Start in die Grippe-Impfsaison: RKI-Rückblick auf 25.000 Tote in 2017/18, der neue Impfstoff und Pommes zur Motivation

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

2. Oktober 2019

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat jetzt seinen Influenza-Saisonbericht vorgelegt: Demnach sind in der (sehr schweren) Grippewelle 2017/18 geschätzt 25.100 Menschen in Deutschland durch Influenza gestorben. „Das ist die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren“, konstatiert Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, in einer Pressemitteilung des RKI [1].

Prof. Dr. Lothar H. Wieler

So viele Todesfälle bei einer Grippewelle sind eher selten – in manchen Saisons sind es auch „nur“ wenige hundert Todesfälle. Die wichtigste Schutzmaßnahme ist natürlich die Impfung: „Es gibt keine andere Impfung in Deutschland, mit der sich mehr Leben retten lässt“, betont Wieler.

Für die Beurteilung der Krankheitslast ist auch die Zahl der Arztbesuche maßgeblich, die der Influenza zugeschrieben werden. Für die Saison 2018/19 sind das rund 3,8 Millionen Arztbesuche. Die geringste Zahl gab es mit rund 800.000 in der Saison 2013/14, den höchsten Wert in der ungewöhnlich starken Grippewelle 2017/18 mit 9 Millionen.

 
Es gibt keine andere Impfung in Deutschland, mit der sich mehr Leben retten lässt. Prof. Dr. Lothar H. Wieler
 

Bislang rund 15,7 Millionen Impfdosen freigegeben

Das RKI empfiehlt, im Oktober oder November mit den Impfungen zu beginnen, diese Monate seien optimal. Bis sich nach der Impfung der Schutz aufbaut vergehen etwa 10 bis 14 Tage.

Nachdem in der schweren Influenzasaison 2017/18 der hauptsächlich geimpfte trivalente Grippeimpfstoff nur suboptimal vor den zirkulierenden Viren geschützt hatte (Influenza B Yamagata war nur im tetravalenten Grippeimpfstoff enthalten), in der letzten Saison 2018/19 der Impfstoff ausging und importiert werden musste, sieht es bislang – theoretisch – gut aus mit dem diesjährigen Grippeschutz. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat bislang rund 15,7 Millionen Impfdosen freigegeben (Stand 20. September 2019).

Der Impfstoff für die Saison 2019/2020 setzt sich entsprechend der Empfehlungen von WHO und EMA aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten folgender Viren zusammen:

  • A/Brisbane/02/2018 (H1N1)pdm09-ähnlicher Stamm

  • A/Kansas/14/2017 (H3N2)-ähnlicher Stamm

  • B/Colorado/06/2017-ähnlicher Stamm (B/Victoria/2/87-Linie)

Für quadrivalente Impfstoffe werden die Antigene der genannten Viren und eine Variante von B/Phuket/3073/2013-ähnlicher Stamm (B/Yamagata/16/88-Linie) empfohlen.

Die STIKO empfiehlt bekanntlich die Grippe-Impfung für alle Personen ab 60 Jahren, für chronisch Kranke aller Altersstufen, für Schwangere und für Medizin- und Pflegepersonal. Informationen zur Grippeimpfung finden sich auf den Seiten des RKI.

Ansteckung vermeiden

Als Allgemeinmaßnahmen für die Bevölkerung, um sich gegen die Ansteckung zu wappnen, empfiehlt das RKI neben der Impfung gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten. Influenzaviren können allerdings bereits übertragen werden, bevor Symptome auftreten.

Eine Influenza beginnt oft plötzlich mit Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen. Häufig kommt etwas später ein trockener Reizhusten dazu. Allerdings erkranken längst nicht alle Infizierten so typisch. Besonders Ältere bekommen häufig kein Fieber.

Quote über 90%: Portion Pommes motiviert zur Grippeimpfung

Noch immer ist auch der Impfschutz in Kliniken und Praxen optimierbar. Dabei dient die Impfung des medizinischen Personals nicht nur dem individuellen Schutz, sondern reduziert auch die Weiterverbreitung der Influenza-Viren.

Über die Online-Befragung OKaPII erhebt das RKI jährlich die Influenza-Impfquoten von Klinikpersonal und die Gründe, warum die Impfung erfolgte oder aber nicht in Anspruch genommen wurde. Das Ziel ist es, das Impfverhalten besser zu verstehen und zeitliche Entwicklungen abzubilden. Interessierte Kliniken können sich hier informieren und anmelden.

Im St. Franziskus-Hospital in Münster hat das wohl funktioniert, berichtet das RKI: Wer sich dort gegen Influenza impfen ließ, erhielt einen Gutschein für eine Portion Pommes in der Cafeteria. Jedes Team mit einer Impfquote von 100% bekam zudem einen Gutschein für ein gemeinsames Frühstück. Mit Erfolg: Die Impfquote verdoppelte sich, in der Ärzteschaft lag sie nach der Aktion bei über 90%.

Die hohe Steigerungsrate führt die Klinik aber auch auf das intensive „aufsuchende Impfen“ in allen Arbeitsbereichen des Hospitals zurück und die Erinnerung an den schweren Verlauf der vorangegangenen Grippesaison 2017/2018 mit vielen Influenza-Patientinnen und -Patienten und einem hohen Krankenstand unter den Mitarbeitenden.
 

Kommentar

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