Dengue-Fieber entpuppt sich als COVID-19: Hautausschlag bei Corona-Infektion nicht selten – und kann in die Irre führen

Alexander M. Otto

Interessenkonflikte

22. April 2020

Bei etwa einem Fünftel einer Gruppe von Patienten mit COVID-19 im Alessandro-Manzoni-Krankenhaus in Lecco, Norditalien, sind Hautmanifestationen der Erkrankung beobachtet worden. Aufgefallen ist dies Dermatologen, die von ihrem üblichen Dienst abgezogen worden waren, um bei der Pandemie zu helfen. Sie haben untersucht, was mit der Haut von 148 stationär aufgenommenen COVID-19-Patienten geschah. Im Journal oft he European Academy of Dermatology and Venerology,und berichteten in einer Arbeit, was sie entdeckt haben [1].

Hautausschlag bei jedem fünften Patienten

Die Autoren schlossen 60 Personen aus, die innerhalb von 15 Tagen ein neues Medikament eingenommen hatten, um akute Arzneimittelreaktionen auszuschließen.

Von 88 COVID-19 Patienten entwickelten 20,5% Hautmanifestationen. Bei 8 der 18 Patienten (44%) kam es bei Symptombeginn von COVID-19 zu Hautausschlägen, bei 10 Patienten nach Einlieferung ins Krankenhaus. Bei den Ausschlägen handelte es sich bei 14 Patienten (78%) um rote Flecken, 3 hatten ausgedehnte Urtikaria und einer wies Windpocken-ähnliche Bläschen auf.

 
Es besteht die Möglichkeit, dass bei einem COVID-19-Patienten initial ein Hautausschlag auftritt, der als andere Krankheit fehldiagnostiziert werden kann. Dr. Beuy Joob
 

Der am häufigsten betroffene Bereich war der Rumpf. Juckreiz war leicht oder gar nicht vorhanden und die Läsionen heilten gewöhnlich innerhalb weniger Tage ab. Am wichtigsten war, dass die Hautmanifestationen nicht mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelierten.

Diese Hautmanifestationen „ähneln einer Hautbeteiligung, wie sie bei gewöhnlichen Virusinfektionen auftritt“, so der Autoren Dr. Sebastiano Recalcati , Dermatologe am Alessandro-Manzoni-Krankenhaus.

Bericht zu Hautmanifestationen auch aus Thailand

Hautmanifestationen können auch die Diagnose von COVID-19 erschweren, so die Autoren eines anderen Berichts aus Thailand, wo der erste Fall von COVID-19 außerhalb Chinas gemeldet wurde. Sie beschreiben einen Fall einer COVID-19-Infektion in einem Krankenhaus in Bangkok, der sich als Dengue-Fieber maskiert hatte.

Eine Person, die sich dort vorgestellt hatte, wies nur einen Hautausschlag, Petechien und eine niedrige Thrombozytenzahl auf und wurde mit Dengue diagnostiziert, weil es genau so aussah, schreiben die Autoren in einer Arbeit im Journal of the American Academy of Dermatology[2].

 
Der behandelnde Arzt sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Patient zunächst nur einen Hautausschlag hat. Dr. Beuy Joob
 

Die richtige Diagnose, COVID-19, wurde in einem tertiären Versorgungszentrum gestellt, nachdem der Patient mit zusätzlichen Atembeschwerden eingeliefert worden war.

„Es besteht die Möglichkeit, dass bei einem COVID-19-Patienten initial ein Hautausschlag auftritt, der als andere Krankheit fehldiagnostiziert werden kann. ... Der behandelnde Arzt sollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Patient zunächst nur einen Hautausschlag hat“, sagen die Autoren dieses Berichts um Dr. Beuy Joob vom Sanitation1 Medical Academic Center in Bangkok.

Hautsymtome auch aus den USA gemeldet

Ähnliche Berichte gibt es auch in den Vereinigten Staaten. „Viele haben sich gefragt, ob COVID-19 mit besonderen Hautveränderungen einhergeht. Die Antwort ist ja“, sagt Dr. Randy Jacobs , ein klinischer Assistenzprofessor für Dermatologie an der University of California, Riverside, der auch eine Privatpraxis in Südkalifornien hat.

„Bei COVID-19 können Anzeichen für den Verschluss kleiner Blutgefäße auftreten. Dabei kann es sich um Petechien oder winzige Blutergüsse und vorübergehende livide verfärbte Hautveränderungen handeln“, sagte er in einem Interview.

Jacobs hatte einen 67-jährigen Patienten, der sich mit leichtem Fieber, verstopfter, tropfender Nase und feuchtem Husten, aber ohne Atemnot vorstellte. Es sah wie eine gewöhnliche Erkältung aus.

Aber eine Woche später wies der Mann einen nicht juckenden, blass wirkenden, einer Livedovaskulopathie ähnelnden Ausschlag an seinem rechten vorderen Oberschenkel und Blut im Urin auf und er fühlte sich schwach.

Der Ausschlag und der blutige Urin verschwanden innerhalb von 24 Stunden, aber der COVID-19-Test fiel positiv aus, sein Husten wurde trocken und bellend und die Schwäche blieb bestehen. Er befindet sich jetzt in einem Krankenhaus und erhält Sauerstoff, wird aber bisher nicht beatmet.

„Ein anderer befreundeter Dermatologe berichtete ebenfalls von einem ähnlichen vorübergehenden einseitigen COVID-19-bedingten bläulich schimmernden Hautausschlag“, sagt Jacobs. Dies deute auf eine Gefäßokklusion hin.

Ob dies neurogen, mikrothrombotisch oder immunkomplex-vermittelt sei, sei unbekannt, doch es ist „ein Hautbefund, der Ärzten bei der Behandlung ihrer Patienten mit COVID-19-Symptomen helfen kann“, stellt er fest.

Hautläsionen – eher ein spätes Anzeichen der Krankheit?

Von Hautläsionen im Zusammenhang mit COVID-19 berichten auch französische Dermatologen. Bei Patienten mit Verdacht auf COVID-19 sei eine zunehmende Zahl von Hautläsionen beobachtet worden. Nach bislang vorliegenden Informationen treten sie meist bei jungen, asymptomatischen oder nicht schwerwiegend erkrankten Patienten auf. Auch treten die Läsionen erst eher spät im Krankheitsverlauf in Erscheinung.

Bei den beobachteten Läsionen handele es sich um Hautveränderungen die Frostbeulen ähneln, um plötzlich auftretende anhaltende Rötungen, die manchmal schmerzhaft sind und vorübergehende Urtikaria, so die Nationale Vereinigung der Dermatologen und Venerologen (Syndicat National des Dermatologistes-Vénéréologues, SNDV) in einer Pressemitteilung.

 
Diese Anzeichen (Hautmanifestationen )treten höchstwahrscheinlich nicht in einem frühen oder ansteckenden Stadium auf. Prof. Dr. Marie Beylot-Barry
 

„Die meisten Patienten haben keine Symptome. … Diese Hautmanifestationen scheinen ein sehr spätes Anzeichen für eine Infektion zu sein, die fast schon abgeheilt ist. Diese Anzeichen treten höchstwahrscheinlich nicht in einem frühen oder ansteckenden Stadium auf“, erklärt Prof. Dr. Marie Beylot-Barry vom Centre Hospitalier Universitaire ( CHU) in Bordeaux, Präsidentin der Französischen Gesellschaft für Dermatologie (Société Française de Dermatologie, SFD) gegenüber Medscape Frankreich. Beylot-Barry berichtet von über 100 Fällen.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus https://www.mdedge.com/dermatology übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....