„Vielleicht wird das Virus nicht nur durch Husten oder Niesen verbreitet“: Hinweise für fäkale Übertragung von SARS-CoV-2

Ricki Lewis

Interessenkonflikte

16. März 2020

Die fäkal-orale Übertragung könnte bei COVID-19 eine Rolle spielen, wie aus 2 in Gastroenterology veröffentlichten Berichten hervorgeht [1,2].

Die Forscher stellen fest, dass RNA und Proteine von SARS-CoV-2 schon zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion und auch noch nach Abklingen der Atemwegsbeschwerden mit dem Kot ausgeschieden werden. 

 
Es gibt Hinweise auf das Virus im Stuhl, aber keine Hinweise darauf, dass das Virus auch infektiös ist. Prof. Dr. David A. Johnson
 

Aber der Befund ist vorläufig. „Es gibt Hinweise auf das Virus im Stuhl, aber keine Hinweise darauf, dass das Virus auch infektiös ist“, sagte Prof. Dr. David A. Johnson, Leiter der Gastroenterologie an der Eastern Virginia School of Medicine in Norfolk, USA, gegenüber Medscape Medical News.

Ausscheidung über Stuhl auch bei SARS und MERS

Die Ergebnisse sind nicht völlig unerwartet. Auch die SARS und MERS verursachenden Coronaviren wurden im Stuhl ausgeschieden, merkt Dr. Jinyang Gu, von der Shanghai Jiao Tong University School of Medicine in Shanghai, China, und Kollegen, in dem einen der neu veröffentlichten Artikel an.

Als sich COVID-19 über China hinaus verbreitete, bemerkten die Ärzte außerdem bei einigen Patienten erste leichte gastrointestinale (GI) Symptome wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, die dem typischen Fieber, trockenem Husten und Atemnot vorausgingen.

Der erste Patient, bei dem in den Vereinigten Staaten COVID-19 diagnostiziert wurde, berichtete über 2 Tage Übelkeit und Erbrechen, wobei virale RNA in Fäkal- und Atemproben nachgewiesen wurde, wie aus einem früheren Bericht hervorgeht.

 
Alles in allem sollten einige Anstrengungen unternommen werden, um bei ersten Symptomen im Verdauungstrakt an COVID-19 zu denken … Dr. Jinyang Gu und Kollegen
 

Gu und Kollegen merken an, dass bei den ersten Untersuchungen die Fälle, die sich zunächst nur als leichte gastrointestinale Symptome manifestierten, wahrscheinlich nicht berücksichtigt worden waren.

Obwohl frühe Berichte darauf hinwiesen, dass nur etwa 10% der Menschen mit COVID-19 gastrointestinale Symptome zeigen, sei nicht bekannt, ob einige Infizierte nur GI-Symptome aufweisen, sagt Johnson.

Die GI-Manifestationen sind konsistent mit der Verteilung der ACE2-Rezeptoren, die sowohl für SARS-CoV-2 als auch für SARS-CoV-1, das SARS verursacht, als Eintrittspforten dienen. Beide nutzen das transmembranäre Enzym ACE2 als Rezeptor, um in ihre Wirtszellen zu gelangen und ihre Replikation zu starten.

Die Rezeptoren sind am häufigsten in den Zellmembranen der AT2-Zellen der Lunge sowie in den Enterozyten im Ileum und Kolon vorhanden.

„Alles in allem sollten einige Anstrengungen unternommen werden, um bei ersten Symptomen im Verdauungstrakt an COVID-19 zu denken, um eine frühe Erkennung, eine frühe Diagnose, eine frühe Isolierung und ein frühes Eingreifen zu ermöglichen“, so Gu und Kollegen abschließend.

Virale RNA in mehr als der Hälfte der Stuhlproben

Im zweiten veröffentlichten Artikel berichten Dr. Fei Xiao, von der Sun Yat-sen Universität in der Provinz Guangdong, China, und Kollegen über den Nachweis viraler RNA in Proben aus Mund, Nase, Hals, Urin und Kot von 73 Patienten, die in den ersten beiden Februarwochen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Von den 73 hospitalisierten Patienten wiesen 39 (53%; 25 Männer und 14 Frauen) virale RNA im Stuhl auf, die zwischen 1 und 12 Tagen vorhanden war. 17 (23,29%) der Patienten wiesen nach einer Verbesserung der Atemwegsbeschwerden weiterhin virale RNA im Stuhl auf.

Bei einem Patienten wurde eine Endoskopie durchgeführt. Es gab keine Anzeichen für eine Schädigung des gastrointestinalen Epithels, aber die Ärzte stellten leicht erhöhte Werte von Lymphozyten und Plasmazellen fest.

 
Die Verhinderung der fäkal-oralen Übertragung sollte in Betracht gezogen werden, um die Verbreitung des Virus zu kontrollieren. Dr. Fei Xiao und Kollegen
 

Die Forscher benutzten ein Laser-Scanning-Mikroskop, um die bei der Endoskopie entnommenen Proben zu analysieren. Sie fanden Hinweise sowohl auf ACE2-Rezeptoren als auch auf virale Nukleokapsidproteine in den Epithelzellen des Magens, des Zwölffingerdarms und des Enddarms.

Der Nachweis von SARS-CoV-2 im gesamten GI-System, wenn auch nicht unmittelbar infektiös, deutet auf einen fäkal-oralen Übertragungsweg hin, folgern Xiao und Kollegen.

„Unsere Daten zeigten, dass ACE2, ein Rezeptor für SARS-CoV-2, in den Drüsenzellen des Magen-, Duodenal- und Rektalepithels reichlich exprimiert wird, was den Eintritt von SARS-CoV-2 in die Wirtszellen unterstützt.“

Der Nachweis von viraler RNA zu verschiedenen Zeitpunkten der Infektion, schreiben sie, deutet darauf hin, dass die Virionen kontinuierlich ausgeschieden werden und daher wahrscheinlich infektiös sind, was derzeit untersucht wird. „Die Verhinderung der fäkal-oralen Übertragung sollte in Betracht gezogen werden, um die Verbreitung des Virus zu kontrollieren“, schreiben Xiao und Kollegen.

Mögliche fäkal-orale Übertragung berücksichtigen

Die aktuellen Empfehlungen verlangen nicht, dass die Kotproben der Patienten getestet werden müssen, bevor sie als nicht infektiös gelten. Angesichts ihrer Ergebnisse und der Erkenntnisse aus anderen Studien empfehlen Xiao und ihre Kollegen jedoch, den aktuellen Protokollen eine Echtzeit-PCR von Stuhlproben hinzuzufügen.

Johnson liefert praktische Vorschläge auf der Grundlage der „Töpfchenhygiene“, Vorschläge, die er ansonsten Patienten gibt, die an einer Clostridioides-difficile-Infektion leiden.

„Um die Mikroaerosolierung von C.-difficile-Sporen zu bekämpfen, fordere ich die Patienten dazu auf, das Toilettenbecken, andere Oberflächen und insbesondere Zahnbürsten bakterizid abzuwaschen“. Die Toilettenschüssel geschlossen zu halten, wenn sie nicht benutzt wird, sei ebenfalls wichtig, um die „fäkal-orale Übertragung von Überresten“ des Toiletteninhalts zu verhindern, fügt er hinzu.

Die neuen Papiere ergänzten andere Berichte, die darauf hindeuten, dass virushaltige Tröpfchen die Menschen auf verschiedene Weise erreichen können, sagt Johnson. „Vielleicht wird das Virus nicht nur durch Husten oder Niesen verbreitet.“

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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