Rekonvaleszenz nach COVID-19: Eine spezielle Reha soll bei pneumologischen oder psychischen Problemen helfen

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

15. Mai 2020

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 verläuft in rund 80% der Fälle mild und ohne Komplikationen; in 20% ist der Verlauf schwer. Manche der Patienten haben nach überstandener Erkrankung noch längere Zeit einen deutlich geschwächten Allgemeinzustand. Für sie haben interdisziplinäre Teams der Median-Rehakliniken jetzt modular aufgebaute Corona-Rehabilitationen entwickelt [1].

 
Mit der zunehmenden Zahl an Patienten, die aus den Akutkliniken entlassen worden sind, steigt auch der Bedarf an hochwertiger Rehabilitation. Dr. Johannes Schröter
 

„Mit der zunehmenden Zahl an Patienten, die aus den Akutkliniken entlassen worden sind, steigt auch der Bedarf an hochwertiger Rehabilitation”, erklärt Dr. Johannes Schröter, Chefarzt der Median Rehaklinik Aukammtal. „Die Patienten müssen physisch, aber auch seelisch genesen. Eine hochwertige multiprofessionelle Behandlung, um möglichst sicher und schnell wieder zurück ins Leben zu kommen, das leisten wir“. Die Fachklinik Aukammtal gehört bundesweit zu den ersten Anbietern eines neuen, interdisziplinäre Reha-Konzepts.

Modular aufgebautes Reha-Programm

Anfragen kommen von Akutkliniken aus ganz Deutschland. Voraussetzung für die Reha-Behandlung ist, dass Patienten virusfrei sind und sich selbst versorgen können. Neben dem Basis-Modul – der interdisziplinären Corona-Reha – werden 3 spezifische Module angeboten:

  • Eine pneumologische Post-Corona-Rehabilitation für Patienten nach schwerem intensiv- und beatmungspflichtigem Verlauf,

  • eine psychosomatische Post-Corona-Rehabilitation mit dem Fokus auf seelische Folgen,

  • eine Sucht-Post-Corona-Rehabilitation, um Auswirkungen der Pandemie für Suchterkrankte besonders zu berücksichtigen.

Wer in einer der Median-Kliniken einen Reha-Aufenthalt antritt, ob nun als ehemaliger COVID-19-Patient oder nicht, wird bei der Aufnahme auf das Virus getestet. Ziel ist, Patienten und Beschäftigte schützen und den Ablauf der Reha erleichtern.

Die meisten Patienten in pneumologischer Reha

Patienten, die eine interdisziplinäre Corona-Reha beginnen, sind im Schnitt älter: „Viele sind Mitte 50, wir sehen keine 20-Jährigen. Es ist aber nicht so, dass unsere Patienten ausschließlich Senioren wären“, sagt Dr. Benedikt Simon, einer der Geschäftsführer von Median im Gespräch mit Medscape. Die meisten Patienten mit Folgen mit überstandener SARS-CoV-2-Infektion befinden sich derzeit in pneumologischer Reha.

 
Die psychologische Komponente durch COVID-19 darf man nicht vergessen (…). Dr. Benedikt Simon
 

Es kommen nicht nur Patienten mit Vorerkrankungen in die Reha. Simon berichtet vom Fall einer sportlichen, gesunden Frau Anfang 50. Sie hatte sich in Ischgl beim Skifahren mit dem Virus infiziert und auf der Intensivstation 13 Tage im künstlichen Koma gelegen.

Zur Reha war sie in der Heiligendammer Klinik: einem Haus, das auf die Therapie von Lungenerkrankungen spezialisiert ist. Entsprechend liegt der Fokus der Behandlung auf der Verbesserung der Atemnot, der Atemmuskelkraft und der Belastbarkeit der Lunge. Das werde laut Simon durch Atemgymnastik, Atemmuskeltraining und Physiotherapie erreicht. Regelmäßig überprüfen Ärzte die Lungenwerte, um bei einer akuten Verschlechterung sofort eingreifen zu können.

