MEINUNG

„Keine Gruppen-Selfies und Vorsicht beim Föhnen!“ Im Herbst haben Kopfläuse Hochsaison – ein Überblick zu den Gegenmaßnahmen

PD Dr. Martin Hartmann

Interessenkonflikte

4. November 2019

Die Läuse kommen. Wie sich die Blutsauger übertragen, warum Föhnen gefährlich werden kann und welche Mittel den Parasiten am besten den Garaus machen – kurz zusammengefasst von PD Dr. Martin Hartmann.

Transkript des Videos von PD Dr. Martin Hartmann, Universitätshautklinik Heidelberg:

Schönen guten Tag,

hier ist Martin Hartmann aus dem Klinikum Heidelberg. Heute geht es um Kopfläuse.

Der Sommer ist zu Ende, alle sind zurück und typischerweise steigt um diese Jahreszeit die Zahl der Kopflauserkrankungen. Die Pediculosis capitis ist die häufigste parasitäre Erkrankung im Kindesalter.

Wie kommt die Laus auf den Kopf?

Dazu braucht es einen anderen Kopf mit Läusen. Man steckt die Köpfe zusammen und die Laus, die nicht springen und nicht fliegen kann, krabbelt von einem Kopf zum anderen, häufig durch Licht aktiviert. Dann hat man die Laus.

Die Laus legt ihre Eier ab. Die Eier entwickeln sich dann über das Nymphenstadium zu den erwachsenen Läusen.

Die Laus braucht regelmäßige Blutmahlzeiten, um sich dreimal häuten zu können. Sie stößt dabei etwas Speichel aus, was das Immunsystem sensibilisiert. Deshalb juckt die Stichstelle sehr stark, sie wird aufgekratzt und kann sich sekundär ekzematisieren. Hierdurch kann man die Infektion auch weitergeben.

Wie kann man Kopfläuse diagnostizieren?

Man sucht vor allem retroaurikulär, also hinter den Ohren und im Nacken nach urtikariellen Papeln, die aufgekratzt sind.

Man inspiziert die Haare, ob man Läuse sieht. Sie sind allerdings sehr klein, ausgewachsen etwa 2,1 bis 3,3 mm. Sieht man die Läuse nicht, versucht man, nach Nissen zu schauen. Die visuelle Inspektion hat allerdings nur eine Sensitivität von 30%.

Besser ist das nasse Auskämmen. Das mit Wasser und einem Shampoo angefeuchtete Haar wird mit einem Nissenkamm sorgfältig auskämmt. Der Nissenkamm muss eine Zackenbreite von etwa 0,2 mm haben. Man streicht den Kamm nach dem Durchkämmen der Haare z. B. auf einem Küchenpapier aus und schaut nach, ob man Läuse und eventuell Nissen (Chitinhüllen der Eier) finden kann. Nissen lassen sich allerdings sehr schlecht abstreifen.

Meist wird man durch das nasse Auskämmen fündig, die Sensitivität liegt bei bis zu 90%.

Was kann man therapeutisch machen?

Man kann die Laus intern und extern behandeln. Für die externe Anwendung gibt es Pyrethroide, also Chrysanthemenextrakte, Malathion und Lindan. Lindan ist in der EU verboten. Gegen Malathion und Pyrethroide können die Läuse Resistenzen entwickeln.

Heute werden in Deutschland und Europa Dimeticone eingesetzt. Sie verstopfen die Sauerstoff-Öffnungen der Eier. Diese haben nur sehr kleine, wenige Mikrometer große Öffnungen, durch die die Larven die Luft einatmen, bis sie die Eihülle absprengen können. Auch die Luftwege der erwachsenen Läuse können durch Dimeticone verkleben, die Läuse sterben ab.

Die Dimeticone haben den Vorteil, dass sie keine Resistenzen hervorrufen und insofern problemlos angewandt werden können.

Es gibt in Deutschland mehrere Dimeticone. Die Stiftung Warentest hat Läusemittel im Jahr 2018 geprüft. Am besten schnitten Dimet 20 und Jacutin Pedicul mit einer Einwirkzeit von 10 bis 20 Minuten sowie Etopril mit einer Einwirkzeit von 8 Stunden über die Nacht ab.

Fotos: Dr. M. Hartmann

Aufpassen: Es handelt sich um Mineralöl-Extrakte. Sie können mit einem heißen Föhn oder bei offenem Feuer entflammen und die Haare zum Brennen bringen.

In der Regel werden Läuse und Eier durch diese externe Therapie abgetötet. Wichtig ist es, die Behandlung nach 8 Tagen zu wiederholen, denn nach 7 Tagen können noch weitere Läuse aus Eiern ausschlüpfen, die bis dahin überlebt haben. Dann sollte das Thema ad acta gelegt werden können.

Die Pediculosis capitis ist prinzipiell eine meldepflichtige Erkrankung in den Einrichtungen. Es muss dann nachgewiesen werden, dass keine Epidemien vorliegen.

Was kann man vorbeugend tun?

Möglichst keine Gruppen-Selfies machen. Auch hier kann die Laus beim Kontakt überspringen. In Russland wird zurzeit überlegt, ob man Selfies eventuell unterbindet, um die steigenden Zahlen an Kopflausbefall verringern zu können.

Zusammengefasst kann man sagen:

Das war es. Dankeschön!
 

Kommentar

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