Gehen Parkinson und Demenz Hand in Hand? Eine kleine Studie spricht unerwartet dagegen

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

28. Mai 2020

Die Demenz-Prävalenz ist bei schon lange an Parkinson erkrankten Patienten möglicherweise geringer als aufgrund bisheriger Studien-Daten erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine australische Studie [1]. Der kognitive Abbau kann bei Parkinson-Patienten offenbar unterschiedlich verlaufen.

Bisher kaum Langzeitdaten

Es gibt einige Studien zur Progression des kognitiven Abbaus bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung, aber kaum Daten zu Patienten mit einer Krankheitsdauer von mehr als 20 Jahren. Um hierzu weitere Daten zu gewinnen, haben australische Wissenschaftler eine Studie mit Patienten aus Australien und Großbritannien durchgeführt. Solche Daten sind für die Patienten, ihre Angehörigen, Therapeuten und auch Kostenträger relevant. 

In der retrospektive Studie haben Jennifer Y. Y. Szeto, University of Sidney, und ihre Kollegen 2.327 Parkinson-Patienten untersucht, die die Kriterien der United Kingdom Parkinson’s Disease Society Brain Bank erfüllten. 36 Patienten (21 Männer und 15 Frauen) waren schon 20 und mehr Jahre an Parkinson erkrankt. Im Mittel waren sie knapp 73 Jahre alt. 

Demenz nur bei jedem 5. lang jährigen Parkinson-Patienten

Von den 36 Patienten mit einer mindestens 20-jährigen Krankheitsdauer wurden nur 7 (19 Prozent) als vermutlich Demenz-krank eingestuft. Ihr Wert nach der Mini Mental State Examination (MMSE) betrug im Mittel 18. Im Vergleich zu den Parkinson-Kranken ohne Demenz (MMSE 27) hatten die Demenz-Kranken ein geringeres Ausbildungs-Niveau (bzw. weniger Ausbildungsjahre) und mehr motorische Symptome. 34 der 36 Patienten zeigten einen nicht-tremor-dominanten Phänotyp.

Keine Unterschiede zwischen Parkinson-Patienten mit und ohne Demenz gab es bei den Parametern Alter, Beginn der Parkinson-Erkrankung, Krankheitsdauer, dopaminerge Medikation und Geschlechter-Verteilung. 

Diskrepanz zu anderen Studienergebnissen

Die Ergebnisse stehen in einem Gegensatz zu früheren Studien-Daten, etwa einer anderen australischen Studie (Sydney Multicentre Study), in der eine deutlich höhere Demenz-Prävalenz (83%) bei Langzeit-Erkrankten festgestellt wurde.

Dieser Gegensatz lasse vermuten, dass der kognitive Abbau bei Parkinson-Kranken unterschiedlich verlaufen könne, so die Autoren der aktuellen Studie. Dies spreche dafür, jene Faktoren zu identifizieren, die diesen Verlauf bei den abnehmenden kognitiven Fähigkeiten beeinflussen könnten. 

Eine mögliche Ursache für die Diskrepanz bei der Demenz-Prävalenz könnte der geringere Anteil der Patienten mit schweren motorischen Symptomen in der aktuellen Studie sein. Zwischen Demenz und Schwere der motorischen Symptome gebe es anderen Studien zufolge einen belegten Zusammenhang, erläutern die Autoren. Dies sei auch in der aktuellen Studie festgestellt worden. Möglicherweise habe auch der Verlust an dopaminergen Neuronen im Striatum Einfluss auf das cholinerge System und zerebrale Strukturen, die an kognitiven Prozessen beteiligt seien. 

Eine andere, etwas einfachere Erklärung für die Diskrepanz ist, dass in den Studien unterschiedliche Kriterien einer Demenz bei Parkinson-Kranken verwendet wurden. Insgesamt sprächen die Ergebnisse dafür, mögliche Einflussfaktoren auf den kognitiven Abbau bei Parkinson-Kranken weiter zu erforschen, um so auch mögliche Ansätze für Therapien zu finden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de

 

Kommentar

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