„Immunvermittelte Kreuz-Protektion“ – wenn die Influenza-Aktivität steigt, sinkt das Infektionsrisiko für Erkältungen

Jennifer Garcia

Interessenkonflikte

14. Januar 2020

Nach einer in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie senkt die Interaktion zwischen Erkältungs- und Grippeviren aufgrund der adaptiven Immunität die Erkältungsprävalenz während des Höhepunkts der Grippesaison [1].

Dr. Sema Nickbakhsh und ihr Team vom MRC-University of Glasgow Centre for Virus Research in Schottland haben die Daten von 44.230 Personen mit Atemwegserkrankungen aus den Jahren 2005 bis 2013 analysiert. Sie prüften das Material auf 11 Gruppen von Atemwegsviren und berücksichtigten in der Analyse auch alternative Einflussfaktoren der Infektionshäufigkeit wie Alter, Geschlecht und Krankheitsschwere.

Die Untersucher stellten eine negative Korrelation fest zwischen dem saisonalen Influenza-A-Virus und Rhinoviren, die Erkältungen verursachen (Odds Ratio 0,27; p < 0,001). Dazu bedienten sie sich maßgeschneiderter Analysen und mathematischer Simulationen, welche die Tendenz eines bestimmten Virus zur Koinfektion mit einem anderen Virus sowohl auf der Populations- als auch auf der individuellen Wirtsebene abbildeten.

Nach Auffassung der Studienautoren kommt „diese negative Wechselwirkung durch eine Konkurrenz der Viren um die empfänglichen Zellen“ zustande, wenn etwa das Influenzavirus die Zerstörung der Zelloberflächen-Rezeptoren und/oder den Zelltod ausgelöst hat oder wenn infolge der Immunreaktionen auf das Virus (z.B. Interferon-Ausschüttung) nicht infizierte Nachbarzellen dazu gebracht werden, in einen stärker antiviral ausgerichteten Modus zu wechseln.

Die Autoren gehen davon aus, dass diese „vorübergehende immunvermittelte Kreuzprotektion“ zu Veränderungen bei der Virusübertragung führen kann, sodass eine kürzlich erfolgte Influenza-A-Infektion den Wirt weniger anfällig für eine nachfolgende Rhinovirus-Infektion mache.

„Refraktärzeit“ führt zu Rückgang von Erkältungen

Ihre Simulationen zeigten, dass eine solche „Refraktärzeit“ zu einem signifikanten Rückgang von Erkältungskrankheiten führen kann. Eine Refraktärzeit von 2 Tagen führte demnach zu einer 23%igen Abnahme der Inzidenz von Erkältungsviren während des Höhepunktes der Influenza-Virusaktivität und eine 7-tägige Refraktärzeit zu einem Rückgang der Rhinovirus-bedingten Erkrankungen um 61%.

 
Unsere Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Influenza-Inzidenz und der Häufigkeit von rhinoviral bedingten Erkältungskrankheiten hin. Dr. Sema Nickbakhsh und Kollegen
 

Die Untersucher räumen ein, dass die Interaktionen zwischen verschiedenen Virus-Spezies von mehreren Wirts- und Umweltfaktoren abhängen und dass die klinischen Symptome einer Influenza- und einer Rhinovirusinfektion auf der Populationsebene und auch beim einzelnen Wirt sehr unterschiedlich sein können.

„Unsere Ergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Influenza-Inzidenz und der Häufigkeit von rhinoviral bedingten Erkältungskrankheiten hin, was für die Verbesserung von Krankheitsprognose-Modellen und bei der Bewertung von präventiven und therapeutischen Maßnahmen relevant ist“, so die Folgerung der Autoren.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....