oncology publizierte Analyse aus den USA. Sie umfasst die Daten von 9.973 Frauen mit Ovarialkarzinom und 13.843 Kontrollen aus 13 Fallkontroll-Studien, die aus den Jahren 1989 bis 2009 stammten.

Stillen senkte das Risiko für ein invasives Ovarialkarzinom um 24%. Stillten die Frauen über 1 bis 3 Monate, nahm das Karzinomrisiko um 18% ab, bei einer Stilldauer von 12 Monaten und mehr um 34%. Das Risiko sank am stärksten bei den Frauen, die innerhalb der letzten 10 Jahre gestillt hatten (44%), eine Risikosenkung war aber auch noch nachzuweisen, wenn seit der letzten Stillperiode mehr als 30 Jahre vergangen waren (17%).

Zur Frage des biologischen Mechanismus sind die Autoren der Meinung, dass die bislang favorisierte Hypothese der Suppression der Ovulation während der Stillens nicht alles erklären könne, denn dieser Effekt käme vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt zum Tragen. Er erkläre jedoch die deutlich stärkere Risikosenkung mit zunehmender Stilldauer nicht. Möglicherweise moduliert Stillen über eine längere Zeit entzündliche, immunologische und metabolische Stoffwechselwege und beeinflusst so das Risiko für einen Eierstockkrebs.

Neuartige Tumortherapien: Deutsches Positionspapier zu langfristigen Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

Die durch Tumortherapien ausgelösten Nebenerkrankungen betreffen häufig das Herz-Kreislauf-System und stehen im Fokus der Onkologischen Kardiologie. Wichtig ist es, die kardiovaskulären Nebenwirkungen einer Therapie möglichst früh zu erkennen, Risiken abzuschätzen und entsprechende Behandlungsmethoden zu entwickeln.

Drei Fachgesellschaften, nämlich die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung, die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie gehen nun in ihrem Konsensus-Papier „Onkologische Kardiologie“ auf Risikofaktoren für eine mögliche unerwünschte Reaktion unter Tumortherapeutika ein.

Es erfasst spezifische Nebenwirkungsprofile verschiedener Therapiegruppen. Schwerpunkt der Ausführungen sind neuartige Therapeutika sowie Empfehlungen zur Behandlung spezifischer Patientengruppen.

Pankreaskarzinom: Screening mit Hilfe des HbA1c-Werts nicht sinnvoll

Weil das Pankreaskarzinom häufig zu spät entdeckt wird und dann eine sehr schlechte Prognose hat, sucht man Screening-Parameter, mit denen diese Erkrankung früher erkannt werden kann.

Bei Patienten mit einem Pankreaskarzinom wird häufig bis zu 3 Jahre vor der Diagnose eine Hyperglykämie diagnostiziert. Deshalb wurde retrospektiv in einer Kohortenstudie, die am 12. Juni 2020 online in JAMA Netw. Open publiziert worden ist, untersucht, ob sich eine Messung des HbA1c-Werts als Screening-Parameter eignen könnte.

Die Studie ergab jedoch, dass eine alleinige Messung des HbA1c-Werts bei Personen über 50 Jahren für ein Screening auf ein Pankreaskarzinom nicht geeignet ist. In der Studie waren die Daten von 851.402 Patienten im Alter zwischen 50 und 84 Jahren aus einer kalifornischen Datenbank analysiert worden.

Malignes Melanom: Prognose in Stadium III doch nicht so gut?

Das maligne Melanom vom Stadium III ist durch regionale Lymphknoten- oder Hautmetastasen gekennzeichnet. Die 8. Version des American Joint Committee on Cancer Classification (AJCCv8) teilt das Stadium III nach der N- und T-Klassifikation in je weitere 9 Subgruppen, was zu 78 prognostisch relevanten unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten führt. Diese wiederum werden in prognostisch relevante Gruppen unterteilt mit jeweils folgendem Melanom-spezifischen 5- bzw. 10-Jahres-Überleben:

  • Gruppe III gesamt: 77% bzw. 69%.

  • Gruppe IIIa: 93% bzw. 88%

  • Gruppe IIIb: 83% bzw. 77%

  • Gruppe IIIc :69% bzw. 60%

  • Gruppe IIId: 32% bzw. 24%

Weil die Überlebensraten in der Gesamtgruppe und den Gruppen IIIa und IIIb überraschend günstig erschienen, analysierte nun eine Arbeitsgruppe des Deutschen zentralen Melanom-Registers und der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) anhand von 3 unabhängigen Kohorten die Überlebensdaten erneut. Die Ergebnisse der Analyse wurden unter Leitung von Claus Garbe von der Universitätshautklinik in Tübingen am 12. Juni 2020 online im Journal of Clinical Oncology publiziert.

