Eine Dekade länger ohne chronische Krankheiten: Mit diesen 5 Lebensstil-Faktoren könnte es klappen

Liam Davenport

Interessenkonflikte

16. Januar 2020

50-Jährige, die 5 Faktoren für einen gesunden Lebensstil berücksichtigen, haben eine deutlich längere Lebenserwartung frei von chronischen Krankheiten verglichen mit Gleichaltrigen, bei denen keiner der Faktoren Teil ihres Lebensstils ist. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Yangping Li, Harvard T.H. Chan School of Public Health, Boston, USA, und seine Kollegen im British Medical Journal  [1].

Sie haben Daten von über 110.000 Mitarbeitern im Gesundheitswesen ausgewertet, die an 2 großen wegweisenden Studien teilgenommen hatten. Aufgrund der Ergebnisse fordern Li und Kollegen nun Maßnahmen, um Menschen gesündere Ernährung und eine gesündere Umwelt anzubieten.

 
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Förderung eines gesunden Lebensstils die Lasten des Gesundheitssystems reduzieren könnte … Dr. Yangping Li und Kollegen
 

Laut der Studien konnten z.B. 50-jährige Frauen, die 4 der 5 gesunden Lebensstil-Faktoren befolgten, gegenüber Frauen, die keinen dieser Faktoren berücksichtigten, mit mehr als 10 Jahren ohne Krebs, kardiovaskuläre Erkrankung oder Typ-2-Diabetes rechnen. Männer gewannen damit 8 krankheitsfreie Jahre mehr.

Die Ergebnisse „legen nahe, dass die Förderung eines gesunden Lebensstils die Lasten des Gesundheitssystems reduzieren könnte, indem das Risiko für multiple chronische Erkrankungen reduziert und die krankheitsfreie Lebenszeit verlängert wird“, so die Autoren.

Entscheidend dafür seien „politische Maßnahmen, mit denen die Ernährung und die Lebensbedingungen verbessert werden, um damit die Menschen darin zu unterstützen, sich gesund zu ernähren und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Dazu gehören auch politische Maßnahmen, um z.B. das Rauchen aus der Öffentlichkeit zu verbannen oder Restriktionen für Trans-Fette“.

Studie erweitert bisherige Befunde

In den letzten Jahren hat eine Vielzahlt von Studien gezeigt, dass mit der Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung auch eine Steigerung der Prävalenz von chronischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen und Krebs einher geht.

Obwohl klar ist, dass viele Lebensstil-Faktoren wie das Rauchen, die körperliche Aktivität, Alkoholkonsum oder Körpergewicht einen starken Einfluss auf die Lebenserwartung und die Inzidenz von chronischen Krankheiten haben, gibt es bisher wenig Forschung darüber, wie sich durch die Kombination solcher Faktoren die krankheitsfreie Lebenserwartung eventuell positiv beeinflussen lassen könnte.

„Unsere Studie erweitert die bisherigen Erkenntnisse, indem sie die Effekte von 5 Risikofaktoren des Lebensstils auf 3 wichtige chronische Erkrankungen – jeweils in der Kombination - umfassend analysiert hat und damit eine weitreichendere Abschätzung von Langlebigkeit und der Zahl der Jahre mit oder ohne Krankheit in Beziehung zu Lebensstil-Faktoren einzeln und in Kombination liefert“, schreiben Li und Kollegen.

5-Faktoren-Score für einen gesunden Lebensstil

Sie analysierten Daten von 73.196 Frauen, die sich zwischen 1980 und 2014 an der Nurses' Health Study beteiligt hatten, und von 38.366 Männern der Health Professionals Follow-Up Study, die zwischen 1986 und 2014 rekrutiert worden waren.

Alle Teilnehmer füllten Fragebogen zu medizinischen und Lebensstil-Faktoren sowie weiteren gesundheitsrelevanten Variablen aus. Personen, die bereits eine Diagnose für Krebs, kardiovaskuläre Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes hatten, wurden von den weiteren Analysen ausgeschlossen.

