Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten – nicht nur eine Folge der Chemotherapie. Das können Onkologen unternehmen…

Michael Simm

Interessenkonflikte

22. Mai 2020

Übelkeit und Erbrechen können unabhängig von einer Strahlen- oder Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen auftreten. Eine schnelle und deutliche Linderung dieser Symptome haben Forscher um Dr. Rudolph M. Navari von der University of Alabama at Birmingham in einer kleinen Studie unter dem Neuroleptikum Olanzapin gesehen. Alle Patienten hatten Beschwerden, die nicht auf die Behandlung selbst, sondern auf die Grunderkrankung zurückzuführen waren. Die Arbeit ist in JAMA Oncology erschienen [1].

Signifikante Verringerung der Beschwerden

Es handelte sich um eine randomisierte, Placebo-kontrollierte, randomisierte Studie mit 30 ambulanten Patienten im durchschnittlichen Alter von 63 Jahren, die an fortgeschrittenen Krebserkrankungen litten und über 14 Tage ständig Übelkeit beziehungsweise Erbrechen hatten. Sie erhielten während dieser Zeit keine Chemo- oder Strahlentherapie. 

Die chronische Übelkeit musste mindestens 1 Woche anhalten, und einen Wert über 3 auf der 10-teiligen „Worst daily nausea numeric rating“-Skala zu haben. Alle Patienten erhielten täglich entweder 5 mg Olanzapin oder Placebo.

Olanzapin wird als atypisches Neuroleptikum hauptsächlich zur Behandlung schizophrener Psychosen eingesetzt. Bislang war bekannt, dass der Wirkstoff Übelkeit und Erbrechen als Folgen einer Chemotherapie verringern kann. Die Studie brachte neue Erkenntnisse für Beschwerden ohne Zusammenhang mit solchen Behandlungen:

  • Die medianen Werte für Übelkeit betrugen auf der 10-teiligen Skala nach einem Tag 9 unter Placebo (zwischen 8 und 10) und 2 unter Olanzapin (zwischen 2 und 3).

  • Nach einer Woche betrugen die medianen Werte 9 unter Placebo (zwischen 8 und 10) und 1 unter Olanzapin (zwischen 0 und 3).

  • Der Unterschied war statistisch signifikant (P<0,001).

  • Patienten unter Olanzapin berichteten seltener, dass sie sich erbrechen mussten, andere Medikamente gegen die Emesis einnahmen, müde oder sediert waren.

  • Außerdem hatten sie mehr Appetit und fühlten sich besser als Patienten der Placebo-Gruppe.

Beeindruckender klinischer Effekt

Die Studie ist zwar sehr klein, die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in allen Dimensionen sind jedoch beeindruckend. Erst kürzlich hatte eine japanische Arbeitsgruppe berichtet, dass die Zugabe von Olanzapin zu einer antiemetischen Standard-Dreifachkombination die Beschwerden von Krebspatienten unter einer Chemotherapie zu lindern vermochte.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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