3 Mal mehr Schritte – 1 Fünfzehntel des Sterberisikos: Starke Assoziation zwischen Mortalität und täglicher Bewegung

Michael Simm

Interessenkonflikte

13. April 2020

Zwischen der Zahl der täglich absolvierten Schritte und der Gesamtmortalität besteht bei einer Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 10 Jahren eine starke Assoziation. Bei Menschen mit weniger als 4.000 Schritten pro Tag lag die Mortalität bei 77 pro 1.000 Personenjahren, bei mehr als 12.000 Schritten unter 5 – also nur bei einem Fünfzehntel. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Pedro F. Saint-Maurice vom National Cancer Institute in Rockville, Maryland, und Kollegen. Ihre Arbeit ist in JAMA erschienen [1].

Schrittzahl und Mortalität: Unklare Zusammenhänge

Schrittzähler, Fitnessarmbänder und Apps für Smartphones ermöglichen es, ohne großen Aufwand die täglichen Schrittzahlen und auch die Intensität der Bewegungen zu erfassen. Unklar ist jedoch, inwieweit solche Werte mit der Mortalität assoziiert sind.

Dieser Frage gingen Saint-Maurice und Kollegen nach. Ziel ihrer aktuellen Studie war es, eine mögliche Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der täglichen Schrittzahl bzw. -Intensität und der Mortalität zu ermitteln. Dazu wurde eine repräsentative Stichprobe von 4.840 US-amerikanischen Erwachsenen (54% Frauen; 36% mit Übergewicht) ab 40 Jahren ausgewertet, die in den Jahren 2003 bis 2006 jeweils für bis zu 7 Tagen einen Beschleunigungsmesser (Akzelerometer) getragen hatten. Die Mortalität wurde bis Dezember 2015 erfasst. 

Bewegung und Mortalität: Dosis-Wirkungs-Beziehung

Die Probanden legten täglich im Durchschnitt 9.124 Schritte zurück. Während der im Mittel 10,1 Jahre langen Nachbeobachtung starben 1.165 von ihnen, darunter 406 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 283 an Krebs.

Die nicht adjustierte Gesamtmortalität (Inzidenzdichte) pro 1.000 Personenjahre betrug:

  • 76,7 bei weniger als 4.000 Schritten pro Tag,

  • 21,4 bei 4.000 bis 7.999 Schritten pro Tag,

  • 6,9 bei 8.000 bis 11.999 Schritten pro Tag,

  • 4,8 bei mindestens 12.000 Schritten pro Tag.

Als Hazard Ratio (HR) im Vergleich zu 4.000 Schritten pro Tag geben die Forscher an:

  • 8.000 Schritte pro Tag: HR = 0,49 (95%-Konfidenzintervall 0,44-0,55),

  • 12.000 Schritte pro Tag: HR = 0,35 (95%-KI 0,28-0,45)

Gemessen wurde auch die Intensität anhand der maximalen Schrittfrequenz innerhalb von 30 Minuten. Dabei ergaben sich folgende Assoziationen mit der nicht-adjustierten Gesamtmortalität pro 1.000 Personenjahre:

  • 32,9 bei einer Frequenz von 18,5-56 Schritten pro Minute,

  • 12,6 bei 56,1-69,2 Schritten pro Minute,

  • 6,8 bei 69,3-82,8 Schritten pro Minute,

  • 5,3 bei 82,9-149,5 Schritten pro Minute.

Nach Adjustierung für die Gesamtzahl der Schritte pro Tag war die Schrittfrequenz allerdings nicht mehr mit einer niedrigeren Gesamtmortalität assoziiert.

Bestätigung bekannter Empfehlungen zur Bewegung

Je mehr Schritte man pro Tag zurücklegt, umso niedriger ist die Mortalität. Dies gilt vermutlich nicht nur für US-Amerikaner – und scheint die Empfehlungen mancher Fachgesellschaften zu bestätigen, wonach man 10.000 Schritte am Tag anstreben sollte.

Wie bei jeder Assoziationsstudie gilt aber die Einschränkung, dass nicht ohne weiteres auf einen kausalen Zusammenhang geschlossen werden darf. Eine vergleichsweise lange Nachbeobachtungszeit lässt allerdings hoffen, dass eine Adjustierung für die Tatsache, dass kranke Menschen weniger laufen, die positiven Assoziationen wohl allenfalls geschmälert aber nicht eliminiert hätte.

 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Univadis.de.

 

 

Kommentar

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