Garbe und seine Kollegen fanden deutlich niedrigere melanomspezifische 5- und 10-Jahres Überlebensraten:

  • Gruppe III gesamt: 67% bzw. 56%.

  • Gruppe IIIa: 80% bzw. 71%

  • Gruppe IIIb: 75% bzw. 61%

Die Autoren vermuten, dass sich die unterschiedlichen Werte dadurch erklären lassen, dass die günstigen AJCCv8-Daten auf Studien beruhen, in denen Melanom-bedingte Todesfälle fälschlicherweise zu wenig berichtet wurden. Die US-amerikanischen Daten waren in 10 Registern unter verschiedenen nationalen und kulturellen Bedingungen mit unterschiedlichen Follow-up-Plänen gesammelt worden. Die Erfassung der Todesursache ist hierbei oft schwierig, weil viele Patienten nicht im Krankenhaus sterben.

Die von Garbe und Kollegen verwendeten Daten stammen aus prospektiven Registern mit klinischen Studien, in denen die Todesfälle sorgfältig kontrolliert worden sind. Die Prognosedaten sind für die Information des Patienten, die Therapieempfehlung – Stichwort adjuvante Therapie – und für das Design klinischer Studien von großer Bedeutung.

Burkitt-Lymphom: Risiko-adaptiertes Schema wirkt

Das Burkitt-Lymphom ist bei Erwachsenen selten, mit einer intensiven Chemotherapie kann jedoch eine hohe Heilungsrate erzielt werden, allerdings auf Kosten einer hohen Nebenwirkungsrate und von Spätfolgen wie Sekundär-Malignomen.

Mit einer an das Risiko angepassten Dosierung des EPOCH-R-Schemas mit Etoposid, Doxorubicin, Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison und Rituximab konnte nun bei 84,5% von 113 Erwachsenen nach im Median 58 Monaten Nachbeobachtung ein Ereignis-freies Überleben erreicht werden. Die Gesamtüberlebensrate lag bei 87%. Vorteilhaft ist zudem, dass das Dosis-adaptierte Schema ambulant angewendet werden kann.

Die Patienten mit bislang nicht behandeltem Burkitt-Lymphom waren in der multizentrischen Studie, publiziert im Journal of Clinical Oncology , in 2 Risikogruppen eingeteilt worden. Patienten mit niedrigem Risiko erhielten 3 Zyklen ohne ZNS-Prophylaxe, Patienten mit hohem Risiko 6 Zyklen plus ZNS-Prophylaxe. Von den 113 Patienten der Studie gehörten 87% zur Hochrisiko-Gruppe.

Das Dosis-adaptierte Schema (DA-EPOCH-R) erwies sich z. B. unabhängig vom Alter und HIV-Status als wirksam. Bei Befall der Zerebrospinalflüssigkeit war das Risiko für Toxizität und Therapieversagen allerdings hoch.

Derzeit fehlt jedoch der direkte Vergleich des DA-EPOCH-R-Schemas mit dem nicht dosisadaptierten Schema (siehe hierzu auch Medscape.com ).

Rezidiviertes Hodgkin-Lymphom: Paradigmenwechsel durch Pembrolizumab

Der PD1-Hemmer Pembrolizumab erwies sich In einem Head-to-Head-Vergleich bei Patienten mit rezidiviertem/refraktärem klassischen Hodgkin-Lymphom (R/R cHL) als signifikant besser wirksam als Brentuximab Vedotin. Dies ergab die KEYNOTE 204-Studie, die als Late-Breaker-Abstract von Pier Luigi Zinzani, Bologna, auf dem virtuellen Kongress der European Hematology Association präsentiert worden ist.

In der Phase-3-Studie erhielten 304 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom bis zu 35 Zyklen Pembrolizumab oder Brentuximab Vedotin. Die Studie erreichte den primären Endpunkt: Pembrolizumab verlängerte das progressionsfreie Überleben (PFS) im Median auf 13,2 Monate im Vergleich zu 8,3 Monaten unter Brentuximab Vedotin. Damit senkte der PD1-Inhibitor das Risiko für Progression oder Tod um 35% im Vergleich zur Kontrollsubstanz (HR= 0,65, p = 0,00271).

Auf Pembrolizumab sprachen 65,6% der Patienten, auf Brentuximab Vedotin 54,2% an (p = 0,0225). Das Ansprechen hielt unter Pembrolizumab 20,7 Monate, unter Brentuximab Vedotin 13,8 Monate an. Es traten keine neuen, bislang unbekannten Nebenwirkungen auf.

