MEINUNG

Endlich Entwarnung: ACE-Hemmer schützen eher und erhöhen nicht das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf

PD Dr. Nikolaus Sarafoff

Interessenkonflikte

18. Mai 2020

PD Dr. med. Nikolaus Sarafoff stellt eine Analyse aus dem Surgisphere Register vor. Sie untersuchte den Einfluss von kardiovaskulären Erkrankungen und ACE-Hemmern auf den COVID-19-Verlauf.

Transkript des Videos:

Mein Name ist Nikolaus Sarafoff und ich bin Kardiologie in München.

Die Coronavirus Pandemie hält die ganze Welt seit über 4 Monaten in Schach. Verlässliche wissenschaftliche Daten sind bisher nur spärlich vorhanden. Dies ist auch nicht verwunderlich, da in den stark betroffenen Gebieten inital in China oder Italien die Patientenversorgung im Vordergrund stand und eine vernünftige wissenschaftliche Erhebung, Auswertung, Analyse und Interpretation von Daten nun mal seine Zeit benötigt.

In den anfänglichen Fallberichten zeigte sich, dass Patienten mit bekannter kardiovaskulärer Erkrankung häufiger von einer Conaravirus-Infektion betroffen waren. Zudem bestand die Befürchtung, dass die bestehende medikamentöse Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen zusätzlich den Schweregrad einer Coronavirus-Infektion negativ beeinflussen kann. Dies liegt daran, dass die Aufnahme von SARS-CoV-2 in die menschliche Zelle über das Angiotensin Converting Enzym erfolgen kann.

ACE-Hemmer und Sartane wurden somit verdächtigt, die Aufnahme von dem Virus zu erleichtern und dann nachfolgend den Krankheitsverlauf zu erschweren. Dies war aber nie bewiesen worden, und alle Fachgesellschaften hatten abgeraten, ACE-Hemmer oder Sartane abzusetzen.

Die Studie

Die vorliegende Arbeit, die gerade im NEJM publiziert wurde, analysiert Daten aus dem „Surgisphere“ Register aus 169 Krankenhäusern in 11 Ländern in Asien, Europa und Nordamerika.

Es wurden insgesamt 8910 hospitalisierte Patienten mit PCR gesicherter COVID-19 Infektion von Dezember 2019 bis März 2020 eingeschlossen. Das mittlere Alter der Patienten betrug 49 Jahre und 16% waren über 65 Jahre alt. 11% der Patienten hatten eine koronare Herzerkrankung und 2,5% eine COPD. 15% der Patienten nahmen ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker.

Die Patienten waren im Mittel 11 Tage im Krankenhaus und die Gesamtmortalität im Krankenhaus betrug 5,8%. Von den Patienten, die auf eine Intensivstation aufgenommen wurden, starben 25% im Vergleich zu 4% der restlichen Patienten.

 
Ein niedrigeres Sterberisiko hatten Frauen und Patienten, die ACE-Hemmer oder Statine genommen hatten. PD Dr. Nikolaus Sarafoff
 

In der multivariaten Analyse zeigte sich ein erhöhtes Mortalitätsrisiko im Krankenhaus für Patienten, die älter als 65 Jahre sind, männliches Geschlecht, koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, kardiale Rhythmusstörungen, COPD und aktivem Raucherstatus.

Ein niedrigeres Sterberisiko hatten Frauen und Patienten, die ACE-Hemmer oder Statine genommen hatten. Diabetes mellitus oder eine immunosuppressive Therapie war kein unabhängiger Prädiktor für die Mortalität.

Es wird angenommen, dass die COVID-19-Infektion zu einer systemischen Infektion führt und somit eine existierende kardiovaskuläre Erkrankung destabilisieren kann. Auch bei anderen Viruserkrankungen, wie der saisonalen Grippe haben ältere Patienten ein erhöhtes Risiko zu sterben.

Insgesamt zeigte sich, dass ältere, männliche Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung, COPD oder aktivem Raucherstatus ein erhöhtes Mortalitätsrisiko hatten. Es konnte nicht bestätigt werden, dass ACE Hemmer oder Angiontensin-Rezeptor-Blocker einen negativen Einfluss auf die Coronavirus Erkrankung haben.

 
Es wurde weltweit wahrscheinlich noch nie so intensiv an einer Erkrankung geforscht wie an dem aktuellen Coronavirus. PD Dr. Nikolaus Sarafoff
 

Es wurde weltweit wahrscheinlich noch nie so intensiv an einer Erkrankung geforscht wie an dem aktuellen Coronavirus. In den nächsten Monaten erwarten wir viele weitere verlässliche Daten zum Infektionsrisiko, zum Krankheitsverlauf und zur Aussagekraft von Antikörpertests.

Hoffentlich gibt es in absehbarer Zeit auch mehr Erkenntnisse zu Therapiemöglichkeiten und zum stark ersehnten Impfstoff.

Mein Name ist Nikolaus Sarafoff aus München und ich freue mich, Sie bald wieder hier bei medscape.de begrüßen zu dürfen.

Bleiben Sie gesund!
 

Kommentar

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