Die Forscher entwickelten einen Score für einen gesunden Lebensstil, der auf 5 Faktoren basiert:

  • Ernährung: Die Werte sollten innerhalb der oberen 40% im Alternate Healthy Eating Index liegen, was einer gesunden Ernährung entspricht,

  • Rauchen (niemals vs jemals),

  • moderate bis hohe körperliche Aktivität (mindestens 30 Minuten/Tag),

  • moderater Alkoholkonsum (5-15 g/Tag für Frauen, 5-30 g/Tag für Männer) und

  • Body-Mass-Index (18,5-24,9 kg/m2).

Für jeden der 5 Faktoren für einen gesunden Lebensstil, der auf sie zutrifft, erhielten die Teilnehmer einen Punkt. Der Score für einen gesunden Lebensstil variierte dementsprechend von 0 bis 5.

Fast 11 Jahre mehr ohne chronische Krankheiten möglich

Bei den Frauen ergaben sich insgesamt Daten zu 2.270.411 Personenjahren Follow-up. Es gab 21.344 Todesfälle. Für die Männer waren es 930.201 Personenjahre und 13.039 Todesfälle.

Die mittlere weitere Lebenserwartung für Teilnehmer im Alter von 50 Jahren schwankte – je nach Score für einen gesunden Lebensstil – von 31,7 bis 41,1 Jahre für Frauen und von 31,3 auf bis zu 39,4 Jahre für Männer.

Die zu erwartende Lebensspanne frei von Krebs, kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes betrug für die 50-Jährigen zwischen 23,7 Jahren für Frauen, die keinen der 5 Lebensstil-Faktoren umsetzten, bis 34,4 Jahre für Frauen, die einen Score von 4 bis 5 hatten. Für Männer rangierten die entsprechenden Werte zwischen 23,5 und 31,1 Jahren. Frauen gewannen damit durch den gesunden Lebensstil 10,6 Jahre frei von chronischen Erkrankungen, Männer 7,6 Jahre.

Größter Gewinn bei Diabetes-freier Lebenszeit

Bei genauerer Analyse der einzelnen Erkrankungen stellten die Forscher fest, dass sich bei Beachtung von 4 der 5 Lebensstil-Faktoren für Frauen eine um 8,3 Jahre, für Männer eine um 6,0 Jahre längere Lebenszeit ohne Krebs ergab.

Für kardiovaskuläre Erkrankungen waren es 10,0 Jahre bei den Frauen und 8,6 Jahre bei den Männern. Am größten war der Gewinn an Lebenszeit frei von Typ-2-Diabetes: für Frauen 12,3 Jahre, für Männer 10,3 Jahre.

Die geringste noch zu erwartende Lebensspanne ohne schwere chronische Erkrankung stellten die Forscher bei Männern fest, die mindestens 15 Zigaretten am Tag rauchten, sowie bei fettleibigen Männern und Frauen. Für diese Personengruppen war die krankheitsfreie Lebenserwartung im Alter von 50 Jahren mindestens 75% geringer.

Trotz Beobachtungsstudie sind Ergebnisse wahrscheinlich breit anwendbar

Die Autoren betonen in der Publikation, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, deren Ergebnisse auf den durch die Teilnehmer selbst berichteten Lebensgewohnheiten beruht. Zudem waren die meisten Teilnehmer Beschäftigte im Gesundheitswesen. Daher ließen sich die Ergebnisse eventuell nicht verallgemeinern. „Deshalb sind weitere Studien nötig, um die Befunde in anderen ethnischen Gruppen oder Menschen mit anderem beruflichen Hintergrund zu reproduzieren“, schreiben die Autoren. 

Aber: „Dennoch lassen sich die biologischen Effekte von ungesundem Lebensstil wahrscheinlich auch auf andere Populationen übertragen und die relative Homogenität der Studienpopulation bezüglich Ausbildung, Gesundheitsbewusstsein und sozio-ökonomischem Status reduziert Störfaktoren und verstärkt die interne Validität“, schlussfolgern sie auch.

Dieser Artikel wurde von Bettina Micka aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....