„Diese Ergebnisse legen nahe, Pembrolizumab als neuen Standard bei Patienten mit R/R cHL einzusetzen“, so das Fazit des italienischen Onkologen.

Update vom 19. Juni 2020

 Krebs-Studien für die Praxis: Biologika und Melanom-Risiko, Kolonkarzinom und Diabetes, Tumormarker bei Herzinsuffizienz

Unser aktueller Onkologie-Blog stellt aktuelle Studien zu vielen praxisrelevanten Fragen vor. Etwa, ob eine Therapie mit Biologika, wie sie Patienten mit CED, Rheuma oder Psoriasis erhalten, das Melanom-Risiko steigert; wie gefährlich ein DCIS langfristig tatsächlich ist, warum bei Diabetikern ein früher Start mit dem Darmkrebs-Screening angebracht sein kann und warum nicht bei jeder Krebsdiagnose ein möglichst rascher Therapiebeginn notwendig – und vielleicht sogar Abwarten manchmal besser ist.

  • Melanome: Steigt das Risiko unter einer Therapie mit Biologika?

  • Zervixkarzinom: 8 Wochen Warten auf OP verschlechtert nicht die Prognose

  • DCIS: Risiko für invasiven Brustkrebs und Tod ist langfristig erhöht

  • Kolonkarzinom: Diabetes als Risikofaktor – frühes Darmkrebs-Screening lohnt

  • Kolorektalkarzinom: Bessere Prognose bei guter antidiabetischer Therapie?

  • Tumormarker: Auch bei Herzinsuffizienz prädiktiv

  • AML: Patienten können von verzögertem Therapiestart profitieren

Melanome: Steigt das Risiko unter einer Therapie mit Biologika?

Für Patienten, die wegen chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, rheumatoider Arthritis oder Psoriasis mit Biologika behandelt werden, kann ein erhöhtes Risiko, an einem Melanom zu erkranken, nicht völlig ausgeschlossen werden.

Die Autoren eines in JAMA Dermatology publizierten systematischen Reviews mit Metaanalyse haben Daten von 34.029 mit Biologika behandelten und 135.370 anderweitig systemisch therapierten Patienten aus 7 Kohortenstudien analysiert.

Es fand sich eine Assoziation der Behandlung mit Biologika mit einem Melanom bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (gepooltes relatives Risiko 1,20), mit rheumatoider Arthritis (gepooltes relatives Risiko 1,20) und mit Psoriasis (Hazard-Ratio 1,57). Dies jeweils im Vergleich zu einer konventionellen systemischen Therapie. Allerdings war der Unterschied in keinem Fall signifikant. Eine Adjustierung an weitere Risikofaktoren fehlte in  den meisten Studien.

Nach Aussage der Autoren sind weitere Studien mit größeren Patientenzahlen, die für wichtige Risikofaktoren adjustiert werden, zu dieser Frage erforderlich, um die Frage der Langzeitsicherheit eine Biologika-Therapie in Bezug auf das Melanomrisiko klären zu können.

Frühes Zervixkarzinom: 8 Wochen Warten auf OP verschlechtert nicht die Prognose

In Zeiten der COVID-19-Pandemie wurden und werden viele Eingriffe verschoben. Wie schädlich ist das z.B. für Frauen mit einem frühen Zervixkarzinom? Dieser Frage gingen amerikanische Gynäko-Onkologen in einer retrospektiven Analyse nach. Sie gruppierten die Daten von 217 Frauen, die sich zwischen 2000 und 2017 einer primären Hysterektomie oder Trachelektomie unterzogen hatten, nach der Wartezeit zwischen Diagnose und Eingriff in kurze Wartezeit (unter 8 Wochen, n = 110) oder lange Wartezeit (8 Wochen oder länger, n = 107).

Bei einem medianen Follow-Up von 4,6 Jahren hatten die Frauen mit langer Wartezeit eine DFS (Disease Free Survival)-Rate von 91,2%, diejenigen mit kurzer Wartezeit eine von 90,7%. Die Gesamtüberlebensraten lagen bei 95% bzw. 97,4%.

Diese retrospektiven Daten legen also nahe, dass eine Wartezeit auf die OP von etwa 8 Wochen die frühe Rezidivrate von Frauen mit frühem Zervixkarzinom nicht verschlechtert.

DCIS: Risiko für invasiven Brustkrebs und Tod ist langfristig erhöht

Das duktale Carcinoma in situ (DCIS) als Frühform des Mammakarzinoms, die noch nicht invasiv wächst, macht etwa 20 bis 25% aller Brustkrebs-Diagnosen aus. Aufgrund von Screeningprogrammen wird das DCIS zunehmend häufiger entdeckt.

