MEINUNG

Vorhofflimmern stoppen: Kardioversion bei ICD-Trägern – extern ist besser und womöglich sicherer als intern

PD Dr. Nikolaus Sarafoff

Interessenkonflikte

14. Oktober 2019

Diese Studie, vorgestellt von PD Dr. Nikolaus Sarafoff, zeigt, dass die externe Kardioversion mit aufgeklebten Defibrillationselektroden effektiver und sicherer ist als die interne über das ICD-Gerät.

Transkript des Videos:

Mein Name ist Nikolaus Sarafoff und ich bin Kardiologe in München.

Ich möchte heute eine randomisierte Studie zur optimalen Art der Kardioversion bei ICD-Trägern mit Vorhofflimmern vorstellen. Die Arbeit wurde gerade in Circulation publiziert.

 
„Es zeigte sich, dass die externe Kardioversion mit 93% signifikant erfolgreicher war als die interne Kardioversion mit nur 65% Erfolgsquote.“ PD Dr. Nikolaus Sarafoff
 

Viele Patienten mit implantierten Defibrillatoren haben atriale Herzrhythmusstörungen. Eine gängige Therapie-Möglichkeit zur Behandlung der Rhythmusstörung ist eine elektrische Kardioversion. Es gibt die Möglichkeit der externen und der internen Kardioversion – jede hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile: Bei der externen Kardioversion befürchtet man, dass sie zu Schäden an dem ICD-Aggregat und/oder den Sonden führen kann. Andererseits führt eine interne Kardioversion über das implantierte Aggregat zu einer Batterie-Entladung und verkürzt die Lebensdauer des Gerätes.

Studiendesign

In der vorliegenden Studie wurden 230 Patienten mit Vorhofflimmern und geplanter Kardioversion sowie vorhandenem ICD oder CRT-ICD randomisiert: In eine externe Kardioversionsgruppe, bei denen die Patienten über anterior/posterior aufgeklebte Defi-Patches behandelt wurden und eine interne Kardioversionsgruppe, bei der die Kardioversion über das implantierte Aggregat erfolgte.

In der internen Kardioversionsgruppe wurde ein biphasischer Schock mit 28 bis 40J abgegeben. Bei nicht erfolgreicher interner Kardioversion folgte eine ICD-Abfrage und der Studienendpunkt wurde bewertet. Im Anschluss wurde eine externe Kardioversion und eine erneute ICD-Abfrage durchgeführt.

In der externen Gruppe erfolgte eine Kardioversion mit schrittweiser Erhöhung der Leistung. Bei Vorhofflimmern wurde mit 100J biphasisch begonnen und bei Vorhofflattern mit 50J. War dies nicht erfolgreich, wurden bis zu 4 externe Schocks bis maximal 360J abgegeben.

Ergebnisse

85% der Patienten hatten zu Beginn Vorhofflimmern. Der Rest hatte Vorhofflattern oder andere atriale Tachykardien.

Es zeigte sich, dass die externe Kardioversion mit 93% signifikant erfolgreicher war als die interne Kardioversion mit nur 65% Erfolgsquote. Ein Drittel der Patienten benötigten mehr als einen externen Schock.

Die Sicherheitsendpunkte (bestehend aus vorübergehender oder permanenter Sonden und/oder Aggregatfehlfunktion) waren insgesamt selten und zeigten sich weniger häufig in der externen Gruppe. Er war maßgeblich getriggert von einer moderaten Reduktion der Batterieleistung der Aggregate.

Bei 3 Patienten in der internen Gruppe kam es nach erfolgloser interner Kardioversion zu einer „stillen“ Fehlfunktion der ICD-Sonde welche nach dem Schock erkannt wurde. Interessanterweise war bei diesen Patienten vor der Kardioversion die Funktion der Sonde normal.

Diskussion

Die Studie lieferte somit keinen Hinweis, dass mit der externen Kardioversion erhöhte ICD- oder Sonden-Fehlfunktionen auftraten – bei gleichzeitig erhöhter Konversionsrate in den Sinusrhythmus. Eine externe Kardioversion mit richtig geklebten Defi-Patches kann somit auch bei ICD-Trägern empfohlen werden.

Die Demaskierung von „stillen“ Fehlfunktionen von ICD-Sonden, die erst mit der internen Kardioversion enstanden waren ist ein neu beobachtetes Phänomen und ein wichtiges Ergebnis dieser Studie. Es bedarf weiterer Untersuchungen.

 
„Eine externe Kardioversion mit richtig geklebten Defi-Patches kann somit auch bei ICD-Trägern empfohlen werden.“ PD Dr. Nikolaus Sarafoff
 

Mein Name ist Nikolaus Sarafoff aus München und ich freue mich, sie bald wieder hier bei Medscape begrüßen zu dürfen.
 

Kommentar

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