EU-Jahresbericht zu Zoonosen: Unerklärter steiler Anstieg bei Infektionen mit dem West-Nil-Virus, Salmonella am häufigsten

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

19. Dezember 2019

Im Jahr 2018 wurde fast jeder dritte lebensmittelbedingte Krankheitsausbruch in der EU durch Salmonellen verursacht. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse des Jahresberichtes zu Zoonosen, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) jetzt vorgestellt hat [1].

In 2018 meldeten die EU-Mitgliedstaaten 5.146 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche, die 48.365 Menschen betroffen haben. Als lebensmittelbedingter Krankheitsausbruch gilt ein Vorfall, bei dem sich mindestens 2 Personen die gleiche Krankheit durch dieselben kontaminierten Lebensmittel oder Getränke zuziehen.

 
Die Zahl der gemeldeten Ausbrüche deutet darauf hin, dass es noch Raum für eine Sensibilisierung der Verbraucher gibt.   Marta Hugas
 

Auf die Slowakei, Spanien und Polen entfielen 67% der 1.581 Ausbrüche von Salmonella. Diese Ausbrüche waren hauptsächlich auf Eier zurückzuführen.

Das Problembewusstsein für durch Bakterien verursachte Lebensmittelvergiftungen ist eher gering: „Die Ergebnisse unserer jüngsten Eurobarometer-Umfrage zeigen, dass weniger als ein Drittel der europäischen Bürger durch Bakterien verursachte Lebensmittelvergiftungen zu den 5 wichtigsten Aspekten in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit zählt“, so Marta Hugas, Leiterin der EFSA, in einer Pressemeldung.

„Die Zahl der gemeldeten Ausbrüche deutet darauf hin, dass es noch Raum für eine Sensibilisierung der Verbraucher gibt. Denn viele durch Lebensmittel übertragbare Krankheiten sind durch bessere Hygiene bei der Lebensmittelzubereitung vermeidbar“, betont sie.

Salmonellose war die am zweithäufigsten gemeldete gastrointestinale Infektion beim Menschen in der EU (91.857 gemeldete Fälle) nach Campylobacteriose (246.571).

West-Nil-Virus-Infektionen auf ungewöhnlich hohem Niveau

Der mit Abstand höchste Anstieg im Jahr 2018 war bei der Zahl der West-Nil-Virus-Infektionen zu verzeichnen. Die Fälle dieser Zoonose, die durch Stechmücken übertragen wird, waren 7-mal höher als 2017 (1.605 gegenüber 212) und übertrafen alle zwischen 2011 und 2017 gemeldeten Fälle.

„Die Gründe für den Höhepunkt im Jahr 2018 sind noch nicht vollständig geklärt“, erläutert Mike Catchpole, der leitende Wissenschaftler des ECDC, in der Pressemeldung. „Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Niederschlag haben nachweislich die Aktivität von Stechmücken beeinflusst und können eine Rolle gespielt haben“, so der Forscher.

Und weiter: „Wir können zwar nicht vorhersagen, wie intensiv die nächsten Übertragungssaisons sein werden, aber wir wissen, dass das West-Nil-Virus in vielen Ländern der EU aktiv in Umlauf ist und Menschen, Pferde und Vögel befällt.“ Als Konsequenz verstärke das ECDC seine Unterstützung für die Länder in den Bereichen Überwachung, Vorsorge, Kommunikation und Vektorkontrolle.

Die meisten lokal erworbenen West-Nil-Virus-Infektionen wurden von Italien (610), Griechenland (315) und Rumänien (277) gemeldet. Tschechien und Slowenien meldeten ihre ersten Fälle seit 2013. Italien und Ungarn haben in den letzten Jahren auch eine zunehmende Zahl von Ausbrüchen des West-Nil-Virus bei Pferden und ähnlichen Tierarten registriert.

STEC-Infektionen dritthäufigste Ursache für lebensmittelbedingte Zoonosen

Shigatoxin-produzierende E. coli (STEC) sind mit 8.161 gemeldeten Fällen die dritthäufigste Ursache für lebensmittelbedingte Zoonosen geworden – und ersetzen die Yersiniose mit einem Anstieg von 37% gegenüber 2017.

Dies lässt sich zum Teil durch den zunehmenden Einsatz neuer Labortechnologien erklären, die die Erkennung sporadischer Fälle erleichtern.

Listeriose für die meisten Todesfälle durch Zoonosen verantwortlich

Die Zahl der an Listeriose erkrankten Menschen im Jahr 2018 ist vergleichbar mit 2017 (2.549 im Jahr 2018 gegenüber 2.480 im Vorjahr). In den letzten 10 Jahren ist der Trend aber gestiegen.

Von den im Jahresbericht behandelten Zoonosen macht die Listeriose den höchsten Anteil an stationären Fällen (97%) und die höchste Zahl an Todesfällen (229) aus und ist damit eine der schwersten durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten.

 

Kommentar

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