Viel hilft nicht immer viel: Dieser Zeitabstand liefert beim Screening auf Zervix-Karzinome optimale Ergebnisse

Roxanne Nelson

Interessenkonflikte

28. Februar 2020

Eine Studie mit Daten aus dem gesamten Bundesgebiet New Mexicos zeigt, dass ein Screening alle 3 Jahre die Rate von Gebärmutterhalskrebs dramatisch reduziert [1]. Häufigere Untersuchungen führen nicht zu besseren Ergebnissen. Dennoch werden viele Frauen öfter gescreent, was nach Ansicht der Forscher eine Verschwendung von Gesundheitsressourcen darstellt (zur deutschen Situation siehe Kasten am Ende des Artikels).

„Wir haben festgestellt, dass eine häufigere Früherkennung keinen zusätzlichen Nutzen bringt, da ein 3-jähriges Intervall bereits eine ausgezeichnete Prävention von Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium und die Erkennung von über 80% der invasiven Zervixkarzinome im Spätstadium gewährleistet”, sagt Prof. Dr. Cosette Wheeler von der Abteilung für Pathologie, Geburtshilfe und Gynäkologie an der University of New Mexico School of Medicine in Albuquerque, New Mexico.

 
Wir haben festgestellt, dass eine häufigere Früherkennung keinen zusätzlichen Nutzen bringt (…). Prof. Dr. Cosette Wheeler
 

Unterschiedliche Empfehlungen von US-Experten

Im Laufe der Jahre seien von US-amerikanischen Gesellschaften und Organisationen verschiedene Empfehlungen zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge herausgegeben worden, berichtet Wheeler. Und nationale Richtlinien aus 2012 mit Aktualisierung in 2015 würden Screenings für Frauen, bei denen zuvor keine Anomalien aufgefallen waren, nicht öfter als alle 3 Jahre empfehlen – unabhängig vom Alter.

„Aber bis 2018 zeigt das HPV-Pap-Register von New Mexico, dass immer noch etwa die Hälfte aller Frauen jährlich oder alle 2 Jahre untersucht wird – das ist eine Geldverschwendung im Gesundheitswesen“, kommentiert die Expertin gegenüber Medscape Medical News. „Potenziell könnten Millionen von Dollars für New Mexico und darüber hinaus im Rest der Vereinigten Staaten eingespart werden, wenn wir das Screening tatsächlich alle 3 Jahre durchführen würden.“

Wheeler: „Möglicherweise zeigt diese Beobachtung, dass Ärzte und Patienten nicht wissen, ob die 3-Jahres-Intervalle sicher sind. Folgt man diesen Richtlinien, dann verändert das einen Prozess, der viele Jahrzehnte lang funktioniert hat und an den sowohl Ärzte als auch Patienten gewöhnt sind, aber unsere Daten geben allen die Gewissheit, dass 3-Jahres-Screening-Intervalle angemessen sind“.

 
Unsere Daten geben allen die Gewissheit, dass 3-Jahres-Screening-Intervalle angemessen sind. Prof. Dr. Cosette Wheeler
 

Gleichzeitig scheint eine wachsende Zahl von Bürgerinnen nicht mehr an Früherkennungsuntersuchungen teilzunehmen. „Es gibt mehr Frauen, die nach mehr als 5 Jahren nicht gescreent sind, und dieser Anteil nimmt mit der Zeit zu", so Wheeler. Das betreffe vor allem Einwohnerinnen New Mexicos, bei denen nur Pap-Tests durchgeführt worden seien. Ohne Rückruf-Systeme sei es wahrscheinlich schwierig, dies zu verhindern.

Umfassende Daten aus New Mexico

Um Details herauszufinden, arbeiteten Wheeler und Kollegen mit Daten aus New Mexico: dem einzigen US-Bundesstaat, mit vollständigen Daten zum Gebärmutterhalsscreening, zur Diagnose und Therapie.

Das New Mexico Tumor Registry (NMTR) erfasst alle Krebsfälle, die krebsspezifische Mortalität, und ein HPV-Pap-Register zeichnet alle Ergebnisse der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung auf.

