Zum Couch-Potato dank kardiovaskulärer Prävention? Diese „Nebenwirkungen“ haben nichts mit der Pharmakotherapie zu tun

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

17. April 2020

Wenn Patienten zur kardiovaskulären Prävention eine medikamentöse Therapie mit Antihypertensiva und Lipidsenkern beginnen, neigen sie offenbar dazu, sich weniger zu bewegen und im Laufe der Jahre erhöht sich ihr Körpergewicht.

Allerdings sinkt mit der Zeit ihr Alkohol-Konsum. Auch von Zigaretten halten sie sich dann eher fern. Zu den Ergebnissen kamen Forscher um Dr. Maarit J. Korhonen von der University of Turku, Finnland. Die Arbeit ist in JAHA erschienen [1].

Lebensstil-Intervention: Das funktioniert nicht immer …

Wer sich vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen will, sollte gesund leben, sich ausreichend bewegen, nicht rauchen und beim Essen und Alkoholkonsum Askese der Völlerei vorziehen. Dank des medizinischen Fortschrittes ist kardiovaskuläre Prävention, insbesondere Sekundärprävention, bekanntlich auch mit Medikamenten möglich und oft auch notwendig.

Dabei besteht Konsens, dass die Kombination von Arzneimitteln mit einer gesunden Lebensweise für die meisten Menschen die beste Option ist. Der Geist der meisten Menschen willig, das Fleisch jedoch etwas schwach – was finnische Wissenschaftler jetzt erneut bestätigt haben.

Basis waren Daten von mehr als 40.000 Personen der FPS-Studie (Finnish Public Sector) im Alter von ≥ 40 Jahren, die zu Studienbeginn keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Alle Probanden mussten zwischen 2000 und 2013 regelmäßig an Umfragen teilnehmen, und zwar alle 4 Jahre. Der Medikamenten-Gebrauch wurde anhand von Apotheken-Daten ermittelt. Verglichen wurden Änderungen des Body-Mass-Index (BMI), der körperlichen Aktivität, des Alkohol- sowie des Nikotinkonsums bei 8.837 Personen, die eine Therapie mit Blutdrucksenkern oder Statinen begonnen hatten, und bei 46.021 Personen ohne Beginn einer solchen Medikation.

Mehr Gewicht, weniger Alkohol, weniger Zigaretten

Bei Teilnehmern mit dieser Pharmakotherapie stieg der BMI stärker an als bei den Probanden der Vergleichsgruppe. Die körperliche Aktivität hingegen nahm unter der Pharmakotherapie ab. Statistische Berechnungen ergaben ein signifikant erhöhtes Risiko der Patienten mit Blutdrucksenkern und/oder Statinen, adipös zu werden (Odds Ratio: 1,82; 95% CI 1,63 – 2,03). 

Die finnischen Autoren haben allerdings auch Positives zu berichten: Die medikamentös behandelten Teilnehmer reduzierten im Laufe der Zeit ihren Alkoholkonsum (-1,85 g/Woche; 95% CI -3,67 bis -0,14); zudem verzichteten mehr von ihnen auf Zigaretten.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Univadis.de .
 

Kommentar

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