COVID-19: Noch hat Deutschland ausreichende intensivmedizinische Kapazitäten. Aber wenn die Zahlen steigen …

Heike Dierbach

Interessenkonflikte

25. März 2020

Noch scheinen sich CoV-19-Erkrankungen bundesweit im Rahmen zu halten: 769 Personen mussten deswegen intensivmedizinisch behandelt werden (Stand 25.3.2020, 00:00 Uhr), heißt es im Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das nicht alle Kliniken erfasst [1].

Doch wenn diese Zahlen weiter ansteigen, kommt als bange Frage: Wird es gelingen, schnell genügend zusätzliche Intensivbetten zu organisieren – und vor allem ausreichende Beatmungsplätze?

Beatmungsgeräte: Liefertermine sind unklar

28.000 Intensivbetten gab es bisher regulär in Deutschland. Bund und Länder planen, diese Kapazitäten zu verdoppeln. Das geht aus einem letzte Woche beschlossenen gemeinsamen Krankenhaus-Notfallplan hervor. Die Länder sollen gemeinsam mit den Kliniken für provisorische Intensivbetten sorgen. Außerdem ist geplant, weitere Beatmungsgeräte zu beschaffen.

Derzeit gibt es bundesweit 25.000 Beatmungsplätze. Wie schnell allerdings zusätzliche Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen, ist unklar. Dräger, einer der größten Hersteller, sagte gegenüber Medscape Deutschland, die Auslieferung von 10.000 durch die Bundesregierung bestellten Stück erstrecke sich „über das gesamte Jahr“.

Nicht nur Beatmungsgeräte könnten knapp werden

Insgesamt gab es am Mittwoch 00:00 Uhr in Deutschland 31.554 dokumentierte SARS-CoV-2-Fälle, das sind 38 pro 100.000 Einwohner. 149 Menschen sind gestorben.

Um den erwarteten weiteren Anstieg von Patienten zu bewältigen, sieht der Notfallplan eine Arbeitsteilung vor: Während einige Kliniken sich auf den Ausbau ihrer Intensivkapazitäten konzentrieren, sollen andere Häuser zusätzliche „normale“ Betten bereitstellen, um die Intensivzentren zu entlasten. Dafür sollen auch Betten in Reha-Einrichtungen, Hotels und Hallen aufgestellt werden.

Eng könnte es allerdings beim Personal werden – schon im Normalbetrieb belegen manche Kliniken Intensivbetten nicht, weil qualifiziertes Personal fehlt. Krankenhäuser, so der Plan, sollen deshalb jetzt extra Personal schulen.

Verfügbare Intensivbetten: Noch steht die Ampel auf Grün

Um eine Übersicht zu schaffen, wo wie viele Plätze verfügbar sind, haben die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Robert Koch-Institut und die Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam ein Register eingerichtet, das die Auslastung bundesweit anzeigen soll. Bisher beteiligt sich daran rund die Hälfte der Intensivstationen, Tendenz steigend.

Auf einer Karte kann jeder sehen, wie viele Intensivbetten ein Bundesland innerhalb von 24 Stunden mobilisieren kann und wie viele aktuell mit SARS-CoV-2-Patienten belegt sind. Im detaillierten Register wird die Auslastung pro Klinik angegeben und mit grünen, gelben oder roten Punkten gekennzeichnet. Am Mittwoch um 12:00 Uhr gab es noch hauptsächlich grüne Punkte, vereinzelt aber auch schon gelbe und einige rote.

Die meisten Intensivfälle pro 100.000 Einwohner gibt es laut DIVI derzeit in Hamburg und Baden-Württemberg, die wenigsten in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern (Stand 25.3., 00:00 Uhr). Auch in Hamburg waren aber erst 46 Intensivbetten durch Corona-Patienten belegt. Laut DIVI können hier binnen 24 Stunden 239 zusätzliche Betten bereitgestellt werden.

Beatmungsgeräte: Lieferengpässe können nicht ausgeschlossen werden

Berlin und Brandenburg haben angekündigt, ihre Kapazitäten an Beatmungsplätzen zu verdoppeln. Die Charité soll die zentrale Steuerung übernehmen: Die schwersten Fälle werden dort behandelt, die anderen verteilt. Es laufen bereits Pläne, die Berliner Messe zu einem provisorischen Krankenhaus umzubauen.

Der Hersteller Dräger hat bereits im Februar seinen Schichtbetrieb von Beatmungsgeräten in Lübeck hochgefahren. „Wir bereiten eine weitere Ausweitung vor“, sagt Pressesprecherin Melanie Kamann gegenüber Medscape. „Parallel dazu gehen wir auch Engpassfaktoren wie beispielsweise Testequipment und Testräume an.“

Denn der Ausbau des Schichtbetriebs allein löse keine Kapazitätsengpässe. Kamann: „Wir werden im weiteren Jahresverlauf auch noch die Zahl der Beschäftigten erhöhen.“ Engpässe könnten aber wegen der globalen Lieferketten und reduzierter Transportkapazitäten nicht völlig ausgeschlossen werden. „Wir sehen eine weltweit erhöhte Nachfrage nach Beatmungsgeräten sowie einen vermehrten Bedarf an Zubehörprodukten für die Beatmung“, so die Sprecherin.

 

Kommentar

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