MEINUNG

Wichtige Ratschläge für Diabetiker: Wie sich Ärzte und Patienten jetzt auf die COVID-19-Epidemie vorbereiten sollten

Dr. Anne L. Peters

Interessenkonflikte

16. März 2020

Die amerikanische Diabetes-Spezialistin Prof. Dr. Anne L. Peters ist Direktorin an der Keck School of Medicine an der, University of Southern California, Los Angeles. In einem Video auf Medscape.com gibt sie folgende Ratschläge für Diabetologen und ihre Patienten, wie sie sich auf die Coronaviurs-Krise vorbereiten können:

Ich habe für viele Anrufe von meinen Diabetes-Patienten erhalten, die verständlicherweise wegen COVID-19 und ihrem Risiko besorgt sind, so dass ich denke, dies wäre ein wichtiges Thema für uns, das wir diskutieren sollten.

Ich bin keine Spezialistin für Infektionskrankheiten, deshalb werde ich nicht über das Virus an sich sprechen. Aber ich versuche, mich in der Literatur auf dem Laufenden zu halten, damit ich unseren Patienten helfen kann, eine Infektion zu vermeiden.

Dr. Anne L. Peters

Jede Nacht suche ich nach veröffentlichten Primärstudien und prüfe dann die Empfehlungen der CDC. Ich möchte den Empfehlungen folgen, um meinen Patienten zu helfen, nicht zu erkranken.

Die Menschen hören häufig, dass Diabetes ein Risikofaktor für einen schlimmen, auch tödlichen Verlauf von COVID-19 ist. Verständlicherweise macht dies Menschen mit Diabetes Angst.

Was wissen wir über Infektionen bei Patienten mit Diabetes?

Die Literatur ist ein bisschen widersprüchlich, und wir führen in diesem Bereich keine randomisierten kontrollierten Studien durch.

Insgesamt deutet die Literatur darauf hin, dass Menschen mit Diabetes etwas häufiger an Infektionen erkranken als solche, die nicht an Diabetes leiden, und dass sie oftmals schlechtere Resultate aufweisen.

Wir wissen auch, dass die Erkrankung das Diabetes-Management erschweren kann. Die Krankheit selbst kann die Insulinresistenz und den Blutzuckerspiegel erhöhen.

Wenn ein Patient sich erbricht und nicht in der Lage ist, zu essen und Flüssigkeit aufzunehmen, kann das zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels und zu allen möglichen Problemen beim Diabetes-Management führen.

Denken wir über Infektionen bei Menschen mit Diabetes nach, wollen wir sowohl verhindern, dass sie sich infizieren, als auch ihnen dabei helfen, wenn es im Lauf einer Infektion zu Problemen mit der Blutzuckereinstellung kommt.

Es gibt viele Fragen, auf die wir keine Antwort haben.

Wir wissen nicht, ob es Unterschiede in Bezug auf die Infektionsraten zwischen Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes gibt, oder ob Menschen mit einem HbA1c < 7% besser oder schlechter abschneiden als Patienten mit einem HbA1c von 10%.

Nach dem, was wir über COVID-19 wissen, verschlechtern sich die Ergebnisse, wenn man älter ist und Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen aufweist. Was wir nicht wissen ist, wie das Risiko bei einem gesunden, jungen Menschen ohne Komorbiditäten aussieht, dessen Erkrankung gut kontrolliert ist.

Wie Sie sich auf COVID-19 vorbereiten

Ich versuche, realistisch zu sein und Trost anzubieten, wo ich kann, und den Menschen zu helfen, sich vorzubereiten, damit sie während der Erkrankung ihren Diabetes managen können.

Alle Menschen, die an Diabetes leiden müssen sich darauf vorbereiten. Zusätzlich zu dem, was wir alle gehört haben über Distanz zu anderen Menschen halten, Händewaschen und all die Maßnahmen, die jeder befolgen muss, müssen Diabetiker die Sicherheit haben, dass ihre Medikamente mit so viel Nachschub wie möglich verfügbar sind.