Weil sich aus einem DCIS ein invasives Mammakarzinom entwickeln kann, wird heute empfohlen, alle Frauen mit DCIS entsprechend zu behandeln. Die meisten Frauen können durch eine Operation, Bestrahlung und medikamentöse Therapie geheilt werden.

Eine aktuell im British Medical Journal publizierte Studie hat nun das Langzeit-Risiko eines DCIS anhand der Daten von 35.034 Frauen untersucht. Sie wurden bis zu 20 Jahre lang nachbeobachtet.

Das Ergebnis: Bei knapp 9 von 1.000 Frauen mit DCIS jährlich entwickelt sich ein invasives Mammakarzinom (Inzidenzrate 8,82/1.000/Jahr). Dies ist doppelt so hoch wie für die Normalbevölkerung erwartet. 310 DCIS-Patienten starben an einem Mammakarzinom. Die daraus errechnete Sterberate von 1,26 pro 1.000 Frauen pro Jahr war 70% höher als für die Allgemeinbevölkerung zu erwarten gewesen wäre. Dabei nahm die Rate an Erkrankungen an invasivem Brustkrebs sowie an Sterbefällen über mindestens 20 Jahre zu. Bei intensiv behandelten DCIS-Patientinnen waren Erkrankungs- und Sterberisiko geringer.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Frauen mit einem DCIS langfristig davon profitieren, wenn sie intensiv therapiert und über lange Zeit regelmäßig nachuntersucht werden.

Kolonkarzinom: Diabetes als Risikofaktor – frühes Darmkrebs-Screening lohnt

Metaanalysen epidemiologischer Studien weisen darauf hin, dass Diabetiker ein erhöhtes Risiko für ein Kolorektalkarzinom haben. Aber Diabetes und Darmkrebs haben auch einige Risikofaktoren gemeinsam wie Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Stoffwechselstörungen. Bislang ist ein Diabetes noch nicht als Risikofaktor für Darmkrebs bestätigt. Die bislang größte Studie zu dieser Frage sollte dazu nun mehr Klarheit bringen.

Forscher der Universität Heidelberg haben in Kooperation mit Kollegen der Universität Lund die Daten von 12,6 Mio. nach 1931 geborenen schwedischen Bürgern inklusive ihrer Eltern ausgewertet und die Ergebnisse im American Journal of Gastroenterology publiziert.

Die Analyse bestätigt, dass Diabetiker im Vergleich zur Normalbevölkerung ein höheres Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken. Von den untersuchten Personen waren 559.375 Diabetiker, bei 162.226 war ein Kolonkarzinom diagnostiziert worden.

Bei den Diabetikern war das Darmkrebsrisiko in jedem Alter erhöht, insbesondere jedoch war das Risiko, vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken, höher. Gab es zusätzlich noch weitere Darmkrebs-Erkrankungen in der Familie des Diabetikers, stieg das Risiko für Darmkrebs im jüngeren Lebensalter noch weiter stark an. Die Schlussfolgerung der Autoren aus diesen Daten: Diabetiker sollten frühzeitig ein risikoadaptiertes Darmkrebs-Screening erhalten.

Kolorektalkarzinom: Bessere Prognose bei guter antidiabetischer Therapie

Wenn Diabetiker mit einem Kolonkarzinom, ihre antidiabetische Medikation regelmäßig und korrekt nehmen, haben sie eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Patienten mit niedriger Adhärenz. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Kohortenstudie aus Südkorea, die in Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention publiziert worden ist.

Nur 23% der 33.841 Patienten nahmen ihre Antidiabetika wie vorgeschrieben. Im Vergleich zu diesen war das Sterberisiko bei denjenigen Patienten mit niedriger Adhärenz an die antidiabetische Medikation um fast 20% erhöht.

Aus dem Abstract geht nicht hervor, wie die Daten analysiert worden sind. Insofern bleibt unklar, ob die Patienten möglicherweise (auch) aufgrund der besseren Diabeteseinstellung einen Überlebensvorteil hatten.

Tumormarker: Auch bei Herzinsuffizienz prädiktiv

Tumormarker wie CA125, CYFRA21-1, CEA und CA19-9 sind nicht nur wichtige Marker bei Krebserkrankungen. Sie sind auch unabhängig assoziiert mit der Schwere und dem Outcome einer Herzinsuffizienz. Dies zeigen Analysen von 2.079 Patienten aus der BIOSTAT-CHF-Kohorte, die im Journal of Internal Medicine publiziert worden sind.

