Bester Freund fürs Herz: Studien bestätigen, Hundebesitzer haben längere Lebenserwartung nach Infarkt und Schlaganfall

Julia Rommelfanger

Interessenkonflikte

16. Oktober 2019

Der Hund ist nicht nur der beste Freund des Menschen. Seine Gesellschaft könnte sich auch positiv auf die Herzgesundheit seines Herrchens oder Frauchens auswirken – und dessen Leben verlängern. So lautet die Essenz aus einer prospektiven Registerstudie und einer Metaanalyse, in denen die kardiovaskulären Risiken und das Überleben von Hundebesitzern untersucht worden sind [1,2].

 
Diese beiden Studien liefern gute, qualitativ hochwertige Daten, die andeuten, dass das Halten eines Hundes mit einer verminderten kardialen sowie allgemeinen Mortalität einhergeht. Dr. Glenn N. Levine
 

„Diese beiden Studien liefern gute, qualitativ hochwertige Daten, die andeuten, dass das Halten eines Hundes mit einer verminderten kardialen sowie allgemeinen Mortalität einhergeht“, kommentiert Dr. Glenn N. Levine, Vorsitzende der Arbeitsgruppe- Sie hat das wissenschaftliche Statement der American Heart Association (AHA) zum Besitz von Haustieren verfasst. Zwar könne man aus den nicht randomisierten Studien keine Kausalität ableiten; jedoch sei diese stabile Evidenz ein Indikator dafür, dass die Anschaffung, beziehungsweise der Besitz eines Hundes zu einer verminderten Sterblichkeit führe.

Basierend auf früheren Studien, die gezeigt hatten, dass sich soziale Isolation und ein inaktiver Lebensstil negativ auswirken, wollten Wissenschaftler herausfinden, inwiefern Hundebesitzer von der Gesellschaft ihres Vierbeiners in gesundheitlicher Hinsicht profitieren können.

Metaanalyse findet Assoziationen mit niedrigerer Mortalität

Forscher in Toronto haben in einer Metaanalyse 10 Studien mit einem Follow-up von 1 bis 22 Jahren analysiert; die meisten davon aus Skandinavien und England, in denen der Zusammenhang von Hundebesitz und Mortalität untersucht worden war.

 
Unsere Erkenntnisse suggerieren, dass der Besitz eines Hundes mit einem längeren Leben einhergeht. Dr. Caroline K. Kramer
 

Zwar haben vorherige Untersuchungen gezeigt, dass Hundebesitzer einen niedrigeren Blutdruck und bessere Cholesterinwerte und damit eine bessere Herzgesundheit aufweisen; jedoch sei unklar, ob Hundebesitzer länger leben als Menschen ohne Hund im Haushalt, argumentiert das Autorenteam um Dr. Caroline K. Kramer, Mount Sinai Hospital und University of Toronto, Kanada.

Basis der Arbeit waren Daten von mehr als 3,8 Millionen Patienten aus 10 prospektiven Studien. In 9 davon wurde das Überleben von Hundebesitzern und Menschen ohne Hund verglichen; in 4 Studien ging es um kardiovaskuläre Outcomes. Die Resultate zeigen eine Assoziation niedriger Sterberisiken mit dem Besitz von Hunden:  

  • Verringerung des allgemeinen Mortalitätsrisikos um 24%

  • Verringerung des Mortalitätsrisikos nach einem Herzinfarkt um 65%

  • Verringerung der Herz-Kreislauf-Mortalität um 31%  

„Unsere Erkenntnisse suggerieren, dass der Besitz eines Hundes mit einem längeren Leben einhergeht“, sagt Kramer. Zwar seien bei der Analyse keine weiteren Einflussfaktoren wie bessere Fitness oder gesünderer Lebensstil der Hundehalter berücksichtigt worden; trotzdem seien die Ergebnisse „sehr positiv“. „Der nächste Schritt wäre eine Interventionsstudie, die die kardiovaskulären Auswirkungen nach dem Erwerb eines Hundes sowie die sozialen und psychologischen Vorzüge von Hundebesitzern analysiert“, so der Vorschlag der Endokrinologin und Hundebesitzerin.

