Zucker in Getränken: Von den Erfahrungen anderer Länder lernen? Warnhinweise in Chile und Steuern in UK zeigen Wirkung

Marlene Busko

Interessenkonflikte

3. März 2020

Das Gesetz zur Senkung des Konsums von zuckerhaltigen Getränken in Chile und die britische Steuer auf zuckerhaltige Getränke zeigen einen gewissen Erfolg, wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Über die Einzelheiten und frühen Auswirkungen dieser beiden nationalen Strategien, mit denen versucht werden soll, den Anstieg von Adipositas und Typ-2-Diabetes zu verhindern, wird in 2 Studien berichtet. Die beiden Studien wurden in PLOS Medicine veröffentlicht.

Chile: Umsatzrückgang bei zuckerreichen Getränken

Eine Studie berichtet, dass ein Jahr nach der Umsetzung des chilenischen Gesetzes über Lebensmittelkennzeichnung und Lebensmittelwerbung von 2016 die Haushaltseinkäufe dieser Getränke um fast ein Viertel zurückgegangen sind [1]. Das Gesetz gilt als eines der härtesten der Welt: Es schreibt Warnhinweise auf Getränken mit hohem Zuckergehalt vor, schränkt Werbung ein, die sich an Kinder richtet, und verbietet zuckerreiche Getränke.

 
Die Reduktionen (die mit diesem mehrstufigen Gesetz verbunden sind) waren größer als die, die bei einer einzelnen, eigenständigen Strategie beobachtet wurden. Dr. Lindsey Smith Taillie und Kollegen
 

Darüber hinaus „waren die Reduktionen (die mit diesem mehrstufigen Gesetz verbunden sind) größer als die, die bei einer einzelnen, eigenständigen Strategie beobachtet wurden, einschließlich der Steuern auf zuckergesüßte Getränke, die zuvor in Lateinamerika eingeführt worden waren“, schreiben Dr. Lindsey Smith Taillie von der University of North Carolina at Chapel Hill und ihre Kollegen in der Studie.

UK: Marktrückgang bei sehr süßen Getränken

Eine zweite Studie thematisiert die Auswirkungen der britischen Getränkesteuer von 2018, die Hersteller und Importeure von Erfrischungsgetränken mit mehr als 5 g Zucker pro 100 ml zur Zahlung einer direkten Steuer an die Regierung verpflichtet [2]. Eineinhalb Jahre nach Einführung dieser Abgabe gab es 33,8% weniger Getränke auf dem Markt mit einem Zuckergehalt von mehr als 5 g pro 100 ml. 

 
Diese Steuer hat viele Hersteller dazu veranlasst, Zucker in Erfrischungsgetränken zu reduzieren. Prof. Dr. Peter Scarborough und Kollegen
 

Dies deutet darauf hin, dass diese Steuer „viele Hersteller dazu veranlasst hat, Zucker in Erfrischungsgetränken zu reduzieren“, berichten Prof. Dr. Peter Scarborough vom Nuffield Department of Population Health der Universität von Oxford und seine Kollegen.

Nur ein Drittel der Kosten durch die Abgabe wurde von Herstellern und Importeuren an die Verbraucher weitergegeben, und diese Preiserhöhung betraf nicht immer Getränke. „Diese Änderungen könnten die Exposition der Bevölkerung gegenüber flüssigem Zucker und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken verringern“, schlussfolgern die Autoren.

Chile: Warnhinweise, eingeschränkte Werbung und Verbot in Schulen

Im Juni 2016 setzte Chile, ein einkommensstarkes Land mit hohem Konsum von zuckergesüßten Getränken, das Gesetz zur Lebensmittelkennzeichnung und Werbung um, um einen weiteren Anstieg der Adipositas-Prävalenz zu verhindern, wie Medscape berichtet hatte.

Chile war das erste Land, das ein solches nationales obligatorisches Warnsystem einführte – auf der Vorderseite der Verpackung für zuckergesüßte Getränke und energiereiche, nicht lebenswichtige Lebensmittel. Die Initiative entstand aus dem Versuch heraus, die höchsten Adipositas-Raten in Lateinamerika zu bekämpfen.