Die Patienten aus der multizentrischen Beobachtungsstudie BIOSTAT-CHF litten an einer Herzinsuffizienz mit einer linksventrikulären Auswurffraktion von 40% oder niedriger und sie hatten erhöhte Herzinsuffizienzmarker (BNP oder NT-proBNP) im Plasma. Daneben wurden auch die Tumormarker CA125, CA15‐3, CA19‐9, CEA, CYFRA 21‐1 und AFP bestimmt.

Nach im Median 21 Monaten waren 27% der Patienten gestorben. Es zeigte sich dabei eine positive Assoziation zwischen CA125, CA19‐9, CEA und CYFRA 21‐1 mit den Quartilen von NT-proBNP. Nach Adjustierung an verschiedene Faktoren wie Alter, Blutharnstoff, Hämoglobin und Betablocker-Therapie ergab sich, dass die Spiegel von CA125, CYFRA 21-1, CEA, und CA19-9 mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden waren (Hazard Ratios 1,17, 1,45, 1,19 bzw. 1,10). Außer AFP waren alle Tumormarker auch mit den sekundären Endpunkten positiv assoziiert.

Die Autoren schließen daraus, dass Stoffwechselvorgänge und pathologische Signale, die durch Tumormarker angezeigt werden, auch bei Herzinsuffizienz vorliegen und mit deren Schwere und Outcome verknüpft sind.

AML: Patienten können von verzögertem Therapiestart profitieren

Weil sich die akute myeloische Leukämie (AML) recht plötzlich entwickelt und rasch voranschreitet, galt bisher, dass unmittelbar nach Diagnose – möglichst noch am gleichen Tag – mit der Therapie begonnen werden sollte. Eine nun in Blood publizierte, deutschlandweite Untersuchung unter Leitung von Wissenschaftlern und Ärzten der Hochschulmedizin Dresden und vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) belegt auf der bislang breitesten bekannten Datenbasis, dass bei Patienten mit einem guten Allgemeinzustand zunächst genetische und andere Laborergebnisse über einen Zeitraum von 2 Wochen abgewartet werden können.

Der Vorteil: Dieser Zeitraum ermöglicht es, „gegebenenfalls eine hochwirksame zielgerichtete Therapie gegen bestimmte Krankheitsmerkmale wählen zu können, die nur bei einem Teil der Patienten vorhanden sind. Diese Behandlungsoptionen können nicht genutzt werden, wenn unmittelbar mit einer intensiven Standard-Chemotherapie begonnen wird. Patienten können so von einer Verzögerung des Behandlungsbeginns profitieren“, erklärte Prof. Dr. Martin Bornhäuser, Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Dresden und Mitglied im Geschäftsführenden Direktorium des NCT/UCC Dresden in einer Pressemitteilung.

Für die Analyse wurden die Daten von 2.263 AML-Patienten aus dem Register Studienallianz Leukämie (SAL) genutzt. Es zeigte sich u.a., dass genetische Risikofaktoren oder das Alter der Patienten die Überlebenswahrscheinlichkeit und die Wirksamkeit einer Therapie deutlich beeinflussten, der Zeitraum von der Diagnosestellung bis zum Therapiebeginn war dagegen ohne Einfluss.

Die Ergebnisse waren bereits Ende 2019 auf dem ASH-Kongress vorgestellt worden und hatten damals bereits zu einer entsprechenden Anpassung der deutschen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der AML geführt.

Update vom 12. Juni 2020

Die spannendsten Studien vom weltweit größten Krebskongress: Neues zu Lungen-, Prostata- und Brustkrebs sowie zu COVID-19

Der weltweit größte Krebskongress, die Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) –– fand diesmal vom 29. bis 31. Mai 2020 virtuell statt. Präsentiert wurden die Daten von über 2.200 Abstracts, mehr als 3.400 waren für die Online-Publikation angenommen worden. Eine kleine Auswahl kurz zusammengefasst:

  • Krebs und COVID-19 – erste Registerdaten

  • Blasenkrebs: PDL1-Inhibitor als Erhaltungstherapie – ein neuer Standard?

