Französische Studie: LDL-Cholesterin unter 70 schützt nach ischämischem Schlaganfall vor kardiovaskulären Ereignissen

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

6. März 2020

Eine Subanalyse der kürzlich publizierten TST-Studie (Treat Stroke to Target) zur optimalen LDl-Cholesterin-Senkung nach ischämischem Schlaganfall zeigt: Patienten mit Atherosklerose profitieren von einer aggressiven Cholesterin-Senkung mit einem Zielwert von unter 70 mg/dl, ohne dafür mit einer erhöhten Rate an intrakraniellen Blutungen zu bezahlen. Pierre Amarenco und seine Kollegen veröffentlichten die Substudie in Stroke  [1].

Über den optimalen Zielwert für das LDL-Cholesterin (LDL-C) in der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse wird spätestens seit Verfügbarkeit der Statine diskutiert. Die Anhänger sehr niedriger Zielwerte argumentieren mit dem ihrer Ansicht nach eindeutig größeren Nutzen für die Patienten – die Gegner befürchten mögliche Schäden, die den Nutzen mehr als aufheben könnten.

TST-Studie mit Patienten aus Frankreich und Südkorea

In der kürzlich veröffentlichten randomisierten TST-Studie wurden 2 unterschiedliche Zielwerte für das LDL-C bei Patienten mit Schlaganfall geprüft:

  • ein Zielwert von unter 70 mg/dl und

  • ein Zielwert im Bereich von 90 bis 110 mg/dl.

Die Auswertung ergab ein signifikant besseres Abschneiden der Patienten mit dem niedrigen Zielwert. So betrug die relative Risikoreduktion beim primären kombinierten Endpunkt 22%, die absolute Reduktion 2,4 Prozentpunkte (8,5% versus 10,9%).

Allerdings war die Zahl der intrakraniellen Blutungen in der Gruppe mit dem niedrigen Zielwert numerisch höher, wobei der Unterschied statistisch nicht signifikant war. Andere Studien hatten jedoch auch Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen bei sehr tiefen LDL-C-Werten geliefert.

An der TST-Hauptstudie nahmen Patienten aus Frankreich und Südkorea teil: insgesamt 2.860 Patienten mit ischämischem Schlaganfall in den letzten 3 Monaten oder einer TIA innerhalb der letzten 15 Tage. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 3,5 Jahre.

Die Patienten – knapp ein Viertel von ihnen hatte Diabetes – wurden nach dem Zufallsprinzip im Verhältnis 1 zu 1 entweder der Gruppe mit einem LDL-Cholesterin-Zielwert von weniger als 70 mg/dl zugeordnet oder der Gruppe mit einem Zielwert im Bereich von 90 bis 110 mg/dl.

Der kombinierte primäre Endpunkt bestand aus ischämischem Schlaganfall, Myokardinfarkt, Symptomen, die zu einer dringenden Koronar- oder Karotis-Revaskularisation führten, oder kardiovaskulärem Tod.

Subanalyse der TST-Studie mit französischen Patienten

In der nun veröffentlichten Substudie haben die Autoren die Daten der 2.148 französischen Patienten ausgewertet. 1.073 Patienten gehörten zur Gruppe mit dem niedrigen Zielwert (unter 70 mg/dl) und 1.075 Patienten zur Vergleichsgruppe (90 bis 110 mg/dl). Das Durchschnittsalter betrug 67 Jahre. Die durchschnittliche Beobachtungszeit in dieser Subpopulation betrug 5,3 Jahre. 

In der Gruppe mit der aggressiven Therapie betrug der LDL-Cholesterin-Wert im Mittel 66 mg/dl, in der Vergleichsgruppe wurde ein Wert von im Mittel 96 mg/dl erreicht.

Beim kombinierten Endpunkt schnitten die Patienten mit dem niedrigen Zielwert signifikant besser ab (9,6% versus 12,9%). Dem absoluten Unterschied von 3,3 Prozentpunkten (NNT 30) entspricht eine relative Risikoreduktion von 26% (Hazard Ratio 0,74, 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,57-0,94; p=0,015).

Die Rate an intrakraniellen Blutungen in der Gruppe mit dem niedrigen LDL-C-Zielwert betrug 1,2% (13 Patienten), in der Vergleichsgruppe 1,0% (11 Patienten). Die Berechnungen ergaben eine Hazard Ratio von 1,17 (95% KI, 0,53-2,62; p=0,70).

Klinische Bedeutung : Nutzen und Sicherheit der „aggressiveren“ Therapie

Die Daten bestätigen nach Einschätzung der Autoren den Nutzen der niedrigen Zielwerte und die Sicherheit der „aggressiven“ Therapie. Die größere Risikoreduktion in der Substudie könnte durch die längere Therapiedauer bedingt sein.

Wichtig ist nach Angaben der Autoren, dass bei der intensivierten Therapie eine Zunahme der intrakraniellen Blutungen den aktuellen Daten zufolge nicht zu befürchten sei. Eine Reduktion des aktuell gültigen Zielwertes von 100 mg/dl (S3-Leitlinie) auf unter 70 mg/dl könnte demnach als sinnvoll erachtet werden.

Eingeschränkt wird die Studie unter anderem dadurch, dass der Sponsor die Studie aus finanziellen Gründen vorzeitig beendete (nachdem 277 von 385 Endpunktereignissen eingetreten waren). 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Univadis.de .
 

Kommentar

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