MEINUNG

So geht Corona unter die Haut: „Kann wie Masern oder Windpocken aussehen“ – ein Dermatologe zeigt COVID-19-Fall mit Erythem

PD Dr. Martin Hartmann

Interessenkonflikte

25. Mai 2020

Transkript des Videos von PD Dr. Martin Hartmann, Heidelberg:

Schönen guten Tag, hier ist Martin Hartmann aus der Hautklinik Heidelberg. Heute geht es um COVID-19-assoziierte Hautveränderungen und Exantheme.

Ich möchte von einer 31-jährigen Patientin berichten, die vor einigen Tagen die internistische Notfallambulanz der Uniklinik Heidelberg aufgesucht hat. Sie litt unter Fieber bis 38,5 °C und unter disseminierten Hautveränderungen. Bei der Patientin war seit 3 Tagen ein positiver SARS-CoV-2-Abstrich bekannt.

 

Die Hautveränderungen waren in einer dermatologischen Online-Sprechstunde als Skabies diagnostiziert und dementsprechend behandelt worden. Da die Patientin klinisch nur leicht erkrankt war, konnte sie wieder nach Hause entlassen werden.

Kurz danach suchte sie erneut die Ambulanz auf, diesmal lautete die Online-Diagnose des Dermatologen Erythema exsudativum multiforme mit Verdacht auf Lyell-Syndrom.

Klinisch imponierten bei der Patientin konfluierende rötliche stammbetonte Hautveränderungen, die randbetont waren und teilweise im Zentrum stärkere Rötungen aufwiesen. Das bezeichnen wir als multiformes Erythem. Sämtliche Schleimhäute waren frei.

Unter einer symptomatischen Therapie konnte die Patientin wieder nach Hause entlassen werden.

Hautveränderungen bei COVID-19

Wie bei allen viralen Infektionen können auch bei COVID-19 Exantheme auftreten. Sie erinnern an Masern. Meist sind sie morbilliform, makulopapulös oder auch urtikariell, also wie eine Nesselsucht. Seltener sind sie vesikulös, dann erinnern sie an die Windpocken.

 

Bei COVID-19 fällt auf, dass bei jüngeren Patienten mit einem leichteren Krankheitsverlauf im späteren Krankheitsstadium um den 12. bis 14. Tag auch akrale Manifestationen an Händen und Füßen auftreten können, livide Veränderungen mit Schwellung, mit Pusteln und Bläschen – ein Bild, das an Pernionen (Frostbeulen) oder einen Chilblain-Lupus erinnert.

Diese Pseudo-Chilblain-artigen Bilder haben Forscher in Spanien in bis zu 20% der Hautveränderungen bei den COVID-19-Patienten beobachtet (Anm. d. Red.: Einen fotografischen Atlas von den Hautveränderungen durch COVID-19, erstellt von den Autoren der Studie, finden Sie hier).

Alle Hautveränderungen heilen komplikationslos ab.

 

Wichtig ist die differenzialdiagnostische Unterscheidung zu Arzneimittelexanthemen. Diese sind überwiegend morbilliform oder makulopapulös, seltener urtikariell. Hier ist es wichtig, eine Medikamentenanamnese zu erheben, weil die Arzneimittelexantheme in der Regel am 10. bis 14. Tag nach Beginn der Einnahme auftreten.

Die parainfektiösen Exantheme wie bei COVID-19 treten mit den Symptomen, mit dem Fieber auf und können vielgestaltig imponieren.

 

Wir finden also bei COVID-19 Exantheme, die andere Hauterkrankungen nachahmen. Deswegen sollte man bei Fieber und bei Hautveränderungen in der beschriebenen Morphologie an COVID-19 denken und eine entsprechende Diagnostik machen.

Das war es aus Heidelberg.

Danke fürs Zuhören.

Anm. d. Red.: Bitte beachten Sie auch die ausführliche Liste mit Literaturempfehlungen von Dr. Hartmann in den Referenzen. Copyright aller Darstellungen: PD Dr. Hartmann

Kommentar

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