Wie sich Patienten in Social Media über SARS-CoV-2 austauschen – und worauf Ärzte bei der Kommunikation achten sollten

Liz Neporent

Interessenkonflikte

27. März 2020

Beiträge über COVID-19 gelangen derart rasch in soziale Medien, dass es oft schwierig ist, zu unterscheiden, was Aufmerksamkeit verdient und was nicht. Medscape medical News hat viele Beiträge angesehen und gibt einen kurzen Überblick, welche interessant für Kliniker sein könnten.

Experten stellen auch die besten Hashtags für Twitter vor. Sie empfehlen, sich vom Begriff „soziale Distanzierung“ zu verabschieden und berichten, wie ein Arzt erfolgreich die Online-Betreuung seiner Patienten organisiert.

https://twitter.com/WilliamDale_MD/status/1240671081196732417

 

Kurze Anleitung für Kliniker zur Verwendung von Hashtags

Laut Tom Lee, Mitbegründer von Symplur, Entwickler eines Monitoring-Tool für soziale Medien im Gesundheitswesen, gibt es auf Twitter mindestens 100 Millionen Tweets pro Tag, die sich auf irgendeinen Aspekt der Coronavirus-Pandemie beziehen. Das Ausmaß ist so überwältigend, dass Symplur die Zahl der von ihnen analysierten Tweets drosseln musste, um einen Systemabsturz zu vermeiden.

Der Hashtag #SARSCoV2 werde mindestens 1.300 Mal pro Minute getwittert, sagte Lee gegenüber Medscape Medical News.

 
Menschen müssen eine gesunde körperliche Distanz wahren, um die Übertragung von COVID-19 zu vermeiden, aber wir müssen in Krisenzeiten eine emotionale Verbindung zu den Menschen herstellen. Dr. William Dale
 

Während #Coronavirus, #COVID19 und #COVID einheitliche Hashtags für die weltweite Konversation sind, empfiehlt Lee, weitere Hashtags hinzuzufügen, um im allgemeinen „Rauschen“ wahrnehmbar zu bleiben und Kollegen zu erreichen.

Verwenden Sie zum Beispiel #MedTwitter, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Ihr Tweet von medizinischen Fachkreisen gelesen wird.

Wenn Sie direkt mit Kollegen Ihres Fachgebiets sprechen möchten, fügen Sie einen Hashtag wie #cardiotwitter hinzu, wenn Sie Kardiologe sind, oder #psychtwitter, wenn Sie Psychiater sind.

Arbeiten Sie beim Austausch von Studien und wissenschaftlichen Theorien mit den Hashtags #COVIDfoam oder #COVIDfoamed. Diese leiten sich von „free open access medical education“ (also „freiem Zugang zu medizinischer Weiterbildung") ab.

Und erwägen Sie, einen stärker fokussierten Hashtag wie #FlattenTheCurve hinzuzufügen, wenn Sie sich beispielsweise Gedanken zur Eindämmung der Pandemie kommunizieren.

Änderung des Begriffs „soziale Distanz" könnte uns zusammenbringen

Dr.  William Dale, ein geriatrischer Onkologe am City of Hope Hospital in Duarte, Kalifornien, hat einen nachdenklich stimmenden Thread auf Twitter gepostet und Nutzer gebeten, den Begriff „soziale Distanzierung" durch „körperliche Distanzierung" zu ersetzen. Seine Argumentation: Worte, die wir verwenden, können unsere Wahrnehmung einer Situation verändern.

 
„#SocialDistancing (Soziale Distanzierung) sollten wir besser als #PhysicalDistancing (körperliche Distanzierung) bezeichnen, damit wir (…) unsere lebenswichtigen sozialen Verbindungen nicht vergessen (…). Dr. Daniel J. Siegel
 

„Menschen müssen eine gesunde körperliche Distanz wahren, um die Übertragung von COVID-19 zu vermeiden, aber wir müssen in Krisenzeiten eine emotionale Verbindung zu den Menschen herstellen", sagte Dale gegenüber Medscape Medical News.

„Soziale Isolation und Einsamkeit sind inzwischen als ernsthafte Bedrohungen für das Leben der Menschen, insbesondere älterer Menschen, erkannt worden, weshalb #Distancing (Distanzierung) oder #PhysicalDistancing (körperliche Distanzierung) eine emotional beruhigendere Botschaft für die öffentliche Gesundheit aussenden könnten“, sagte Dale. „#EmotionalConnection oder #Connecting könnten auch verwendet werden, wenn man versucht, Unterstützung in sozialen Medien zu erhalten.“

Dr. Daniel J. Siegel, Neuropsychiater und Bestsellerautor der New York Times, griff diesen Aspekt mit einem eigenen Tweet auf. „#SocialDistancing (Soziale Distanzierung) sollten wir besser als #PhysicalDistancing (körperliche Distanzierung) bezeichnen, damit wir angesichts von #COVID19 unsere lebenswichtigen sozialen Verbindungen nicht vergessen und unser Bedürfnis, uns gegenseitig zutiefst zu unterstützen – Präsenz statt Panik!“

Die Idee des „gesunden Abstands" findet in der Twittersphäre keine Resonanz. #Socialdistancing (soziale Distanz), #shelterinplace (Unterschlupf vor Ort), und #quarantine (Quarantäne) sind hingegen seit Wochen im Trend.

