Coronavirus: WHO ruft Gesundheitsnotstand aus, Erkrankungsfälle sprunghaft gestiegen, von China-Reisen wird abgeraten

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

31. Januar 2020

Weil sich das Coronavirus nach wie vor rasant ausbreitet, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestern Abend den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Entscheidung im Notfall-Komitee der WHO war nahezu einstimmig gefallen. Die WHO sprach auf Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen aber keine Reise- und Handelsbeschränkungen aus.

Die Zahl der bestätigten Fälle von 2019-n-CoV ist innerhalb nur eines Tages sprunghaft gestiegen: um fast 2.000 neue Fälle. Wie die Global Times berichtet, liegt die Zahl der Infizierten inzwischen bei 9.692, 213 Menschen sind bislang daran gestorben (Stand 31.1.2020, 9 Uhr). Außerhalb Chinas gibt es inzwischen (Stand 31.1.2010, 9 Uhr) allerdings mehr als 100 Infektionsfälle in rund 20 Ländern.

Bereits beim Pressebriefing zu 2019-nCoV am Mittwochnachmittag hatten sich WHO-Präsident Dr. Tedros Adhandom Ghebreysus und Dr. Michael Ryan, Direktor des Notfallprogramms der WHO, über die „rapide Ausbreitung“ der Lungenkrankheit besorgt gezeigt (Zahl der Fälle damals 6.065, 132 Todesfälle, Stand: 29.1.2020, 17 Uhr). Aufgrund der rasanten Ausbreitung hatte sich der WHO-Präsident entschlossen, das Notfall-Komitee erneut einzuberufen.

Ziel des internationalen Gesundheitsnotstands ist, die Verbreitung eines Erregers über Grenzen hinweg einzudämmen und die Maßnahmen der einzelnen Länder aufeinander abzustimmen. So soll für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen rasch Zugang zu potenziellen Impfstoffen, Diagnostika, antiviralen Medikamenten und anderen Therapeutika geschaffen werden.

Zum Stand der Entwicklung eines Impfstoffes teilte Ghebreysus auf der Pressekonferenz der WHO allerdings lediglich mit, dass es „Fortschritte“ gebe und die WHO baldmöglichst darüber berichten werde.

China setzt neue Standards im Umgang mit Krankheitsausbrüchen

„Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands ist kein Misstrauensvotum gegen China – im Gegenteil – wir haben großes Vertrauen in China, den Ausbruch zu kontrollieren“, machte Ghebreysus deutlich.

 
Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands ist kein Misstrauensvotum gegen China – im Gegenteil – wir haben großes Vertrauen in China, den Ausbruch zu kontrollieren. Dr. Tedros Adhandom Ghebreysus
 

Der PHEIC werde nicht wegen der Situation in China ausgerufen, „sondern in Anbetracht dessen was in den Ländern passieren könnte, die kein so gutes Gesundheitssystem haben wie China, in Ländern, die verletzlicher sind“, fügte der WHO-Präsident hinzu.

Ryan und Tedros, die kurz zuvor China besucht hatten, zeigten sich sehr beeindruckt von den Maßnahmen der chinesischen Regierung, die der Bekämpfung der Erkrankung eine hohe Priorität einräume: „China agiert bemerkenswert transparent. Die chinesische Informationspolitik ist mit der zu Zeiten des SARS-Ausbruchs überhaupt nicht vergleichbar“, so Ryan, der auch 2003 während des SARS-Ausbruchs involviert war. Auch Ghebreysus bezeichnete die Maßnahmen Chinas als außerordentlich: „Dafür gebührt China unser Dank und Respekt. Sie tun das auf Kosten ihrer Wirtschaft und anderer Faktoren.“

In vielerlei Hinsicht setze China gerade einen neuen Standard im Umgang mit Krankheitsausbrüchen. „Deshalb ist die Ausbreitung von 2019-nCoV außerhalb von China relativ gering geblieben und es gibt außerhalb von China keine Todesopfer zu beklagen – wir müssen China für das Engagement und die umfassenden Maßnahmen dankbar sein“, stellte Ghebreysus klar.

Fünfter Fall in Bayern und Rückholaktion von Deutschen aus Wuhan

Viele Länder und Unternehmen haben Schritte eingeleitet, um den Erreger zu stoppen. Die Lufthansa hat alle Flugverbindungen von und nach China bis zum 9. Februar eingestellt. Ikea hat 15 seiner 30 Möbelhäuser in China geschlossen, Toyota die Produktion komplett gestoppt. Die USA plant eine spezielle Task Force, die das Virus beobachten soll.

 
China agiert bemerkenswert transparent. Die chinesische Informationspolitik ist mit der zu Zeiten des SARS-Ausbruchs überhaupt nicht vergleichbar. Dr. Michael Ryan
 

Manche Staaten vergeben derzeit keine Visa an chinesische Bürger. Weil immer mehr Fluglinien die Verbindungen nach China einstellen, will das Land nun seine Bürger mit gecharterten Flugzeugen nach Hause holen.

In Bayern hat sich ein weiterer Mensch mit 2019-nCoV infiziert. Wie bei den anderen 4 Fällen handelt es sich um einen Mitarbeiter der Firma in Starnberg. Die bayerischen Gesundheitsämter suchen weiter nach Verdachtsfällen. Insgesamt sind rund 110 Menschen ermittelt worden, die noch getestet werden sollen.

Bundesärztekammer: Krankenhäuser nicht gut vorbereitet

Die Bundesärztekammer sieht Krankenhäuser nicht gut auf das neue Coronavirus vorbereitet. Wie die ZEIT berichtet, weist die Pandemiebeauftragte der Kammer, Dr. Susanne Johna darauf hin, dass die Zahl der Einzelzimmer mit Vorschleusen in den vergangenen Jahren aus Kostengründen reduziert worden sei.

Bei dringendem Behandlungsbedarf würden auch Einzelboxen auf Intensivstationen benötigt, um die Übertragungsgefahr zu verringern. Auch von diesen gebe es aus Kostengründen zu wenige.

Johna bezeichnete 2019-nCoV als „Weckruf“. Sie sieht nicht nur bei der Krankenhausausstattung Nachholbedarf, auch der öffentliche Gesundheitsdienst sei vielerorts massiv unterbesetzt, es fehle an Ärzten und Fachpersonal.

Für morgen ist eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger aus der besonders schwer betroffenen chinesischen Metropole Wuhan geplant. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Die Rückkehrer sollen 14 Tage lang auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz in Quarantäne bleiben.

Das Auswärtige Amt rät inzwischen von allen Chinareisen ab, die „nicht notwendig“ sind und hat für die Provinz Hubei eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen.

 

Kommentar

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