Die Studie weicht auch insofern von früheren Untersuchungen ab, als sie „repräsentativer für die breite Palette von Gesundheitsfürsorge-Einrichtungen ist, in denen Amerikaner versorgt werden“, sagt Wheeler. „Denn sie ist nicht auf einen Ort beschränkt, auf ein spezifisches oder klinisches Umfeld, auf bestimmte Gesundheitsdienstleister oder bestimmte Patientinnen gebunden, und sie repräsentiert Frauen mit heterogenem Risiko für Gebärmutterhalskrebs.“

Die Expertin ergänzt: „Wir können auch geographisch lokalisieren, in welchen Gegenden Frauen nicht gescreent wurden, wo sie zu häufig oder zu selten gescreent wurden, und wo wir mehr als nur einfache Einrichtungen benötigen, um den Mangel an spezieller Betreuung für Frauen mit positiven Untersuchungsergebnissen zu beheben.“

Details der Studie

Für die Studie sammelten Wheeler und Kollegen Daten zu allen Gebärmutterhalskrebs-Diagnosen im NMTR in den Jahren 2006-2016. Daten aus dem NMTR wurden mit dem New Mexico HPV Pap-Register (NMHPVPR) verknüpft, das zu jedem Fall Informationen über das Zervix-Screening und die Diagnose- und Behandlungsergebnisse liefert.

Die Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs wurden mit Kontrollpersonen verglichen, die aus dem NMHPVPR ausgewählt wurden.

Bei insgesamt 876 Frauen diagnostizierten Ärzte während der Studienzeit Gebärmutterhalskrebs. Aus dieser Gruppe lagen Aufzeichnungen über 646 Frauen vor, die sich in Abständen von 3 oder mehr Jahren einer Vorsorgeuntersuchung unterzogen hatten.

Fast die Hälfte aller Zervix-Karzinome (47,9%) wurde bei Frauen im Alter von 35 bis 54 Jahren diagnostiziert, 2,3% vor dem Alter von 25 Jahren und 15,8% im Alter von 65 Jahren oder älter. Das Stadium bei der Diagnose hing stark mit dem Alter der Frau zusammen: 75,0% der Frauen mit Tumor-Stadium I waren jünger als 35 Jahre; 41,1% waren 65 Jahre oder älter.

In ähnlicher Weise wurde bei nur 5,3% der Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren ein Tumor im Stadium IV diagnostiziert, verglichen mit 18,9% im Alter von 65 Jahren oder älter. Die Früherkennung im 3-Jahres-Intervall war – verglichen mit dem 5-Jahres-Intervall – mit einem geringeren Risiko für jedes Krebsstadium verbunden. Zum Beispiel waren nur 22,5% der Frauen mit Krebs im Stadium III+ in den 3 Jahren vor der Diagnose gescreent worden, im Vergleich zu 59,3% der Frauen mit Krebs im Stadium IA.

Die Ergebnisse zeigten auch, dass ein häufigeres Screening nicht mit besseren Ergebnissen verbunden war.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com  übersetzt und adaptiert.

Situation in Deutschland: Kombinierter Pap- und HPV-Test alle 3 Jahre

In Deutschland ist die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs abhängig vom Alter der Frau. Es gelten folgende Bestimmungen:

  • Frauen zwischen 20 und 34 Jahren: Jährlich zytologische Untersuchung mittels Pap-Tests. Dabei wird ein Abstrich vom Gebärmutterhals entnommen und auf veränderte Zellen untersucht.

  • Frauen ab dem Alter von 35 Jahren: Alle 3 Jahre eine Kombinationsuntersuchung aus Pap-Abstrich und HPV-Test; ein vom Gebärmutterhals entnommener Abstrich wird dabei sowohl auf HP-Viren als auch auf Zellveränderungen untersucht.

In der S3-Leitlinie zur Prävention des Zervixkarzinoms heißt es: „Wenn bei Frauen über 30 Jahren eine Ko-Testung aus Zytologie und HPV-Test oder eine alleinige HPV-Testung durchgeführt wird, sollte diese in einem organisierten Screening mit einem Intervall von mindestens 3 Jahren erfolgen.“

Kommentar

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