Helfen Sie Ihren Patienten dabei, sich virtuell auszutauschen

„Da sich COVID oft wie eine Erkältung mit Muskelschmerzen anfühlt, erhielt ich Anrufe und E-Mails von meinen chronisch kranken Patienten, die sich Sorgen machten, dass die Medikamente, die sie einnehmen, wichtige Symptome der Krankheit verdecken könnten, erklärte die kanadische Physiotherapeutin Dr. Andrea Furlan, gegenüber Medscape Medical News.

Furlan und eine Gruppe von Kollegen beschlossen, Anfang der Woche einen #COVIDpain-Tweet-Chat durchzuführen, um auf diese Bedenken einzugehen und um Patienten zusammenzubringen.

Die Resonanz sei bemerkenswert gewesen, sagte Furlan. Der einstündige Chat zog mehr als 1.700 Teilnehmer an, darunter prominente Ärzte wie Dr. Fiona Campbell, die Präsidentin der kanadischen Schmerzgesellschaft.

 
Es ist nicht in Ordnung, etwas zu teilen, das Menschen in Gefahr bringt. Mark Zuckerberg
 

Es gab mehr als 3.000 Tweets in der Stunde, und der Hashtag #COVIDpain trendete in Kanada. Der Erfolg hat Furlan zur Planung eines weiteren #COVIDpain-Tweet-Chats inspiriert.

Sie empfiehlt, dass andere Ärzte in Erwägung ziehen sollten, ähnliche Wege zur Unterstützung ihrer Patienten zu finden, ganz besonders, weil persönliche Besuche in absehbarer Zukunft wahrscheinlich selten sein werden.

COVID-19: Betreiber sozialer Medien gehen gegen Fake News vor

Twitter, Facebook, Instagram & Co: Dass soziale Medien Fake News bei medizinischen Themen verbreiten, ist nicht neu. Neu ist aber, dass die Plattformen dagegen vorgehen – jedenfalls im Zusammenhang mit COVID-19 und Sars-CoV-2.

Während Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bislang eher gelassen mit Fake News umging, reagiert er in Zeiten der Corona-Krise anders, Jetzt, so Zuckerberg auf seinem Facebook-Profil, gehe es um Menschenleben. „Es ist nicht in Ordnung, etwas zu teilen, das Menschen in Gefahr bringt”, schreibt er.

Und Facebook reagiert: Die Plattform verschenkt Werbeflächen an die WHO, so viele, wie die Organisation haben will – auch auf Instagram, das zu Facebook gehört. Stellt die Gesundheitsbehörde fest, dass eine Meldung Unfug ist, wird der Content gelöscht.

Wer auf Facebook nach SARS-CoV-2 sucht, wird auf seriöse Quellen hingewiesen. Ein „Corona-Informationszentrum“ erklärt, was wahr ist und was nicht. Und Facebook verbietet Werbung für unseriöse Medikamente in Zusammenhang mit COVID-19. Auf Instagram wiederum werden alle Hashtags blockiert, unter denen Falschmeldungen zu finden sind.  

Facebook unterstützt auch die “Initiative gegen Corona". „Gerade in diesen Zeiten müssen wir alle unserer Verantwortung gerecht werden. Es ist uns ein Anliegen, dass die Menschen in Deutschland hilfreiche und authentische Informationen sehen. Daher unterstützen wir die Initiative und verlängern sie auf unseren Plattformen", teilt Tino Krause, Facebook Country Director DACH, dazu mit.

Andere Plattformen ziehen nach, Google beispielsweise. Wer dort nach „Coronavirus“ sucht, findet nur mühsam Fake News. Seitenweise werden Informationen von Behörden und seriösen Medien aufgelistet. Die Algorithmen tun, was sie bislang nicht getan haben: Sie unterdrücken Unfug. Ähnliches passiert bei Youtube, das zu Google gehört.

Auf Twitter sehen Nutzer bei ihrer Suchfunktion ein großes Logo: „Neuigkeiten zur Covid-19-Situation in Deutschland“. Wer darauf klickt, findet Hinweise von Behörden und Artikel aus seriösen Medien.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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