Fall: Starke Bauchschmerzen bei einer 16-Jährigen nach einer kräftigen Umarmung. Woran könnte es liegen? 

Elena Zafirova, MD; Milcho Panovski, MD, PhD

Interessenkonflikte

18. Februar 2010

Im Larvenstadium entwickeln etwa zwei Drittel der Patienten Leberhydatiden. In 85% der Fälle sind sie im rechten Leberlappen lokalisiert [5]. Am Zweithäufigsten ist die Lunge beteiligt. Aufgrund des langsamen Wachstums sind Patienten mit einfachen, unkomplizierten Zysten meist asymptomatisch. Die Parasiten werden oft zufällig bei bildgebenden Routineuntersuchungen entdeckt. Bei Patienten mit Leberechinokokkose sind die häufigsten Symptome leichte Bauchschmerzen und eine Raumforderung im Oberbauch. Bei der körperlichen Untersuchung kann neben einem tastbaren Bauchtumor auch eine Hepatomegalie vorliegen. Bei etwa 10% der Patienten besteht eine Eosinophilie [4].

Wesentlich dramatischer wird die Sache, falls sich eine Hydatidenerkrankung verkompliziert. Dazu zählt bei der Leberechinokokkose eine intrabiliäre Ruptur, die bei 10-15% der Patienten auftritt und zu einer biliären Obstruktion mit Ikterus und Gallenkolik führen kann [4]. In einigen Fällen kann es auch zu einer Cholangitis oder (seltener) zu einer Pankreatitis kommen. Eine Infektion der Zyste ist ebenfalls möglich. Sie wird in der Regel durch Bakterien aus dem biliären System verursacht. Es kommt zu Fieber, zu einer Leukozytose und möglicherweise zur Ausbildung eines Leberabszesses. Die Patienten können septisch sein und sollten bei entsprechenden Anzeichen aggressiv mit Breitbandantibiotika behandelt werden.

Die Ruptur einer Hydatide in die Bauchhöhle kann sich spontan ereignen, oder wie im vorliegenden Fall durch ein Trauma verursacht werden. Das führt mitunter zu starken Bauchschmerzen, Synkopen oder Fieber. Einige Patienten zeigen auch allergische Reaktionen wie Juckreiz, Urtikaria, Eosinophilie oder Anaphylaxie. Eine intraperitoneale Ruptur führt in der Regel zur sekundären Absiedlung von Zysten in die Peritonealhöhle. Zu den seltenen, aber möglichen Komplikationen der Leberechinokokkose gehören der Aszites, die portale Hypertension, das Budd-Chiari-Syndrom und die Kompression der V. cava.

Eine Hydatidenruptur in die V. cava ist zwar eine sehr seltene, aber im Allgemeinen tödliche Komplikation. Lungenhydatiden können, wenn sie symptomatisch sind, Brustschmerzen, chronischen Husten oder auch eine Hämoptyse verursachen. Sie können in den Bronchialbaum eindringen und zum Auswurf von Zystenflüssigkeit führen. Der Einbruch einer Hydatide in die Pleurahöhle führt zu pleuritischen Brustschmerzen und Dyspnoe. Eine Aussaat von Hydatiden ins Gehirn erzeugt eine der Raumforderung entsprechende neurologische Symptomatik sowie Kopfschmerzen und Anfälle. Gelangen Parasiten ins Skelett, kann es durch Invasion der Markhöhle und eine schleichende Knochenerosion zu pathologischen Frakturen kommen. Bei einer kardialen Beteiligung sind eine Perikarditis und Reizleitungsstörungen möglich [3].

Um Echinokokkenzysten aufzuspüren, können verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt werden. Auf Röntgenleeraufnahmen der Lunge imponieren Zysten als runde Raumforderungen von homogener Densität [4]. Auf einer Abdomenleeraufnahme sind Hydatiden normalerweise nicht zu erkennen, sofern sie nicht kalzifizierte Anteile haben. Zum Nachweis von Leberhydatiden ist die Sonografie das Verfahren der Wahl. Damit lassen sich gut umschriebene dick- oder dünnwandige Zysten in soliden Organen entdecken [4]. Auf diesem Weg kann auch die Dichte der Zystenflüssigkeit bestimmt werden.

Als eindeutiges Kriterium gilt der sonografische Nachweis von Tochterzysten. Kleinere Zysten unter 2 cm und peripher gelegene Zysten können jedoch übersehen werden. Hydatiden lassen sich möglicherweise nicht von einfachen gutartigen Zysten unterschieden, wenn es keine Hinweise auf Tochterzysten gibt. Das CT ist nicht empfindlicher oder spezifischer als die Sonografie, aber es hilft bei der Lokalisierung der Zysten und bei der Frage, welche Strukturen noch beteiligt sind. Dieser Punkt ist sehr wertvoll, wenn vom Arzt eine OP in Erwägung gezogen wird [4].

Die immunologische Diagnose kommt bei der Differenzierung zwischen einfachen benignen Zysten und Hydatiden zur Anwendung. Sie eignet sich auch zur postoperativen Kontrolle persistierender Erkrankungen. Als wertvollster serologischer Test hinsichtlich eines Hydatidenbefalls gilt heute die Immunelektrophorese [4]. Sie ist hochspezifisch, benötigt aber hohe Antikörpertiter für ein positives Ergebnis. Auch in der postoperativen Überwachung ist sie die Methode der Wahl, da die Werte nach einer erfolgreichen Beseitigung des Parasiten relativ schnell wieder negativ werden. Der ELISA-Test bietet sich bei der Primärdiagnostik an, eignet sich aber nicht in der postoperativen Nachsorge, weil er erst Jahre später wieder negativ wird. Die Latexpartikel-Agglutination oder der indirekte Hämagglutinationstest können ebenfalls für die Diagnose verwendet werden. Ihre Sensitivität ist bei einem Leberbefall am höchsten, doch wenn die Lungen oder andere Organe betroffen sind, ist sie viel weniger empfindlich.

Kommentar

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