Multiples Myelom: Auch Patienten ab 70 Jahren profitieren von autologer Stammzelltransplantation

Mary Ellen Schneider

Interessenkonflikte

13. Januar 2020

Orlando – 70 könnte das neue 60 sein – zumindest, wenn es nach den Ergebnissen der autologen Stammzelltransplantation (ASZT) beim multiplen Myelom geht.

Eine groß angelegte Studie, die sich mit den Transplantationsresultaten über alle Altersgruppen bei Patienten mit multiplem Myelom befasste, offenbarte ähnliche Zahlen für die therapiebedingte Mortalität, für Rezidive bzw. Progression, für das progressionsfreie Überleben und für das Gesamtüberleben bei mindestens 70-jährigen Patienten einerseits und bei 60- bis 69-Jährigen andererseits.

„Das Alter hat keine Relevanz für den antimyeloischen Effekt der Stammzelltransplantation“, sagte Dr. Anita D'Souza vom Medical College of Wisconsin im US-Bundesstaat Milwaukee auf der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando [1].

Die Studie analysierte das Outcome von 15.999 Patienten aus den USA mit multiplem Myelom, die mindestens 20 Jahre alt waren und innerhalb von 12 Monaten nach der Diagnose zwischen 2013 und 2017 eine einzige ASZT mit Melphalan-Konditionierung erhalten hatten. In diesem Datensatz verglichen die Untersucher das Ergebnis von 7.032 Patienten im Alter zwischen 60 und 69 Jahren mit 2.092 Patienten, die mindestens 70 Jahre alt waren.

Dies ist nach Aussagen der Autoren die größte Auto-HCT-Studie an älteren Patienten mit multiplem Myelom. Sie liefere wichtige Daten zum Nutzen einer Transplantation in jedem Alter.

 
Das Alter hat keine Relevanz für den antimyeloischen Effekt der Stammzelltransplantation. Dr. Anita D'Souza
 

Die univariate Analyse ergab, dass die therapiebedingte Mortalität über 100 Tage bei Patienten ab 70 Jahren mit 1% höher war als bei jüngeren Patienten (p < 0,01). Auch das Gesamtüberleben über 2 Jahre war bei Patienten ab 70 Jahren mit 86% niedriger als in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen (p < 0,01).

Bei der Multivarianzanalyse mit den 60- bis 69-Jährigen als Referenzgruppe wiesen Patienten ab 70 Jahren allerdings eine ähnliche therapiebedingte Mortalität auf (Hazard Ratio [HR] 1,3; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,0–1,7, p=0,06). Die gleichen Trends wurden für Rezidive bzw. für eine Progression beobachtet (HR 1,0; 95% KI 0,9-1; p=0,6), für progressionsfreies Überleben (HR 1,1; 95% KI 1–1,2; p=0,2) und für das Gesamtüberleben (HR 1,2; 95% KI 1–1,4; p=0,03). Angesichts der Größe der Stichproben wurde ein p-Wert von 0,01 als statistisch signifikant angesehen.

Im Laufe des Untersuchungszeitraums stieg der Anteil der mindestens 70-jährigen Patienten, die eine Transplantation erhalten hatten, von Jahr zu Jahr an und lag 2017 bei 28%. D'Souza meinte jedoch, dass die Zahl der Patienten angesichts der Sicherheit und Wirksamkeit der ASZT bei diesen Patienten immer noch zu niedrig sei. „Jeder Myelom-Patient sollte an ein Transplantationszentrum überwiesen werden“, forderte sie daher.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....