Frühes Mammakarzinom: Welche Frauen profitieren von adjuvanter Chemo? TAILORx-Sekundäranalyse sorgt für mehr Klarheit

Megan Brooks

Interessenkonflikte

16. Oktober 2019

Barcelona – Aktuelle Daten bestätigen den Nutzen eines Genexpressionstests für 21 Gene (Oncotype DX®, Genomic Health) bei der Entscheidung für eine adjuvante Chemotherapie beim frühen Mammakarzinom. Diese neuen Resultate stammen aus der Sekundäranalyse der großen TAILORx-Studie (Trial Assigning Individualized Options for Treatment), an der über 10.000 Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium beteiligt waren.

Diese Sekundäranalyse ist in JAMA Oncology online publiziert [1] und zeitgleich auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology (ESMO) 2019 in Barcelona präsentiert worden [2].

Hauptergebnis der TAILORx-Studie aus dem letzten Jahr war, dass mit diesem Test eine große Kohorte von Frauen (etwa 70%) identifiziert wurde, die keine Chemotherapie benötigen, da sie wahrscheinlich keinen Vorteil davon haben. Die neuen Daten bestätigen jetzt, dass sich umgekehrt so auch eine Kohorte von Frauen identifizieren lässt, die wahrscheinlich von einer Chemotherapie profitieren.

Frauen mit HR-positivem (Hormon-Rezeptor-positiv), HER2-negativem Mammakarzinom und nicht befallenen Axillarknoten, die einen hohen 21-Gen-Rezidiv-Score von 26 bis 100 hatten und mit adjuvanter Chemotherapie plus endokriner Therapie behandelt wurden, hatten eine Wahrscheinlichkeit von 93% für 5 Jahre rezidivfreies Überleben.

Dr. Joseph Sparano

Auch das Ergebnis in dieser Gruppe von Frauen, die allein mit Hormontherapie behandelt wurden, war „besser als erwartet“ (79% nach 5 Jahren), betonen die TAILORx-Autoren. Das Team wurde von Dr. Joseph Sparano geleitet. Er ist stellvertretender Direktor für klinische Forschung am Albert Einstein Cancer Center und Montefiore Health System in New York und stellvertretender Vorsitzender der ECOG-ACRIN Cancer Research Group.

 
Die Sekundäranalyse ist eine schöne Bestätigung dafür, dass die Chemotherapie bei einem Rezidiv- oder Recurrence-Score von über 26 gerechtfertigt ist, da sie die Prognose verbessert. Dr. Charles Shapiro
 

Die Sekundäranalyse sei „eine schöne Bestätigung dafür, dass die Chemotherapie bei einem Rezidiv- oder Recurrence-Score von über 26 gerechtfertigt ist, da sie die Prognose verbessert“, kommentiert Dr. Charles Shapiro für Medscape. Er ist Direktor des Translational Breast Cancer Research and Cancer Survivorship am The Tisch Cancer Institute des Mount Sinai Hospital in New York und war nicht an der Studie beteiligt.

Auslassen der Chemotherapie

In die TAILORx-Studie sind 10.273 Frauen mit HR-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom und freien Axillarknoten aufgenommen worden – an mehr als 1.100 Standorten in den USA, Australien, Kanada, Irland, Neuseeland und Peru. Die Tumore der Patientinnen wurden mit dem 21-Gen-Expressionstest analysiert und mit einem Rezidiv-Score bewertet (auf einer Skala von 0 bis 100).

Die wichtigsten Ergebnisse sind bereit im Jahr 2018 auf dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und im New England Journal of Medicine veröffentlicht worden. Demnach kann 70% der Patientinnen mit einem mittleren Rezidiv-Score eine Chemotherapie erspart werden. Die Studie zeigte keinen Unterschied beim krankheitsfreien Überleben zwischen alleiniger Hormontherapie und einer Kombination aus Hormon- und Chemotherapie, wie Medscape damals berichtete.

Größter Datensatz in der Gruppe mit hohem Rezidiv-Score

Die Sekundäranalyse konzentrierte sich nun auf 1.389 Frauen aus der TAILORx-Studie, die einen Rezidiv-Score im Hochrisikobereich von 26 und darüber aufwiesen und sich nach einer Operation zusätzlich zur Hormontherapie einer Chemotherapie unterzogen hatten.

Die meisten Patientinnen (84%) wurden mit einem Taxan- und/oder Anthrazyklin-haltigen Chemotherapie-Regime behandelt. Die häufigsten Therapien waren Docetaxel/Cyclophosphamid (42%) und Anthracyclin ohne Taxan (24%), gefolgt von Anthracyclin mit Taxan (18%), Cyclophosphamid/Methotrexat/5-Fluorouracil (CMF; 4%), anderen Therapien (6%) und „keine Chemotherapie“ (6%).

Nach 5 Jahren betrug die geschätzte Rezidivfreiheit (an einer anderen Lokalisation) 93,0% bzw., wenn auch lokal-regionale Rezidive dazu gezählt wurden, 91,0%. Das „invasiv-krankheitsfreie Überleben“ betrug 87,6% und das Gesamtüberleben 95,9%.

Dabei lag für alle chemotherapeutischen Behandlungsregime die 5-Jahres-Rezidivfreiheit an einer anderen Lokalisation zwischen 92,3 und 95,5% – mit Ausnahme für das CMF-Regime, unter dem lediglich eine Rate von 88,5% erreicht wurde.

Im Cox-Modell, bei dem jedes Behandlungsregime jeweils mit „keine Chemotherapie“ verglichen und dabei für Tumorgröße, Alter, Grading und Rezidiv-Score korrigiert wurde, ergaben sich geschätzte Hazard Ratios (HR) von 0,74 (95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,32–1,69) für die Rezidivfreiheit an distanter Lokalisation und 0,48 (95%-KI: 0,29–0,80) für den Endpunkt „invasiv-krankheitsfreies Überleben“. Dies spreche für ein schlechteres Outcome bei denjenigen Frauen, die einen hohen Rezidiv-Score von 26 und darüber hatten, aber keine Chemotherapie erhielten, betonen die Autoren.

 
Die neue Analyse bietet nun den größten Datensatz zu den Outcomes von Patientinnen mit frühem Mammakarzinom und hohem Rezidiv-Score. Dr. Joseph Sparano
 

Bereits die initialen TAILORx-Resultate „gaben den Ärzten qualitativ hochwertige Daten an die Hand, aus denen sie für die Patientinnen individualisierte Behandlungsempfehlungen ableiten können“, sagte Sparano. „Die neue Analyse bietet nun den größten Datensatz zu den Outcomes von Patientinnen mit frühem Mammakarzinom und hohem Rezidiv-Score. Die Zahlen bestätigen die Bedeutung des Tests zur Identifizierung der Patientinnengruppe, die einen signifikanten Nutzen aus der Kombination aus adjuvanter Chemo- und Hormontherapie ziehen kann.“

Shapiro stimmt dem zu. „Dies bestätigt, dass die Chemotherapie bei einem Rezidiv-Score von 26 und mehr wichtig ist. Das war uns zwar schon klar, aber es ist schön, es schwarz auf weiß zu haben“, sagte er für Medscape.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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