Das Gesetz schreibt vor, dass Lebensmittel und Getränke, die pro 100 ml (oder 100 g) mehr als 100 Kalorien, über 3 g gesättigte Fettsäuren, mehr als 100 mg Natrium und mehr als 6 g Zucker enthalten, mit schwarz-weißen Warnhinweisen (in Form eines STOP-Zeichens) versehen werden müssen, auf denen „kalorienreich“, Zucker, Natrium und gesättigte Fettsäuren angegeben sind. Das Gesetz verbietet auch die Werbung für zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke für Kinder und verbietet deren Verkauf in Schulen.

Die Forscher analysierten Daten zum Getränkekonsum von 2.383 städtischen Haushalten, die an einer nationalen Umfrage in Chile vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2017 teilgenommen hatten. Die erfassten Getränke waren Limonaden, Fruchtgetränke, Milchprodukte, aromatisierte Wässer, Kaffee, Tee, 100%ige Frucht- und Gemüsesäfte sowie Sport- und Energiegetränke.

Eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes war die Menge an zuckerhaltigen Getränken, die von den Menschen in diesen repräsentativen Haushalten konsumiert wurde, deutlich zurückgegangen: um 23,7% (22,8 ml/Person/Tag).

Im Vergleich dazu waren frühere Steuererhöhungen für diese Produkte in Chile und Mexiko mit viel geringeren Auswirkungen verbunden:

  • Am 1. Oktober 2014 hatte die chilenische Regierung die Steuer auf zuckergesüßte Getränke von 13 auf 18% erhöht, was ein Jahr später mit einer Reduzierung des Konsums dieser Getränke um 3,4% verbunden war.

  • Am 1. Januar 2014 führte Mexiko eine Steuer von einem Peso pro Liter (ca. 10%) auf zuckergesüßte Getränke ein, was 2 Jahre später mit einem Rückgang des Konsums dieser Getränke um 7,6% verbunden war.

Weitere Forschung ist notwendig, um zu beurteilen, wie Chiles mehrgleisige Strategie das Verbraucherverhalten, die Rezeptur von Produkten und Veränderungen in der Ernährung und den Gesundheitszustand beeinflusst hat, schlussfolgern die Autoren um Smith Taillie.

UK: Steuer für Hersteller von zuckerhaltigen Getränken

Nach der Einführung der Steuer im Vereinigten Königreich (UK) auf zuckerhaltige Getränke im April 2018 mussten Getränkehersteller und Importeure der Regierung 0,18 Pfund (rund 0,21 Euro) pro Liter für Getränke mit 5 bis 8 g Zucker pro 100 ml und 0,24 Pfund (rund 0,28 Euro) pro Liter für Getränke mit mehr als 8 g Zucker pro 100 ml zahlen. Fruchtsäfte und Getränke auf Milchbasis waren davon ausgenommen.

Scarborough und seine Kollegen haben die Auswirkungen dieser Abgaben auf den Preis, die Produktgröße, die Anzahl der Erfrischungsgetränke auf dem Markt und den Anteil der Getränke mit einem Zuckergehalt von über 5 g pro 100 ml gemessen. Sie analysierten Daten von Webseiten führender Supermärkte in UK zu 85 Zeitpunkten zwischen September 2015 und Februar 2019.

Nach dem Inkrafttreten der Abgabe sank der Anteil der Getränke mit mehr als 5 g Zucker pro 100 ml von einem prognostizierten Niveau von 49% (wenn es keine Abgabe gegeben hätte) auf 15%.

Die Ergebnisse legen nahe, dass viele Hersteller sich dafür entschieden haben, die Rezeptur ihrer zuckerhaltigen Getränke so umzustellen, dass sie 4,5 bis unter 5,0 g pro 100 ml enthalten. Die Größe und die Anzahl der mit Zucker gesüßten Getränke, die den Verbrauchern zur Verfügung stehen, haben sich kaum verändert.

Alles in allem war die Abgabe „mit erheblichen Auswirkungen auf die Erfrischungsgetränke-Industrie verbunden“, fassen die Autoren zusammen. Sie untersuchen derzeit die Effekte der Abgabe auf das Verbraucherverhalten (z.B. die Substitution anderer Getränke) und die gesundheitlichen Auswirkungen.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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