Charakteristisch für alle Patienten der interdisziplinäre Reha ist ein geschwächter Allgemeinzustand: „Das lässt sich vergleichen mit den gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach einer schweren Influenza“, so Simon. Hinzu kommt die psychische Belastung: „Die psychologische Komponente durch COVID-19 darf man nicht vergessen, diesen Bedrohungsaspekt, an einer potenziell tödlich verlaufenden Infektion erkrankt zu sein. Das ist auch bei einer Influenza der Fall, doch die Bedrohung durch COVID-19 ist neu, das steht viel mehr im Vordergrund“, erklärt Simon.

COVID-19-Reha dauert in der Regel 3 Wochen

Krankenkassen und Rentenkassen tragen alle Kosten für eine Reha, die meist 3 Wochen dauert, aber verlängert werden kann. Dabei gilt: Am besten direkt aus der Akutklinik in die Reha. Ein Krankenhausaufenthalt ist aber keine zwingende Voraussetzung. Auch Patienten, die COVID-19 in häuslicher Isolation auskuriert haben, können eine Reha beantragen. Die Rehabilitation eignet sich als Anschluss-Heilbehandlung unmittelbar nach dem Aufenthalt im Akutkrankenhaus oder als Heilverfahren.

Um COVID-19-Patienten rasch in einer Anschluss-Reha unterzubringen, empfiehlt Simon den Kliniken, möglichst früh einen Antrag auf Rehabilitation zu stellen und mit dem zentralen Reservierungsservice der Corona-Reha Kontakt aufzunehmen.

Der Median Corona Recovery Score (MCRS) soll gewährleisten, dass die Reha möglichst optimal zu den Beeinträchtigungen von Patienten passt. Hier handelt es sich um einen Fragebogen, welcher das Ausmaß körperlicher und seelischer Beeinträchtigung durch die Erkrankung und den Verlauf der Rekonvaleszenz erfasst. Der Score wird zu Beginn und am Ende der Rehabilitation sowie einige Monate nach dem Aufenthalt erstellt, um eine Verlaufsmessung zu ermöglichen.

Spezielle Reha bei Angst- und Zwangsstörungen

Isolation, Quarantäne, Verlust sozialer Kontakte, Ängste vor dem tödlichen Virus oder dem Verlust des Arbeitsplatzes: SARS-CoV-2 kann nicht nur Menschen, die sich infiziert haben, psychisch krank machen, sondern auch Personen, die unter den weitreichenden Folgen der Pandemie leiden. In solchen Fällen kann eine spezielle psychosomatische Reha sinnvoll sein.

 
Für viele Menschen war und ist die Pandemie eine kritische psychische Belastung, die Reaktionen von der Hilflosigkeit über den Panikanfall bis zum Suizidversuch hervorrufen kann. Dr. Monika Vogelgesang
 

„Für viele Menschen war und ist die Pandemie eine kritische psychische Belastung, die Reaktionen von der Hilflosigkeit über den Panikanfall bis zum Suizidversuch hervorrufen kann“, sagt Dr. Monika Vogelgesang, Chefärztin in der Median Klinik Münchwies. „Die als gefährlich erlebte Gesamtsituation kann Angststörungen oder depressive Befürchtungen auslösen, Hygienevorschriften können Zwangsstörungen verstärken und Ausgangsbeschränkungen klaustrophobe Ängste auslösen – um nur einige Beispiele zu nennen.“

Auch eine eigene Infektion, eine Erkrankung mit Symptomen sowie der Tod von Angehörigen könnten Anlass für seelische Not sein. Je nach Art der Beeinträchtigung wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Kernelement ist eine COVID-19-bezogene Psychotherapie sowie – unter den entsprechenden Sicherheitsvorgaben – eine Gruppentherapie, in der Betroffene sich austauschen können und eine Krankheitsverarbeitung angestoßen wird.

 

Kommentar

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