Tabakindustrie erleichtert Jugendlichen Einstieg ins Rauchen – durch aromatisierte Produkte für E-Zigaretten und Shishas

Dr. Jürgen Sartorius

Interessenkonflikte

21. November 2019

Die erste Zigarette schmeckt oft nicht, der Geschmack von Tabak ist besonders für Kinder nicht attraktiv. Die Tabakindustrie weiß das schon lange und bietet aromatisierte Tabake in verschiedenster Form an. Jetzt zeigte eine Studie: Junge Menschen, die zwischen 12 und 25 Jahren zuerst mit dem Konsum aromatisierter Tabakprodukte starteten, werden später eher zu Rauchern als solche, die zuerst mit einem Tabakprodukt mit Tabakgeschmack begannen.

Dr. Ute Mons

Die longitudinale Kohortenstudie der National Institutes of Health, USA, wurde im Journal of American Medical Association (JAMA) veröffentlicht [1]. 71,9% der erfassten rauchenden Jugendlichen unter 18 Jahren und 57,6% der rauchenden jungen Erwachsenen von 18 bis 24 Jahren gaben an, zum Einstieg ein aromatisiertes Tabak- oder Nikotinprodukt konsumiert zu haben, wobei E-Zigaretten und Shisha-Tabake dabei deutlich häufiger als normale Zigaretten genannt wurden.

 
Je jünger die Konsumenten sind, desto eher erfolgt der Tabakeinstieg über aromatisierte Produkte. PD Dr. Ute Mons
 

„Diese Studie wartet mit einer eher verwirrenden Vielzahl von Zahlen auf. Aber eine Tendenz lässt sich ablesen“, analysiert PD Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg: „Je jünger die Konsumenten sind, desto eher erfolgt der Tabakeinstieg über aromatisierte Produkte.“

Viele Daten durch Betrachtung vieler verschiedener Tabak-Produkte

Im Vergleich zu nach Tabak schmeckenden Produkte erhöhten die aromatisierten Tabakprodukte als Einstieg die Tendenz, im folgenden Jahr regelmäßig zu rauchen: bei den 12- bis 17-Jährigen um 10 bis 20% und bei den 18- bis 24-Jährigen um 50 bis 100%. Die unterschiedlichen Prozentwerte entstanden dadurch, dass in der Studie verschiedene Produkte unterschieden wurden, gesplittet nach Zigaretten, E-Zigaretten, Shishas, Zigarillos, Zigarren, Kau-, Schnupf- oder Lutschtabak.

 
E-Zigaretten und Shishas scheinen hier für Jüngere deutlich attraktiver zu sein. PD Dr. Ute Mons
 

„Die Assoziation, dass aromatisierte Produkte den Einstieg in das Rauchen wahrscheinlicher machen, scheint recht robust, weil sie in einer Vielzahl von Analysen gefunden wurde“, bemerkt Mons dazu. „Allerdings machten die klassischen Zigaretten in der Studie den kleineren Teil aus. E-Zigaretten und Shishas scheinen hier für Jüngere deutlich attraktiver zu sein. Daher sollten Maßnahmen zur Tabakprävention insbesondere bei Jugendlichen auch diese verschiedenen Schienen mitberücksichtigen.“

Das Angebot an Tabakprodukten wird immer unübersichtlicher

E-Zigaretten zählen in Deutschland allerdings nicht zu den Tabakprodukten, da die Verdampfungsflüssigkeit als solche geschmacksneutral ist und nahezu immer aromatisiert wird. Somit sind die „Verdampfer“ technisch gesehen dem Tabak nicht näher als anderen Aromatisierungen wie Süßigkeiten.

 
Menthol erleichtert für viele Anwender das tiefe Inhalieren und birgt deshalb besondere Risiken. PD Dr. Ute Mons
 

In der Studie wurden auch mit Menthol oder Minze aromatisierte Produkte betrachtet, die in Europa weit weniger verbreitet sind als in den USA. Sie sind allerdings schon seit wesentlich längerer Zeit auf dem Markt als solche Tabakprodukte, die nach Obstsorten, Süßigkeiten oder auch Alkohol schmecken, und sind deshalb speziell für Betrachtungen in den USA interessant.

„In Deutschland sind Menthol-Tabakprodukte weniger verbreitet und durch das geplante Verbot für die Anbieter unattraktiv geworden“, erläutert Mons. „Menthol erleichtert für viele Anwender das tiefe Inhalieren und birgt deshalb besondere Risiken.“

2 Befragungswellen zeigen den Verlauf des Einstiegs

Die Autoren um Dr. Andrea Villanti, Psychiater am Vermont Center on Behaviour and Health, USA, nutzten für ihre Untersuchungen Daten einer Longitudinalstudie der FDA und von Partnerinstituten, die in 2 Wellen in den Jahren 2013/2014 und 2014/2015 erhoben wurden:

  • In der 1. Welle beantworteten 13.651 Jugendliche von 12 bis 17 Jahren und 32.320 Erwachsene Fragen in einem automatisierten Interview zu ihrem Tabakkonsum.

  • In der 2. Welle nahmen 11.996 bzw. 26.447 von diesen erneut an einer entsprechenden Befragung teil, um die Weiterentwicklung ihres persönlichen Tabakkonsums zu dokumentieren.

In den Interviews der 2. Welle gaben die Teilnehmer an, ob sie in den letzten 12 Monaten bzw. wie viel sie in den letzten 30 Tagen geraucht bzw. Tabak auf andere Weise konsumiert hatten. Damit wurden die Raucher in Klassen von 1- bis 5-, 6- bis 19-, 20- bis 30- und über 30-maligen „Konsum von Tabak-assoziierten Produkten“ pro Monat eingeteilt.

Bezogen auf die Intensität der Rauchgewohnheiten zeigte sich allerdings keine eindeutige Tendenz dahingehend, dass die Befragten, die mit einem aromatisierten Produkt eingestiegen waren, in der Folge zu besonders regelmäßigen Rauchern wurden. 

 

Kommentar

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