Besonders Alleinlebende profitieren vom Hund

Die größte Studie in der Metaanalyse stammte aus Schweden. Ein Forscherteam um Dr. Mwenya Mubanga von der Universität in Uppsala hat nun erneut eine prospektive schwedische Registerstudie mit Daten aus dem Schwedischen Nationalen Patientenregister zum Überleben von Hundebesitzern und Nicht-Hundebesitzern nach einem kardiovaskulären Ereignis durchgeführt. In die Studie wurden 181.696 Herzinfarktpatienten, 5,7% davon Hundebesitzer, sowie 154.617 Schlaganfallpatienten, 4,8% davon Hundebesitzer, eingeschlossen.

Wiederum waren die Überlebenschancen der Hundebesitzer deutlich besser; insbesondere bei Hundehaltern ohne Partner oder Familie. Das Mortalitätsrisiko der Infarktpatienten, die nach dem Infarkt alleine, aber mit Hund lebten, war um 33%, das derer, die mit Partner oder Kind lebten, um 15% niedriger als das Risiko von Infarktpatienten ohne Hund.

Auch Schlaganfallpatienten profitierten scheinbar vom Haustier. Ihr Sterberisiko mit Hund sank der Wert um 27%; mit Partner oder Kind waren es 12% weniger als bei Patienten ohne Hund und ohne Familie.

 
Ein Hund motiviert zu mehr Bewegung. Diese ... spielt eine wichtige Rolle für die Rehabilitation und die mentale Gesundheit. Prof. Dr. Tove Fall
 

Mehr Bewegung könnte ein Grund für das verminderte Mortalitätsrisiko sein, vermuten die Autoren, genau wie die Tatsache, dass Menschen, die einen Hund ihr Eigen nennen, weniger einsam und seltener depressiv sind als Menschen, die ohne Hund leben. „Wir wissen, dass soziale Isolation einen bedeutenden Risikofaktor für die Gesundheit darstellt“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Tove Fall von der Universität in Uppsala. „Des Weiteren motiviert ein Hund zu mehr Bewegung. Diese wiederum spielt eine wichtige Rolle für die Rehabilitation und die mentale Gesundheit.“

Der Hund als lebensverlängernder Hausbewohner?

In einem Editorial zu den in Circulation veröffentlichten Studien plädiert auch Dr. Dhruv S. Kazi, Beth Israel Deaconess Medical Center und Harvard Medical School, Boston, USA, für diese Tiere [3]. „Hunde bieten Gesellschaft, reduzieren Ängste und Einsamkeit, fördern das Selbstbewusstsein und bessern die Laune“, so ihre Erfahrung.

Weniger eindeutig sei bislang der Effekt auf die physische Gesundheit, schreibt sie. Hierzu liefern zwar die beiden aktuellen Untersuchungen positive Erkenntnisse. Jedoch stelle sich die Frage inwiefern die Zusammenhänge zwischen Hundebesitz und besseren Überlebenschancen einen kausalen Zusammenhang darstellen. „Was wir wirklich wissen wollen, ist ..., ob der Besitz eines Hundes das Leben verlängert“, schreibt Kazi.

Ihrer Ansicht nach spricht einiges dafür: Zum einen zeige sich der Überlebensvorteil in vielen Ländern und in unterschiedlichen Populationen; also sei ein Zufallsbefund unwahrscheinlich. Die schwedische Studie habe zudem demografische und sozio-ökonomische Einflussfaktoren sowie den Bildungsstand der Studienteilnehmer berücksichtigt. Der Zusammenhang blieb bestehen.

 
Meine Interpretation der gesamten bisherigen Evidenz ist, dass der Zusammenhang zwischen Hundebesitz und verbessertem Überleben real und zumindest teilweise kausal ist. Dr. Dhruv S. Kazi
 

Ein Zusammenhang zwischen Hundebesitz und verbesserter Herzgesundheit sei aufgrund von mehr Bewegung, mehr Zeit an der frischen Luft und weniger Stress „biologisch plausibel“. Vor allem aber könne sich die bessere psychische Gesundheit von Hundebesitzern herzschonend auswirken. „Meine Interpretation der gesamten bisherigen Evidenz ist, dass der Zusammenhang zwischen Hundebesitz und verbessertem Überleben real und zumindest teilweise kausal ist“, so Kazis Fazit.
 

Kommentar

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