Düstere Stimmung wegatmen: Yoga (einmal wöchentlich) könnte Depressionen über Erhöhung des GABA-Spiegels mildern

Pauline Anderson

Interessenkonflikte

6. März 2020

Yoga scheint die Stimmung zu verbessern, indem es die Aktivität eines Aminosäure-Neurotransmitters erhöht, der dafür bekannt ist, dass er Stimmung, Angst und Schlaf beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt eine kleine randomisierte Studie, die im Journal of Alternative and Complementary Medicine veröffentlicht worden ist [1].

Die Studienautoren fanden heraus, dass Yoga bei Patienten mit Major Depression (MDD) mit verbesserter Stimmung und erhöhten Leveln an Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) assoziiert war.

Prof. Dr. Chris Streeter

„Die Studie legt nahe, dass der erhöhte GABA-Level nach Yoga zeitlich begrenzt ist, ähnlich wie eine pharmakologische Behandlung und zwar so, dass eine Yoga-Session pro Woche die erhöhten GABA-Spiegel erhalten könnte“, so Studienleiter Prof. Dr. Chris Streeter von Boston University School of Medicine in Massachusetts, USA, in einer Pressemitteilung.

 
Die Studie legt nahe, dass der erhöhte GABA-Level nach Yoga zeitlich begrenzt ist, ähnlich wie eine pharmakologische Behandlung … Prof. Dr. Chris Streeter
 

Die Forschung zeigt, dass rund 40% der depressiven Patienten, die mit Antidepressiva behandelt werden, nicht vollständig genesen. „Die Daten weisen sehr stark darauf hin, dass sich ihr Zustand bessert, wenn diese Patienten mit Yoga beginnen“, sagte Streeter zu Medscape Medical News. „Ich denke, Ärzte sollten das als eine Art ‚Gesamtpaket‘ betrachten“, meint der Direktor des Boston Yoga Research Centers der Medical School. „Es sollte nicht nur sein: ‚Nimm eine Pille.‘, es sollte sein ‚Nimm eine Pille und tue etwas zur Stressreduktion‘ – und Yoga ist sicherlich eine akzeptable Methode, dies zu tun.“

Depression ist eine verbreitete und beeinträchtigende Erkrankung. Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass Depression weltweit die Hauptursache für eine Behinderung ist. In den USA erkranken jedes Jahr 16 Millionen Menschen.

Yoga in hoher und niedriger „Dosis“

Die Evidenz wächst, dass Yoga mit der Abnahme depressiver Symptome assoziiert ist. Allerdings sind die Mechanismen, durch die Yoga diesen Effekt bewirkt, relativ unerforscht. Das GABA-System wurde aber bereits mit depressiven Symptomen in Verbindung gebracht.

Um mehr herauszufinden randomisierten die Forscher Patienten mit MDD in 2 Gruppen – eine mit intensiver Yoga-Intervention (high-dose group, HDG), eine mit weniger intensiver (low-dose group LDG).

Die HDG-Teilnehmer nehmen an 3 je 90-minütigen Yoga-Sessions pro Woche teil und machten 4 je 30-minütige Yoga-Übungen zuhause. Die LDG-Teilnehmer hatten 2 je 90-minütige Yoga-Sessions pro Woche und 3 je 30-minütige Yoga-Übungen zuhause.

Jede Yoga-Session beinhaltete etwa 60 Minuten Lysngar-Yoga, 10 Minuten Entspannung und 20 Minuten Übungen im „kohärenten“ Atmen. Dies beeinhaltet 5 Atemzüge pro Minute mit gleich langem Ein- und Ausatmen. Jede Heim-Übung umfasste 15 Minuten Yoga-Körperübungen und 15 Minuten kohärentes Atmen.

Lyengar-Yoga ist eine relativ sanfte Form, bei der besonderer Wert auf die präzise Ausführung der Übungen gelegt wird. Bei dieser Form werden manchmal auch Hilfsmittel wie Gurte und Decken eingesetzt, um das Risiko für Verletzungen und Überlastungen zu minimieren.

Blick ins Gehirn

Die Forscher suchten zu verschiedenen Zeitpunkten mittels Magnetresonanztomographie (MRT) und Magnetresonanz-Spektroskopie (MRS) nach Veränderungen der GABA-Menge im Thalamus. Dem ersten Scan wurden die Studienteilnehmern vor der Randomisierung unterzogen, dem zweiten nach 12 Wochen und dem dritten unmittelbar nach einer 90-minütigen Yoga-Session. Zwischen dem zweiten und dritten Scan lagen nur wenige Stunden. Die Forscher interessierten sich für den linken Thalamus. Diese Region ist funktionell mit Hirnregionen verbunden, die mit der Stimmungsregulation assoziiert sind.

GABA-Level steigen und fallen mit den Progesteron-Werten. Progesteron wird zu Allo-Pregnanolon verstoffwechselt, das direkt an GABA-A-Rezeptoren bindet und die Funktion des GABA-Systems moduliert. Allo-Pregnanolon hat angstlösende und antidepressive Effekte.

Um sicherzustellen, dass Teilnehmer nicht gescannt wurden, wenn die GABA-Level natürlicherweise anstiegen, ermittelten die Forscher bei den weiblichen Teilnehmern die GABA-Level in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus.

Die Compliance der Teilnehmer wurde über Unterschrift bei jeder Yoga-Session und wöchentlich auszufüllenden Berichtsformularen zu den Heimübungen ermittelt.