  • Kolonkarzinom mit MSI-H: PD1-Inhibitor verdoppelt progressionsfreie Zeit

  • NSCLC mit EGFR-Mutation: Osimertinib senkt Risiko für Rezidiv/Tod um 83%

  • Prostatakarzinom: Oraler GnRH-Antagonist ist effektiv mit weniger kardiovaskulären Ereignissen

  • Kastrationsresistentes nicht metastasierten Prostatakarzinom: Enzalutamid verlängert Überleben

  • Dreifach negativer Brustkrebs: Bessere Prognose mit PPI beim Brustkrebs

  • Lungenkrebs: Rauchverzicht lohnt immer – auch kurz vor Diagnose

  • Prävention: Eine Million Krebserkrankungen weniger mit 3 einfachen Maßnahmen

COVID-19 bei Krebspatienten – erste Registerdaten

Patienten mit Krebserkrankungen gehören zur COVID-19-Risikogruppe. Bislang gibt es allerdings nur Berichte mit kleinen Patientengruppen wie sich COVID-19 bei Krebspatienten auswirkt. Das am 15. März 2020 gegründete COVID19 and Cancer Consortium (CCC19) sammelt hierzu nun Daten aus USA, Kanada, Argentinien, der EU und England.

Die beim ASCO-Kongress vorgestellte Analyse basierte auf den Daten von 928 Patienten im medianen Alter von 66 Jahren, von denen die Hälfte Männer waren. 30% waren über 75 Jahre alt. 39% erhielten eine Krebsbehandlung. Die meisten Patienten litten an Brustkrebs (21%), gefolgt von Prostatakarzinom (16%) und gastrointestinalen Karzinomen (12%).

Nach einem medianen Follow-up von 21 Tagen waren 121 Patienten (13%) gestorben.

Faktoren, die die Sterblichkeit erhöhten, waren: progrediente Krebserkrankung, Alter über 75 Jahre, männliches Geschlecht, früheres Rauchen, ein ECOG Performance-Score von 2 und höher – sowie eine Behandlung von COVID-19 mit Azithromycin plus Hydroxychloroquin. Die Einnahme von Hydroxychloroquin alleine erhöhte das Sterberisiko dagegen nicht.

COVID-19 und Lungenkrebs

Auch das TERAVOLT-Konsortium (Thoracic cancERs international coVid 19 cOLlaboraTion) hat sich kurzfristig Mitte März etabliert und sammelte bis zum 8. Mai 2020 die Daten von über 400 COVID-19-Patienten mit Lungenkrebs. Zum Analysenzeitpunkt hatten 169 Patienten die Virusinfektion überwunden, 141 waren gestorben und 119 waren noch erkrankt. Aufgrund von COVID-19 waren 112 der 141 Patienten gestorben, wegen der Krebserkrankung waren es 15 Patienten und wegen COVID-19 und Krebs 12 Patienten.

Die Sterblichkeit wurde durch einige Faktoren erhöht. Dazu gehörten: Alter über 65 Jahre, ECOG Performance Status, Steroid-gabe in einer Dosis von über 10 mg und Chemotherapie. 45% der Gestorbenen waren mit einer Chemotherapie behandelt wurden, 20% hatten eine Immuntherapie erhalten.

Die COVID-19-Behandlung hatte nach dieser ersten Analyse keinen Einfluss auf die Sterblichkeit.

Allerdings sind die Daten der Register nur begrenzt aussagekräftig, weil beispielsweise keine standardisierten Outcome-Definitionen eingesetzt wurden und verschiedene Verfälschungen möglich sind, wie Selektions-Bias oder Änderungen in der Krankheitsentwicklung.

Erhaltungstherapie mit Avelumab bei Blasenkrebs – ein neuer Standard?

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs rezidiviert die Erkrankung häufig nach einer initialen Chemotherapie. Nun ergab die in der Plenarsitzung präsentierte Phase-3-Studie JAVELIN Bladder 100, dass eine Erhaltungstherapie mit dem PD-L1-Inhibitor Avelumab (Bavencio®) im Vergleich zu Best Supportive Care zu einer bislang in klinischen Studien bei Blasenkrebs nicht gesehenen Verlängerung des Gesamtüberlebens führt.

In der randomisierten Studie mit 700 Blasenkrebs-Patienten, die zuvor auf eine Chemotherapie angesprochen hatten, überlebten die Patienten der Avelumab-Gruppe 7,1 Monate länger als die der Vergleichsgruppe (21,4 versus 14,3 Monate). Noch besser wirkte Avelumab bei den Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren – hier ist das mediane Gesamtüberleben derzeit noch nicht erreicht.

Damit könnte diese Therapie zu einem neuen Standard bei der Erstlinienbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs werden, die auf die initiale platinbasierte Chemotherapie angesprochen haben.