Es wäre ideal, wenn Patienten zusätzliche Medikamente bekommen könnten, damit sie einen zusätzlichen Vorrat anlegen können, aber für viele ist das nicht möglich.

 
Alle Menschen, die an Diabetes leiden müssen sich darauf vorbereiten.
 

Wir als Ärzte müssen – wenn wir Medikamente verschreiben - sicher gehen, dass wir den Menschen so große Vorräte wie möglich mitgeben, damit sie ihre Medikamente weiterhin nehmen können.

Es ist sinnvoll, Medikamente per Post zuzustellen, damit die Patienten nicht persönlich in die Apotheke gehen müssen.

Wenn es eine echte Epidemie gibt und Ärzte und Pflegekräfte mit kranken Menschen überfordert sind, müssen Menschen mit Diabetes, die Insulin nehmen, daran denken, dass sie bei Walmart immer Phiolen von NPH und reguläres Insulin ohne Rezept bekommen können (Anm. d. Red.: Bezieht sich nur auf die USA).

Ich möchte nicht, dass Jemandem das Insulin ausgeht, weil er in dieser Phase seinen Arzt nicht erreichen kann.

Im Idealfall sind alle darauf vorbereitet, dass ihnen ihre Vorräte und Medikamente nicht ausgehen, aber es ist immer gut, einen Notfallplan zu haben.

Zusätzlich zu den Medikamenten müssen die Patienten sicher sein, dass sie zu Hause ein Blutzuckermessgerät und Teststreifen haben, auch wenn sie ein kontinuierliches Blutzuckermessgerät nutzen, damit sie ihren Blutzuckerspiegel testen können, wenn sie krank werden.

Im Idealfall sollten die Regeln für Krankheitstage mit jedem Patienten besprochen werden; aber zumindest sollten die Patienten ermutigt werden, zu Hause sowohl nicht zuckerhaltige als auch zuckerhaltige Flüssigkeiten wie Apfelsaft oder zuckerhaltige Limonaden vorrätig zu haben.

Es ist gut, Elektrolyttabletten und Brühe zur Hand zu haben. Die Patienten müssen die Möglichkeit haben, Flüssigkeiten zu konsumieren, unabhängig davon, ob sie Kohlenhydrate enthalten oder nicht, wenn sie diese benötigen.

Die Menschen müssen sich auch mit nicht verderblichen Waren wie Konserven eindecken, damit sie essen können, um ihren Glukosespiegel in einem gesunden Bereich zu halten.

Patienten mit Diabetes sollten daran denken, mit sich selbst achtsam zu sein, denn sie wissen, dass Veränderungen im Lebensstil, Stress und Krankheit den Glukosespiegel auf alle möglichen Arten beeinflussen können.

Normalerweise steigen die Glukosespiegel an, aber manchmal sinken sie auch ab. Es ist wichtig, den Blutzuckerspiegel im Auge zu behalten und bei Bedarf zu überwachen und anzupassen, um im Normbereich zu bleiben.

Als Ärzte müssen wir sicher gehen können, dass unsere Patienten gut mit den notwendigen Medikamenten versorgt sind, dass sie ausreichend Kohlenhydrate zur Verfügung haben um Hypoglykämien zu vermeiden und zu behandeln wenn sie Insulin und oder Sulfonylharnstoff einnehmen, und dass sie einen Krankentagplan haben, der ihnen hilft, ihren Diabetes zu managen, wenn sie erkranken.

Schließlich sollten alle Patienten auf dem neuesten Stand sein, was Impfungen betrifft. Viele sind immer noch nicht geimpft, und wir sollten sicherstellen, dass wir das mit den Patienten besprechen, wenn wir sie sehen.

Das ist eine Zeit der Unsicherheit, aber wir können im Leben unserer Patienten einen Unterschied ausmachen, wenn wir ruhig und sachkundig sind und auf veränderte Umstände reagieren.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

Kommentar

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