In die Analyse wurden 28 Patienten aufgenommen. Das mittlere Alter lag bei 37 Jahren, 82% waren Frauen. Die beiden Studiengruppen waren hinsichtlich ihres demographischen und gesundheitlichen Status vergleichbar. Die HDG-Gruppe hatte allerdings einen signifikant höheren Anteil an postmenopausalen Frauen (38,3% vs 6,7%) und einen tendenziell geringeren Body-Mass-Index (BMI). 

Ein Yoga-Termin pro Woche

Die Ausgangswerte für den Beck-Depressive-Inventory-Score (BDI) lagen in der HDG-Gruppe bei 24,38 und in der LDG-Gruppe bei 27,73. Am Ende der Studie gab es in beiden Gruppen signifikante Änderungen im BDI-Score (p < 0,05). Zwischen den Gruppen gab es allerdings keine signifikanten Unterschiede. Dies könnte aber durch die kleine Teilnehmerzahl bedingt sein, sagt Streeter.

Beim Vergleich der Veränderung der GABA-Menge zeigte die ganze Kohorte einen Trend zu einer Erhöhung des GABA-Levels im Thalamus. Bei der getrennten Betrachtung beider Gruppen zeigte sich, dass es in der LDG-Gruppe eine signifikante Erhöhung (p = 0,032) beim GABA-Wert gab, aber nicht in der HDG-Gruppe

Bei 14 der 28 Teilnehmer hatte sich der GABA-Wert erhöht, bei 14 verringert. Als die Forscher analysierten, welche Faktoren mit einer Erhöhung der GABA-Werte einherging, fanden sie nur zwischen der Anzahl der Tage, die die Yoga-Intervention gedauert hatte und dem zweiten Scan eine signifikante Assoziation (p = 0,022).

Erhöhte GABA-Werte wurden nach rund 4, aber nicht mehr 8 Tage nach der Intervention beobachtet. Diese Ergebnisse legen nahe, dass mindestens eine Yoga-Session pro Woche notwendig sein könnte, um einen erhöhten GABA-Wert zu gewährleisten.

„Wir haben die Ergebnisse in jeder Hinsicht analysiert“, um Faktoren zu finden, die mit erhöhten GABA-Werten assoziiert sind, sagt Streeter. „Wir berücksichtigen die Menopause, das Alter, wir zogen jeden Grund in Betracht, der es erklären könnte, aber das einzige, was wir fanden, war der Zeitraum seit der letzten Intervention.“

Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass „die Zeit zwischen der letzten Intervention und dem Scan einen größeren Einfluss auf die GABA-Werte haben könnte als die Zuordnung zur HDG- oder LDG-Gruppe“, merken die Autoren an.

Es sei schwierig herauszufinden, ob es das Atmen, die Körper-Positionen oder der meditative Effekt durch Yoga ist, der den positiven Einfluss auf die GABA-Menge hat, sagt Streeter. Allerdings ist es viel leichter festzustellen, ob eine Person im richtigen Rhythmus atmet und die korrekten Positionen einnimmt, als festzustellen, ob sie meditiert, merkt sie an.

„Eine besondere Stärke dieser Studie ist es, dass die Yoga-Übungen mit Hirn-Bildgebung kombiniert wurden, wodurch wichtige neurobiologische Erkenntnisse darüber gewonnen werden konnten, wie Yoga helfen könnte, Depression und Angst zu lindern“, so die an der Studie beteiligte Dr. Marisa Silveri von der Harvard Medical School, USA, in einer Pressemitteilung.

Die Autoren glauben, dass die Veröffentlichung von evidenzbasierten Daten Patienten mit Depressionen dazu ermutigen wird, Yoga zu probieren um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern.

Stärken und Schwächen der Studie

Yoga-Expertin Dr. Shirley Telles, Forschungsdirektorin der Patanjali Research Foundation in Haridwar, Indien, kommentiert die Ergebnisse gegenüber Medscape Medical News. „Die Ergebnisse legen nahe, dass Yoga kombiniert mit Atemtechnik die positive Verschiebung der GABA-Werte bei den Teilnehmern bewirkt.“ Eine Stärke der Studie sei das longitudinale Follow-up und der Einsatz von Magnetresonanz-Scans. Allerdings habe die Studie auch einige Limitationen wie etwa die geringe Teilnehmerzahl, merkt sie an.

 
Die Studie legt nahe, dass der erhöhte GABA-Level nach Yoga zeitlich begrenzt ist, ähnlich wie eine pharmakologische Behandlung … Prof. Dr. Chris Streeter
 

Auch Heather Mason, Gründungsdirektorin der Yoga in Health Care Alliance sowie Gründerin und Eigentümerin des The Minded Institute in London, Großbritannien, kommentiert die Studie gegenüber Medscape Medical News. Sie nennt die Forschung „zukunftsträchtig und aufregend“. „Die Studie präzisiert unser Verständnis davon, wie Yoga die Auswirkungen einer Depression lindern kann, indem es das GABA-Netzwerk beeinflusst“, sagt Mason. „Und sie verdeutlicht die Notwendigkeit wöchentlicher Übungen, um die erhöhten GABA-Pegel aufrechtzuerhalten, die sich aus den Yoga-Übungen ergeben.“

Dieser Artikel wurde von Bettina Micka aus www.meds www.medscape.com/viewarticle/925216cape.com  übersetzt und adaptiert.

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....