Pembrolizumab bei Kolonkarzinom mit MSI-H: Verdoppelt progressionsfrei Zeit

Eine Erstlinientherapie mit dem Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab (Keytruda®) verdoppelte das progressionsfreie Überleben (PFS) von Patienten mit fortgeschrittenem Kolorektalkarzinom mit Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) im Vergleich zu Chemotherapie. Das PFS nahm laut einer Interimsanalyse der Phase-3-Studie KEYNOTE-177 von 8,2 Monaten unter Chemotherapie auf 16,5 Monate unter Pembrolizumab zu.

Studienleiter Prof. Dr. Thierry André von der Pariser Sorbonne zeigte sich überzeugt, dass diese Ergebnisse die klinische Praxis verändern werden: „Die Studie demonstrierte einen großen Nutzen von Pembrolizumab in der Erstlinientherapie, dies sollte nun der neue Therapiestandard werden.“

Etwa 5% der Patienten mit einem Kolonkarzinom weisen eine Mikrosatelliteninstabilität auf.

Osimertinib bei NSCLC mit EGFR-Mutation – Risiko für Rezidiv/Tod um 83% gesenkt

Eine adjuvante Therapie mit Osimertinib (Tagrisso®), einem EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor der 3. Generation, verlängerte das krankheitsfreie Überleben (DFS) von Patienten mit lokalem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) und EGFR-Mutation im Vergleich zu Placebo signifikant. Osimertinib senkte das Risiko für ein Rezidiv oder Tod um 83%.

Dies ergab eine nicht vorgeplante Interimsanalyse der Phase-3-Studie ADAURA, in die 682 Patienten mit primärem NSCLC mit Nichtplattenepithel-Histologie im Stadium IB/II/IIIA und einer EGFR-Mutation eingeschlossen worden waren. Aufgrund der Datenlage hatte ein unabhängiges Komitee die vorzeitige Entblindung der Studie empfohlen.

„Die Studie hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Prof. Dr. Roy S. Herbst vom Yale Cancer Center in New Haven, Connecticut. Für ihn ist es ein  wichtiger Fortschritt, dass die gezielt wirkende Therapie das Auftreten eines Rezidivs nach der Operation eines lokalen NSCLC verzögert.

Osimertinib ist derzeit schon Standard in der Erstlinienbehandlung bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Lungenkarzinom und könnte nun mit diesen Ergebnissen auch Standard bei lokalem NSCLC mit EGFR-Mutation nach Tumorresektion werden.

Oraler GnRH-Antagonist beim Prostatakarzinom: Effektiv und weniger kardiovaskuläre Ereignisse

Mit dem oral applizierbaren GnRH-Antagonisten Relugolix kann bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom der Testosteronspiegel rascher als mit dem GnRH-Agonisten Leuprolid anhaltend gesenkt werden. Gleichzeitig ist das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 54% geringer. Dies ergab die Phase-3-Studie HERO (parallel auch im New England Journal of Medicine publiziert), in der 934 Männer 2:1 randomisiert orales Relugolix oder Leuprolid über 48 Wochen erhalten hatten.

Unter der Relugolix-Behandlung erreichten 96,7% der Männer einen Testosteron-Spiegel unter 50 ng/dl über 48 Wochen, unter Leuprolid waren es 88,85. Damit war sowohl die Nichtunterlegenheit als auch die Überlegenheit des oralen GnRH-Antagonisten gezeigt. Relugolix erwies sich auch in allen sekundären Endpunkten signifikant besser als Leuprolid. Wichtiger Befund war zudem, dass die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse mit 2,9% in der Relugolix-Gruppe deutlich niedriger war als mit 6,2% in der Leuprolid-Gruppe. Damit werden frühere Befunde bestätigt, dass das kardiovaskuläre Risiko von GnRH-Antagonisten geringer ist als das von GnRH-Agonisten.

Nach Meinung der Forschergruppe um Dr. Neal D. Shore, Carolina Urologic Research Center, Myrtle Beach, South Carolina (USA), hat Relugolix das Potenzial zum neuen Standard der Testosteronsuppression bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom zu werden.

Enzalutamid beim kastrationsresistenten nicht metastasierten Prostatakarzinom: längeres Überleben

Der Androgenrezeptor-Antagonist Enzalutamid (Xtandi®) ist seit 2013 für die Behandlung des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms zugelassen, seit 2018 auch für die nichtmetastasierte Form. Denn die 2018 publizierten Ergebnisse der Phase-3-Studie PROSPER hatte ergeben, dass Enzalutamid auch bei der nichtmetastasierten Erkrankung mit rasch steigenden PSA-Werten im Vergleich zu Placebo das Auftreten von mit Bildgebung nachweisbaren Metastasen deutlich verzögert mit einer medianen metastasenfreien Überlebenszeit von 36,6 vs 14,7 Monaten (Hazard-Ratio 0,29).

