2 Fliegen mit einer Klappe: Impfung gegen Gürtelrose scheint mit geringerem Schlaganfallrisiko verbunden zu sein

Damian McNamara

Interessenkonflikte

3. März 2020

Los Angeles – Die Prävention von Gürtelrose mit dem Herpes-zoster-Lebendimpfstoff (Zostavax®, Merck) könnte auch das Risiko eines späteren Schlaganfalls bei älteren Erwachsenen verringern, so die Ergebnisse einer Studie, die diesen Zusammenhang erstmals untersucht hat. Sie wurde auf der International Stroke Conference (ISC) 2020 in Los Angeles, USA, vorgestellt [1].

Die Impfung gegen Gürtelrose war in der großen Medicare-Kohortenstudie mit einer 20%igen Senkung des Schlaganfallrisikos bei Personen unter 80 Jahren assoziiert. Ältere Teilnehmer hatten ein um 10% reduziertes Risiko. Die Reduktion galt sowohl für ischämische als auch hämorrhagische Insulte.

Dr. Quanhe Yang

„Unsere Ergebnisse könnten Menschen im Alter von 50 Jahren oder älter dazu ermutigen, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen und das Gürtelrose-assoziierte Schlaganfallrisiko zu senken“, sagte Dr. Quanhe Yang, leitende Studienautorin und Wissenschaftlerin an den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, gegenüber Medscape Medical News.

 
Unsere Ergebnisse könnten Menschen im Alter von 50 Jahren oder älter dazu ermutigen, sich gegen Gürtelrose impfen zu lassen und das Gürtelrose-assoziierte Schlaganfallrisiko zu senken. Dr. Quanhe Yang
 

Gürtelrose kann als schmerzhafte Reaktivierung von Windpocken, verursacht durch das Varizella-Zoster-Virus, auftreten. Und sie ist häufig: Yang schätzt, dass eine von 3 Personen, die an Windpocken erkrankt sind, die Krankheit irgendwann in ihrem Leben entwickeln wird. Außerdem wird die Gürtelrose mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht.

Älterer Lebendimpfstoff wurde evaluiert

Yang und Kollegen haben den zum Zeitpunkt der Studie einzig verfügbaren Gürtelrose-Lebendimpfstoff Zostavax® evaluiert. Die CDC bezeichnen nun jedoch einen adjuvanten Totimpfstoff (Shingrix®, GlaxoSmithKline) als bevorzugten Gürtelrose-Impfstoff für gesunde Erwachsene im Alter von 50 Jahren und älter.

Shingrix® erhielt 2017 die Zulassung. Zostavax®, das 2006 zugelassen worden ist, kann nach Angaben der CDC immer noch bei gesunden Erwachsenen über 60 Jahren verwendet werden.

Eine Verringerung der Entzündung durch den Lebendimpfstoff könnte der Mechanismus sein, durch den auch das Schlaganfallrisiko reduziert wird, sagte Yang. Der neuere Impfstoff, der laut CDC zu mehr als 90% wirksam ist, könnte jedoch einen noch größeren Schutz gegen Schlaganfall bieten. Dazu sei aber noch mehr Forschung erforderlich, fügte sie hinzu.

Interessanterweise deuten frühere Untersuchungen darauf hin, dass es zu spät sein kann, wenn eine Person erst einmal eine Gürtelrose entwickelt hat. So konnten Yang und Kollegen in ihrer auf der ISC 2019 vorgestellten Forschung zeigen, dass – wenn die Impfung oder antivirale Behandlung nach einer Gürtelrose-Episode erfolgte – sie nicht mehr mit einem signifikant niedrigeren Schlaganfallrisiko assoziiert war.

Daten von rund 1,4 Millionen Versicherten ausgewertet

Um die Schutzwirkung des Impfstoffs gegen Schlaganfall zu bewerten, überprüften Yang und Kollegen die Gesundheitsdaten von 1,38 Millionen Medicare-Empfängern. Alle Teilnehmer waren 66 Jahre oder älter, wiesen keine Vorgeschichte eines Schlaganfalls auf und hatten zwischen 2008 und 2016 den Lebendimpfstoff erhalten.

Die Forscher verglichen die Schlaganfallrate in der geimpften Gruppe mit der Rate in einer gematchten, gleich großen Kontrollgruppe von Medicare-Empfängern, die die Impfung nicht erhalten hatten. Sie korrigierten ihre Analyse hinsichtlich Alter, Geschlecht, Rasse, Medikamenteneinnahme und Komorbiditäten.

Schlaganfallrisiko um 16% reduziert

Die mit der Impfung verbundene Gesamtreduktion des Schlaganfallrisikos um 16% setzte sich aus einer 12%igen Abnahme des Risikos für einen hämorrhagischen Schlaganfall und eine 18%ige Abnahme des Risikos für ischämischen Schlaganfall zusammen – dies über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 3,9 Jahren (interquartiler Bereich 2,7-5,4).

Die adjustierten Hazard Ratios – jeweils Geimpften versus Kontrollgruppe – betrugen 0,84 (95%-Konfidenzintervall: 0,83–0,85) für alle Schlaganfälle, 0,82 (95%-KI: 0,81–0,83) für den akuten ischämischen Schlaganfall und 0,88 (95% KI: 0,84–0,91) für den hämorrhagischen Schlaganfall.

In der geimpften Gruppe traten im Beobachtungszeitraum 42.267 Ereignisse auf, darunter 33.510 akute ischämische Schlaganfälle und 4.318 hämorrhagische Schlaganfälle. Im gleichen Zeitraum wurden in der Kontrollgruppe 48.139 Schlaganfälle verzeichnet, darunter 39.334 ischämische und 4.713 hämorrhagische Ereignisse.

Weil der Impf-Ausschuss der CDC (Advisory Committee on Immunization Practices, ACIP) erst seit 2017 den Shingrix®-Impfstoff für gesunde Erwachsene ab 50 Jahren empfahl, gab es bei Medicare zum Zeitpunkt der aktuellen Studie nicht genügend Daten, um den Zusammenhang zwischen diesem Impfstoff und dem Schlaganfallrisiko zu untersuchen.

„Allerdings sind zwei Dosen Shingrix® zur Prävention von Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie zu mehr als 90% wirksam und bieten damit einen besseren Schutz als Zostavax®“, sagte Yang.

Erstmals Sekundärnutzen der Impfung nachgewiesen

„Es ist sehr faszinierend“, sagte Dr. Ralph L. Sacco, ehemaliger Präsident der American Heart Association, in einem Videokommentar vor der Konferenz.

„Wir wissen, dass Erkrankungen wie Gürtelrose Entzündungen verstärken und das Schlaganfallrisiko erhöhen können“, so Sacco, der die Abteilung für Neurologie an der Leonard Miller School of Medicine der Universität von Miami in Florida leitet. „Es ist aber das erste Mal, dass anhand einer sehr großen Medicare-Datenbank gezeigt werden konnte, dass diejenigen, die den Impfstoff erhalten hatten, ein geringeres Schlaganfallrisiko haben.“

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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