MEINUNG

Zum Welt-Aids-Tag das Wichtigste in 3 Minuten: Unser Experte bietet Ihnen einen aktuellen Überblick rund um die HIV-Therapie

PD Dr. Martin Hartmann

Interessenkonflikte

2. Dezember 2019

Das sollten Sie wissen über Neuinfektionen, PrEP, Leitlinien, neue Integrase-Inhibitoren, Gewichtszunahme und baldige Neuzulassungen – präsentiert von PD Dr. Martin Hartmann.

Transkript des Videos:

Schönen guten Tag, hier ist Martin Hartmann aus der Hautklinik der Universität Heidelberg. Ich werde heute über den aktuellen Stand der HIV-Therapie berichten.

 

Vor 3 Wochen endete der Europäische AIDS-Kongress in Basel als letzter internationaler Kongress in diesem Jahr. Am 1. Dezember 2019 war Welt-AIDS-Tag.

Weniger Neuinfektionen mit HI-Virus in Deutschland

Anlässlich dieses Tages hat das RKI aktuelle Zahlen zur HIV-Infektion veröffentlicht. Die Zahl der Neuinfektionen bei den Menschen deutscher Herkunft und bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) hat sich abgeflacht. Dies ist als ein Erfolg der „Treatment as Prevention“ zu werten. Der konsequent behandelte HIV-Patient ist nicht mehr infektiös.

Auf der Eröffnungsveranstaltung in Basel berichtete Lundgren aktuelle europäische Zahlen. In Osteuropa steigt die Zahl der Neuinfektionen deutlich an. Hier ist „Treatment as Prevention“ noch weit entfernt von den WHO-Zielen: 90% der Patienten zu diagnostizieren, 90% der Patienten zu behandeln, davon 90% erfolgreich zu behandeln. Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) wird in Osteuropa nur sporadisch durchgeführt.

Langzeitnebenwirkungen der PrEP

McAllister konnte in Basel zeigen, dass die PrEP, die kontinuierlich über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird, auch Nebenwirkungen hat. So muss bei bis zu 30% der Patienten mit einer 3%igen Abnahme der Knochendichte gerechnet werden.

 
In Berlin wurde erneut das vermehrte Auftreten von Lymphogranuloma venereum bei PrEP-Usern beobachtet. PD Dr. Martin Hartmann
 

Auch die STIs nehmen zu. Poster von Koppe und Schellberg zeigten, dass bei jedem 5. Patienten eine Infektion mit Neisserien, Treponemen oder Chlamydien auftreten kann. In Berlin wurde erneut das vermehrte Auftreten von Lymphogranuloma venereum bei PrEP-Usern beobachtet.

Neue europäische Leitlinien

Auf dem Kongress wurden die aktuellen europäischen Leitlinien (Version 10,0 in Englisch vom November 2019) vorgestellt. Sie lassen sich auch als pdf-Datei auf Deutsch in der Version 9.0 von 2017 herunterladen. Sie umfassen über 100 Seiten und sind ein ideales Nachschlagewerk. Auch eine App steht zur Verfügung.

Wir haben in Deutschland momentan 11 STR (Single Tablet Regimen), also Einmaltablettenregime. Davon sind 2 Zweifachkombinationen. Eine davon, nämlich Dolutegravir plus Lamivudin (3TC), wurde jetzt auch in die europäische Leitlinie zur Erstlinientherapie aufgenommen.

Auf dem Kongress in Basel konnte in einer Subgruppenanalyse der TANGO-Studie gezeigt werden, dass die Zweifachtherapie der Dreifachtherapie nicht unterlegen ist.

Neue Daten zu Bictegravir

Für einen anderen Integrase-Hemmer, nämlich Bictegravir, konnte gezeigt werden, dass er über 3 Jahre wirksam ist, dass er bei über 65-Jährigen wirkt und auch in der Schwangerschaft nach derzeitigen Kenntnissen unbedenklich ist. Dies ist umso wichtiger, weil mit anderen Integrase-Inhibitoren wie Dolutegravir in der Vergangenheit Neuralrohrdefekte gesehen wurden. Eine aktuelle Analyse konnte dies allerdings nicht bestätigen. Es bleibt aber noch ein kleines Fragezeichen.

Gewichtszunahme durch Integrase-Inhibitoren

Inzwischen wurde nach Langzeiteinnahme von Integrase-Inhibitoren auch eine Gewichtszunahme beobachtet, und zwar vor allem bei Frauen und bei Menschen afrikanischer Herkunft. Es ist völlig unklar, warum diese Nebenwirkung auftritt.

 
Inzwischen wurde nach Langzeiteinnahme von Integrase-Inhibitoren auch eine Gewichtszunahme beobachtet. PD Dr. Martin Hartmann
 

Eine Auswertung von DXA-Daten zeigte, dass das Körpergewicht vor allem bei Regimen mit TAF (Tenovofiralafenamid) und Dolutegravir steigt und diese Zunahme kein Plateau erreicht.

Neue Therapien

Bei der FDA wurden lang wirksame Therapien zur Zulassung eingereicht. Bei Cabotegravir ist in Deutschland mit einer Zulassung Ende 2019/Anfang 2020 zu rechnen. Die Kombination aus Cabotegravir und Rilpivirin muss parenteral alle 30 Tage gegeben werden. Auch erste Studien für PrEP wurden damit erfolgreich durchgeführt.

So viel zum Thema HIV. Danke fürs Zuhören
 

Kommentar

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