Beim ASCO-Kongress und parallel im New England Journal of Medicine stellte nun die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Cora Sternberg, Weill Cornell Medicine, New York (USA), die finalen Überlebensdaten der PROSPER-Studie nach einer Nachbeobachtungszeit von 48 Monaten aus dieser Studie vor.

Die Behandlung mit Enzalutamid senkte das Sterberisiko im Vergleich zu Placebo signifikant um 27% (p = 0,0011). Im Median überlebten die Patienten der Enzalutamid-Gruppe um 67 Monate, die der Placebo-Gruppe um 56,3 Monate.

Das Fazit der Autoren lautete. „Diese finale OS-Analyse der PROSPER-Studie bedeutet eine prospektive Validierung des metastasenfreien Überleben (MFS) als Surrogat-Endpunkt für das Überleben beim nmCRPC und unterstützt den Einsatz von Enzalutamid plus Androgendeprivation als Standardtherapie bei Männern mit nmCRPC und rasch steigenden PSA-Werten.“

Protonenpumpenhemmer bei Mammakarzinom?

Mit zusätzlicher Gabe des Protonenpumpenhemmer (PPI) Omeprazol zu einer präoperativen Chemotherapie konnte bei 42 Frauen mit dreifach negativem Brustkrebs eine pathologisch komplette Remissionsrate von 74,4% erzielt werden. Rationale der Anwendung von Omeprazol ist, dass dieser PPI die Fettsäuren-Synthase (FASN) hemmt. Dieses Enzym wird in 70% der neu diagnostizierten dreifach negativen Mammakarzinome exprimiert und soll mit einer schlechten Prognose assoziiert sein.

In der einarmigen Phase-2-Studie erhielten die Frauen mit neu diagnostiziertem dreifach negativem Brustkrebs (85% FASN-positiv) zunächst über 4 bis 7 Tage Omeprazol (80 mg oral zweimal täglich), dann begann die präoperative Anthracyclin-Taxan-basierte Chemotherapie, auch Carboplatin war nach Entscheidung des Behandlers erlaubt. Omeprazol wurde bis zur Operation weiter gegeben.

Omeprazol ist gut verträglich und hemmt in der eingesetzten Dosierung die FASN nachweislich Die Autoren sind der Ansicht, dass dieser neue Therapieansatz prospektiv in größeren Studien untersucht werden sollte.

Lungenkrebs: Rauchverzicht lohnt immer – auch kurz vor Diagnose

Hört ein Raucher vor der Diagnose eines Lungenkarzinoms mit dem Rauchen auf, selbst wenn es nur 2 Jahre vorher ist, dann hat er signifikant bessere Überlebenschancen. „Es ist also nie zu spät, um mit dem Rauchen aufzuhören“, lautete das Fazit von Dr. Aline Fares, Princess Margaret Cancer Centre, Toronto, Kanada.

Sie und ihre Kollegen hatten Daten von 35.481 Lungenkrebs-Patienten aus 17 Studien der International Lung Cancer Consortium (ILCCO) Database analysiert und gefunden, dass das Sterberisiko bei Rauchverzicht mehr als 5 Jahre vor der Diagnose Lungenkrebs um 20%, bei Rauchverzicht 2 bis 5 Jahre vor Diagnose um 16% und bei weniger als 2 Jahren vor Diagnose um 12% gesenkt wurde. Auch das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, war geringer, aber vor allem bei den Patienten, die schon länger als 5 Jahre vor der Diagnose mit dem Rauchen aufgehört hatten.

Dies sind zwar keine brandneuen Erkenntnisse, sie bestätigen jedoch erneut, dass es sich immer lohnt, Patienten zum Rauchverzicht zu motivieren (siehe auch Medscape ).

Prävention: Eine Million Krebserkrankungen weniger mit 3 einfachen Maßnahmen

Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum haben übrigens aktuell errechnet, dass mit 3 relativ einfachen Maßnahmen bis zum Jahr 2050 eine Million Krebserkrankungen verhindert werden können:

  • Steuererhöhungen um jährlich 10% über einen Zeitraum von 10 Jahren

  • ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie

  • eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken

Diese Methoden hätten sich in internationalen Studien bereits als wirksam zur Senkung des Raucheranteils erwiesen. In der Modellierung des DKFZs ging es nur um die vermiedenen tabakbedingten Krebserkrankungen. Weil Rauchen aber für eine Vielzahl weiterer Erkrankungen von Bedeutung ist, dürfte der tatsächliche Nutzen der 3 Maßnahmen für die Gesundheit der Bevölkerung noch deutlich höher sein.

Kommentar

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