Fall: Blähungen, Bauchweh, Durchfall – braucht diese junge Frau eine Spezial-Diät oder mehr?

Mohammad Elbatta, Jason Schairer

Interessenkonflikte

11. Oktober 2019

Kennen Sie die Subtypen des Reizdarmsyndroms?

Anhand der vorherrschenden Symptomatik an Tagen mit abnormalem Stuhlgang werden 4 Subtypen des Reizdarmsyndroms unterschieden. Zur Erfassung der Stuhlkonsistenz sollte man sich der Bristol-Stuhlformen-Skala bedienen. Die Subtypen können nur dann sicher differenziert werden, wenn der Patient nicht während der Einnahme von Medikamenten evaluiert wird, die sich auf die Stuhlbeschaffenheit und das Stuhlverhalten auswirken – wie z.B. Durchfallmittel, Abführmittel oder Antibiotika.

Die 4 Subtypen des Reizdarmsyndroms werden für die klinische Praxis wie folgt definiert:

  • Reizdarmsyndrom mit Obstipation

  • Reizdarmsyndrom mit Diarrhö

  • Mischdarmsyndrom des Reizdarms: anormaler Stuhlgang wechselt zwischen Obstipation und Diarrhö

  • nicht klassifiziertes Reizdarmsyndrom: Patient erfüllt die diagnostischen Kriterien für das Reizdarmsyndrom, kann aber keinem der Subtypen genau zugeordnet werden.

In diesem Fall

Bei dieser Patientin liegen keine Alarmsymptome wie z.B. Blut im Stuhl, Anämie oder nächtliche Beschwerden vor. Auch die Familienanamnese liefert keinen Hinweis auf eine Crohn-Krankheit. Darüber hinaus ist ein gänzlich unauffälliges großes Blutbild bei einer Zöliakie unwahrscheinlich. Die Patientin hatte keine Bauchoperation gehabt und es gab keine Hinweise auf eine mögliche andere Ursache für Stauungen im Dünndarm. Damit ist ein SIBO unwahrscheinlich.

Die Patientin erfüllt die Rom-IV-Kriterien für das Reizdarmsyndrom. Die Schmerzen bestehen seit über 3 Jahren mit einer Zunahme der Symptomatik in jüngerer Vergangenheit. Es gibt ein allwöchentliches Beschwerdebild aus Schmerzen, aufgedunsenem Abdomen, breiigem Stuhl und häufigem Stuhlgang.

Die wahrscheinlichste Diagnose ist in diesem Fall das Reizdarmsyndrom. Patienten mit milden und intermittierenden Beschwerden, welche die Lebensqualität nicht beeinträchtigen, sollten eher eine Lebensstil- und Ernährungsberatung (siehe unten) erhalten als eine medikamentöse Behandlung.

Somit besteht der erste Schritt in einer Validierung der Symptome in einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch. Bei Patienten mit leichten, bis mittelschweren Symptomen, die auf die initiale Behandlung mit Lebensstil-Anpassung und Ernährungsumstellung nicht ansprechen, wird eine zusätzliche pharmakologische Therapie empfohlen. Das gilt auch für Patienten mit mittelschweren, bis schweren Symptomen, die in ihrer Lebensqualität stärker beeinträchtigt sind.

Die Wahl der Medikamente richtet sich nach der vorherrschenden Symptomatik (Verstopfung oder Durchfall). Stehen Durchfallbeschwerden im Vordergrund, sind zunächst Antidiarrhoika (z.B. Loperamid) indiziert. Wobei Gallensäurebinder wie Colestyramin, Colestipol oder Colesevelam als Zweitlinien-Therapie empfohlen werden.

Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom und Obstipation, bei denen eine Therapie mit löslichen Ballaststoffen (z.B. Flohsamenschalen) erfolglos war, sieht der nächste Behandlungsschritt die Gabe von Polyethylenglykol vor. Hält die Obstipation trotz einer Therapie mit Polyethylenglykol an, kann man Lubiprotein oder Linaclotid empfehlen.

Gegen die Bauchschmerzen im Rahmen eines Reizdarmsyndroms wenden die Autoren je nach Bedarf krampflösende Verbindungen wie z.B. das anticholinerge Dicyclomin oder den parasympatholytischen Atropin-Abkömmling Hyoscyamin an. Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom mit Obstipation werden krampflösende Mittel nur dann eingesetzt, wenn die Bauchschmerzen trotz Behandlung der Verstopfung anhalten.

Da die Patientin im vorliegenden Fall keine Symptome hat, welche die Lebensqualität beeinträchtigen, wurden nur Lebensstilanpassungen und eine Ernährungsumstellung mit passender Diät, etwa einer Low-FODMAP-Diät, empfohlen (siehe unten, Medscape berichtete). Von einer medikamentösen Therapie wurde zunächst Abstand genommen mit der Maßgabe, dass bei den Follow-ups im Bedarfsfall weitere Maßnahmen zur symptomatischen Therapie ergriffen werden.

Kommentar

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